Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé verzichtet im Hinblick auf die Umsetzung der Abzocker-Initiative darauf, künftig an Generalversammlungen rückwirkend über die Boni der Chefetage abzustimmen. Andernfalls seien die Transparenz und Rechtssicherheit gefährdet, warnte Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck.

Stattdessen soll eine bindende Vorausabstimmung über das Gesamtbudget der Vergütungen mit einer nachträglichen Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht kombiniert werden, wie Brabeck in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» erklärte. «Nur dieses erlaubt mir, dem Management zu sagen, dass nebst dem Grundlohn auch der Bonus für das kommende Jahr gesichert ist, sofern die entsprechenden Leistungen erbracht sind.»

Ausländer wollen keine bindende Abstimmung

Laut Brabeck ziehen vor allem die ausländischen Aktionäre konsultative Abstimmungen vor. «Die ausländischen Investoren wollen von der Minder-Initiative nichts wissen ausser der Frage, ob wir weiterhin wettbewerbsfähig sein können», sagte der 69-Jährige. «Sie wollen eine Abstimmung über den Vergütungsbericht, aber nicht eine bindende.»

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Mit den neuen Regelungen würde der VR-Präsident «unglaublich» gestärkt. «Wenn ich gewählt bin als Präsident, kann mich der Verwaltungsrat nicht morgen abwählen. Dass heisst aber auch, dass die Entscheidungsgewalt in der Firma ins Ausland gegangen ist, da etwa zwei Drittel unserer Aktien in ausländischen Händen liegen.»

Vergütungen von internationalem Kontext abhängig

Auf die Frage, ob Manager denn nicht genügend motiviert seien, wenn ihre Bonuspakete bei entsprechender Leistung nicht garantiert wären, meinte der Nestlé-Chef: «Stellen Sie sich vor, Sie führen Gespräche mit Bewerbern für einen Sitz in der Geschäftsleitung und müssen sagen, dass der Fixlohn zwar gesichert sei, aber beim Bonus auch bei guten Leistungen nicht klar sei, ob man ihn überhaupt bezahlen könne. Dann würde keiner mehr kommen.»

Für Brabeck wird die Abzocker-Initiative allerdings kaum einen Einfluss auf die Höhe der Vergütungen haben. Viel wichtiger sei, was international passiere. «Wenn international die Vergütungen sinken, wird dies auch in der Schweiz geschehen. Wenn international die Vergütungen steigen, müssen auch wir uns anpassen.»

Die Erfahrung zeigt laut Brabeck, dass letzten Endes viel von der Spitze abhänge, wie sich das Unternehmen entwickle. Kein Verständnis habe er, wenn es bei einer Firma schlecht laufe und die Managerboni trotzdem stiegen. Auch der Fall Vasella sei eine sehr grosse Provokation gewesen.

Geschäftsleitung verdiente 2013 leicht weniger

Die Entschädigung für die gesamte Geschäftsleitung von Nestlé verminderte sich im letzten Jahr leicht von 43,9 Millionen Franken auf 43,1 Millionen Franken. Spitzenverdiener war Konzernchef Paul Bulcke, der rund 9,3 Millionen Franken verdiente. Im Vorjahr hatte Bulcke mit etwas über 10 Millinen Franken noch mehr kassiert.

Peter Brabeck hat für sein Verwaltungsratspräsidium bei Nestlé im vergangenen Jahr wiederum 7 Millionen erhalten, davon rund 1,6 Millionen Franken in bar. Der gesamte Verwaltungsrat wurde mit 11,5 Millionen Franken honoriert. Im Vorjahr waren es mit 11,6 Millionen leicht mehr gewesen.

(sda/chb)