Seit Monaten steht Nestlé unter Druck aus Amerika: Dort hat Investor Daniel Loeb und sein Fonds Third Point rund 1 Prozent am weltgrössten Lebensmittelkonzern erworben. Seither drängen die Amerikaner die Konzernführung in Vevey auf Veränderungen, vor allem Nestlés 23-Prozent-Beteiligung an L’Oréal. Third Point möchte, dass Nestlé sich vom Paket am Kosmetikhersteller trennt und mit dem Erlös eigene Aktien zurückkauft.

Die Nestlé-Führung hat sich nun erneut gegen die Forderung des hartnäckigen Grossinvestors verteidigt: Nestlé werde zur richtigen Zeit den besten Entscheid zur L’Oréal-Beteiligung fällen, sagte Präsident Paul Bulcke der «Financial Times». Die Kriterien für den Entscheid will der Manager aber nicht preisgeben. «Je weniger wir zu den Faktoren und Kritierien sagen, desto besser», so Bulcke. Die Aktionäre müssten der Konzernführung bei diesem Thema das Vertrauen schenken.

Nestlé ist nicht wie Campell's

Daniel Loeb drängt nicht nur bei Nestlé auf Veränderungen: Der aktivistische Investor ist mit seinem Fonds bei verschiedenen Grosskonzernen eingestiegen – und konnte kürzlich zwei Erfolge erzielen. So wurde der US-Aviatikkonzern United Technologies auf Drängen von Third Point in drei Teile aufgespalten. Beim Lebensmittelkonzern Campell's zieht Third Point mit zwei Vertretern in den Verwaltungsrat ein und kann bei der Wahl des CEOs mitreden.

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Nestlé lasse sich nicht mit Campell's vergleichen, findet CEO Mark Schneider: «da müssen sie nur die jüngste Entwicklung der beiden Konzerne vergleichen», sagte Schneider der «FT». Ob Third Point auch bei Nestlé in den Verwaltungsrat einziehen sollte, wollte Präsident Bulcke nicht sagen. «Wir sind offen für alle Ideen und prüfen, was im besten Interesse des Konzerns ist.»

Bulcke steht auch als Person unter Druck durch die Amerikaner. Seine Rolle als Präsident ist aus ihrer Sicht problematisch. Third Point stellt sich damit gegen die in der Schweiz häufige Praxis, dass ehemalige CEOs wie Bulcke später das Präsidium übernehmen.

(mbü)