Der nachlassende Appetit auf Fertigprodukte, das späte Osterfest und die Wirtschaftsflaute in Teilen der Welt haben Nestlé zu Jahresbeginn gebremst. Im ersten Quartal lag das organische Wachstum des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns bei 2,3 Prozent nach 3,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Es ist der langsamste Jahresstart für den Konsumgüterriesen mit Marken wie Nescafe, Maggi oder Smarties seit über einer Dekade.

In absoluten Zahlen blieb der Umsatz in den ersten drei Monaten mit 21 Milliarden Franken in etwa auf dem Vorjahresniveau, wie der Schweizer Konzern am Donnerstag mitteilte.

Aktie steigt

An der Börse kamen die Zahlen dennoch gut an, weil viele Investoren mit einem noch schlechteren Jahresstart gerechnet hatten: Die Nestlé-Aktie legte knapp ein Prozent zu.

Die Experten des Vermögensverwalters Vontobel sprachen von einem «relativ guten Start». Die Bernstein-Analysten erwarten für die kommenden Quartale ein schnelleres Wachstum. Nestlé selbst rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem organischen Zuwachs zwischen zwei und vier Prozent sowie einer stabilen operativen Ergebnismarge zu konstanten Wechselkursen.

Absatzflaute in Amerika

Frischen Wind und eine Rückkehr zu alter Stärke erhoffen sich die Anleger vom seit Jahresbeginn amtierenden Konzernchef Ulf Mark Schneider: Der frühere Fresenius-Chef hat sich bis 2020 ein mittleres einstelliges organisches Wachstum vorgenommen.

Um das zu erreichen setzt er zum einen auf den Ausbau des Kerngeschäfts und will hier vor allem gut laufende Marken stärken. Darüber hinaus legt er einen Schwerpunkt auf das vielversprechende Gesundheitsgeschäft mit Hautpflegeprodukten oder Spezialnahrung für alte und kranke Menschen. Spekulationen über baldige grosse Zukäufe hatte der Manager zuletzt eine Absage erteilt.

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Fokus auf Problemkinder

Zunächst aber muss sich Schneider auf die Problemkinder konzentrieren: Besonders zu kämpfen hatte Nestlé im ersten Quartal in Nord- und Südamerika: In den USA griffen die Konsumenten weniger oft zu den Süssigkeiten und Tiernahrungsprodukten der Schweizer. In weiten Teilen Europas gelang es Nestlé wegen der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung zudem weiterhin nicht, die Preise zu erhöhen.

Deutlich besser entwickelte sich lediglich das Geschäft in Asien, Ozeanien und Teilen Afrikas, wo Nestlé sowohl den Absatz steigern als auch an der Preisschraube drehen konnte. Lediglich in China verzeichnete der Konzern Einbussen: Grund dafür war unter anderem die Absatzflaute bei der kriselnden Marke Yinlu für Erdnussmilch und Reis-Porridge. Die Geschwindigkeit des Rückgangs habe jedoch abgenommen, erklärte Nestlé.

Unilever relativ besser

Der Konzern mit Sitz am Genfersee schnitt damit auch schlechter ab als Unilever: Der britisch-niederländische Rivale mit Marken wie Knorr, Rexona oder Magnum steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal bereinigt um Währungseffekte um 2,9 Prozent und erwartet für das Gesamtjahr ein Plus zwischen drei und fünf Prozent.

Zuletzt war Unilever wegen einer 143 Milliarden Dollar schweren Übernahmeofferte des US-Konzerns Kraft Heinz in den Schlagzeilen; als sich Widerstand gegen das Angebot abzeichnete, zogen die Amerikaner dieses jedoch wieder zurück.

(reuters/ise/cfr)