Vielleicht passt es ins Bild schwieriger Zeiten, dass Investoren ihr Augenmerk wieder vermehrt auf die Dividende richten. Tatsächlich hat die Terminbörse Eurex bereits vor rund zwei Jahren standardisierte Dividendenprodukte lanciert. Das Thema Dividende darf allerdings nicht als Exot abgetan werden - schliesslich verkörpert diese einen Anteil am Geschäftserfolg einer Aktiengesellschaft und ihr wesentlicher Renditebeitrag für den Aktionär wird immer wieder neu entdeckt.

Bei den Divi-dendenfutures gehen Anleger ein Termingeschäft auf die gewichtete Summe aller Bruttodividenden ein, welche im entsprechenden Kalenderjahr des Kontrakts von den Gesellschaften im Index bezahlt werden. Beispielsweise erwartet der Markt momentan, dass die Gesellschaften des Euro Stoxx 50 im Jahr 2014 insgesamt 86 Euro an Dividenden ausschütten werden. Somit widerspiegelt der Kontrakt am Laufzeitende im Gegensatz zu einem Aktienpreis nicht bloss eine Marktmeinung. Auch wird sein Wert nicht durch implizite Volatilitäten verzerrt, sondern basiert nur auf den effektiven Zahlungen.

Höhere Dividende bei Versorgern

Bei einer Investition in die Anlageklasse Dividende sollten vorab einige Punkte berücksichtigt werden. Für eine Beurteilung über den künftigen Kursverlauf eines Dividendenfuture muss der Aktienkorb auf seine spezifischen Eigenschaften geprüft werden. Bei einem Aktienindex, der viele Versorger und Telekomanbieter beinhaltet, wird z.B. eine höhere und konstantere Dividendenrendite erwartet als bei einem Index, der aus Wachstumsgesellschaften besteht, welche ihre Gewinne vorwiegend in neue Projekte investieren und deshalb kaum Ausschüttungen vornehmen.

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Obschon Dividenden auf Veränderungen der Wirtschaftslage reagieren und sich deren langfristigen Trends nicht zu entziehen vermögen, haben sie zeitweise ein gewisses Eigenleben. Um Aktionäre bei Laune zu halten, erhalten Unternehmen manchmal selbst in schwierigen Zeiten eine grosszügige Dividendenpolitik aufrecht. Ein anderes Beispiel sind Banken, welche derzeit vom Regulator, trotz der wieder anziehenden Gewinne, dazu angehalten werden, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Dies ist unter anderem durch eine tiefe Ausschüttungsquote zu erreichen und lässt somit nicht auf aussergewöhnlich hohe Dividenden hoffen.

Aktienkurse und Dividenden gehen also nicht immer im Gleichschritt, eine relative Beziehung der Kursentwicklungen kann jedoch nicht bestritten werden. Wie die Aktienmärkte haben auch die Dividendenfutures in den letzten zwei Jahren ein Auf und Ab erlebt. Während aber die Aktienindizes nach einer starken Rally im Herbst erste Verschnaufpausen einlegten, stiegen die Dividenden-futures des europäischen Aktienmarktes noch Monate unbeeindruckt weiter. Seit sich jedoch die Euro-Krise verschärft hat, haben die Dividendenfutures stark korrigiert und im Vergleich zu den Aktienindizes deutlich überproportional an Wert eingebüsst.

Ein positiver Nebeneffekt einer Long-Position in einem Dividendenfuture ist über längere Zeit der sogenannte «Survivorship Bias». Sich schwach entwickelnde Unternehmen werden auf längere Sicht automatisch aus dem Index ausgeschlossen und durch prosperierende Gesellschaften ersetzt.

Jetzt auch für Privatinvestoren

An der Derivatebörse Scoach können mittlerweile mehrere Dutzend Produkte rund um das Thema Dividende gehandelt werden. Einige setzen auf die Aktienkurse von z.B. Titeln mit hohen Dividendenrenditen - und somit indirekt auf die Dividenden.

Daneben gibt es aber auch eine Handvoll Hebel- und Partizipationsprodukte, welche sich auf die verfügbaren Futures beziehen und somit ein reine Exponierung gegenüber der Dividende ermöglichen.

Die Dividende als eigenständige Anlageklasse besitzt durchaus ihren Reiz. Unter Rücksichtnahme einiger Besonderheiten dieses Marktsegments, in dem sich heute noch vorwiegend professionelle Investoren tummeln, können nun auch Privatinvestoren ihr Anlageuniversum sinnvoll erweitern. Dies gilt natürlich für positive wie auch negative Dividendenszenarien.