Seit Dienstag ist die neue 50er-Note im Umlauf. Die Schweizerische Nationalbank flankiert die Lancierung mit einer gigantischen Informationskampagne: Ein landesweit ausgestrahlter TV-Spot erklärt die wichtigsten Sicherheitsmerkmale. Dafür wurden Sendeplätze zur Primetime gebucht. Im ganzen Land hängen Plakate mit dem neuen grünen Zahlungsschein. Im Postauto und in SBB-Zügen werden Bildschirme und Aushänge mit Werbung bespielt.

Selbst eine App darf nicht fehlen. Die Anwendung mit dem Namen «50 Franken» ist im App Store von Apple und bei Google Play erhältlich – kostenlos und in vier Sprachen. Sie nutzt die Kamera eines Mobiltelefons oder eines Tablets. Auf eine neue 50er-Note gerichtet, zeigt die Augmented-Reality-Anwendung dessen Sicherheits- und Gestaltungsmerkmale. «Mit der App kann man die neue Banknote erleben», beschreibt die SNB.

Notenaufwand als Sammelposten

Warum jedoch braucht es Werbung für die neue Banknote, wenn sie jeder Schweizer künftig an jedem Geldautomaten umsonst erhält? Und wie viel kostet die breitangelegte Werbeoffensive? Die Bundesinstitution gibt sich verschwiegen. Die Kosten würden im Jahresbericht ausgewiesen.

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Der Blick in den Geschäftsbericht von 2015 zeigt aber: Es ist kaum möglich, die genauen Kosten für die neuen 50er-Nötli zu eruieren. Die SNB weist schlicht die Position Notenaufwand aus. Darunter wird alles verbucht, was mit der Ausgabe von Banknoten verbunden ist: Kosten für Druck, Anschaffung, Entwicklung und eben Werbung neuer Scheine. 2015 gab die SNB in diesem Zusammenhang 87 Millionen Franken aus.

Werbepartner geben sich verschlossen

Grob lassen sich die Ausgaben für die PR-Offensive schätzen. Im Fokus der SNB stehen hoch frequentierte Lagen wie Bahnhöfe und Flughäfen – die teuersten Werbeflächen. Am Zürcher Hauptbahnhof etwa sind pro Woche über 1000 Franken für ein Plakat fällig. Einen politischen Rabatt von 25 Prozent hat die SNB nicht erhalten, wie die Plakatmonopolistin APG bestätigt.

Unterm Strich dürften sich die Ausgaben auf einen einstelligen Millionenbereich summieren, lassen Aussagen von Werbefachleuten vermuten. Rund 2 bis 3 Millionen Franken dürfte die Nationalbank in die Kampagne gesteckt haben, sagt ein Experte. Er zweifelt daran, dass diese Millionen sinnvoll investiert sind. Denn als die neue Note vergangene Woche vorgestellt wurde, berichteten sämtliche Medien im grossen Stil darüber – Print, Online, TV und Radio. Das gleiche Spiel am gestrigen Dienstag, als der neue Geldschein am Dienstag in Umlauf gebracht wurde. Jetzt noch einige Millionen hinzublättern, sei unnütz, heisst es hinter vorgehaltener Hand.

EZB und USA kommen ohne aus

Tatsächlich ist die Kampagne der SNB beispiellos: Als die achte Banknotenserie vor über 20 Jahren in Umlauf gebracht wurde, gab es keine entsprechende PR-Offensive. Auch die EZB verzichtete auf eine gross angelegte Aktion, als die neuen 5er-, 10er- und 20er-Noten in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden. Als die USA jüngst Benjamin Franklin einer Verjüngungskur unterzogen, gab es ebenfalls keine flächendeckende Informationskampagne.

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Entsprechend weckt die SNB-Offensive auch Unmut bei hiesigen Politikern. «Ich schaue diese Kampagne sehr kritisch an, schliesslich sind es Steuergelder, die dafür eingesetzt werden», sagt der Luzerner FDP-Nationalrat Albert Vitali zur «Aargauer Zeitung». Sinn und Zweck der Aktion erschliesse sich ihm «nicht wirklich». Finanzkommissions-Kollege Peter Keller pflichtet ihm bei.

Weitere Noten kommen gestaffelt

Offen bleibt, ob die SNB auch in Zukunft eine derartige PR-Maschinerie anwerfen möchte. Im nächsten Frühjahr wird die 20-Franken-Note ausgegeben. Die übrigen Scheine sollen bis 2019 folgen – im Halbjahrestakt. Die SNB-Sprecherin sagt, dass von Fall zu Fall geprüft werde, welche Massnahmen den Start der jeweiligen Banknotenserie begleiten werden.