"Ich glaube, dass der Schock so gross ist, dass niemand in nächster Zeit daran denkt, die Planung für Ersatzkernkraftwerke wieder aufzunehmen", sagte Axpo-Chef Heinz Karrer in einem Interview mit dem "SonntagsBlick". Zuerst müssten die Lehren aus der Katastrophe in Japan gezogen werden. Die für 2013 vorgesehene Abstimmung über AKW werde es garantiert nicht geben: "Das ist vom Tisch."

Urs Gasche, Präsident der Bernischen Kraftwerke (BKW), will zumindest über einen Strategiewechsel im Umgang mit der Atomkraft diskutieren. Da die Akzeptanz in der Gesellschaft gelitten habe, "müssen wir den Ausstieg aus der Atomenergie planen und vollziehen, sobald dieser möglich ist", sagte er der "SonntagsZeitung".

Bei einem Ausstieg brauche es Alternativen, fügte der frühere Berner BDP-Regierungsrat Gasche an. Wasserkraft könnte eine Möglichkeit sein - doch müssten dort, so Gasche, die Linke und die Grünen den Widerstand wegen des Umweltschutzes aufgeben.

Klimaschutz zurückstellen

"An einem Spitzentag im Winter hängen wir heute zu 70 bis 80 Prozent von der Kernenergie ab", gibt Axpo-Chef Karrer zu bedenken. Nebst Wasserkraftwerken oder Stromimporten aus dem Ausland kämen zur Kompensation auch Gas-Kombikraftwerke in Frage. "Hier müsste aber das CO2-Gesetz geändert werden." Das hiesse aber, dass der Klimaschutz eine tiefere Priorität erhalten würde als heute.

Anzeige

Karrer räumte zudem ein, dass nach den Ereignissen in Japan die Verunsicherung in der Bevölkerung gross sei. Er selbst werde in der kommenden Woche an den AKW-Standorten Leibstadt und Döttingen an Veranstaltungen teilnehmen. "Wir wollen die Bevölkerung darüber informieren, was wir wissen und Fragen beantworten." (cms//laf/sda)