«Die Politik manövriert die Schweizer Krankenversicherung als wichtige soziale Sicherung durch Inkompetenz und Inkonsequenz in grosse Gefahren», sagt etwa CSS-Gesundheitsökonom Konstantin Beck. Damit kritisiert er besonders den vom Bundesrat geforderten Reservenabbau. Mittels Verordnung wurden die Krankenversicherer aufgefordert, ihren Mindestreservensatz ab 2007 während dreier Jahre stufenweise zu senken. Das Vorgehen birgt besonders aufsichtsrechtliche Probleme. Denn die Branche befindet sich seit Jahren in einem starken Wettbewerb. «Dieser bestraft jeden Versicherer, der zu hohe Prämien verlangt», sagt Stefan Kaufmann, Direktor Santésuisse gegenüber der «Handelszeitung». Umso mehr wäre es die Pflicht des BAG gewesen, im Interesse der Versicherten nicht zu hohe, sondern zu tiefe Prämien abzulehnen.

«Der vergangene Reservenabbau ist der entscheidende Grund für die aktuelle Prämienrunde im zweistelligen Prozentbereich», sagt CSS-Gesundheitsökonom Konstanin Beck. Denn aufgrund des geforderten Reservenabbaus wurden die Prämien bis 2009 nur moderat angehoben. «Tatsächlich haben aber die Prämieneinnahmen seit 2007 die Leistungen nicht mehr gedeckt», so Santésuisse-Direktor Kaufmann.

Aber nicht nur das: Bereits heute ist jährlich mit ein bis zwei Konkursen im Krankenversicherungsbereich zu rechnen. Und der geforderte Reservenabbau erhöht das Insolvenzrisiko zusätzlich. «Am Jahresende beträgt die Insolvenzwahrscheinlichkeit für grosse Versicherer 10%, für kleine 30%», so Beck.

Umso lauter wird die Forderung nach einer Verlagerung der Aufsicht der in der Grundversicherung tätigen Krankenversicherer vom BAG zur eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Damit wäre der Grundstein für eine einheitliche Aufsicht gelegt. So unterstehen bereits heute die Zusatzversicherungen der Finma. «Der Verwaltungsrat von Santésuisse wird sich demnächst mit dieser Forderung vertieft befassen», sagt Kaufmann.

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Neben der Forderung nach einer neuen Aufsicht sehen die Krankenversicherer auch noch andere Lösungsvorschläge, um das Schweizer Gesundheitssys-tem zu kurieren. «Im Gesundheitswesen muss das Preis-Leistungs-Denken vermehrt ins Zentrum rücken», sagt Manfred Manser, CEO Helsana. So müsse der Nutzen einer Leistung von unabhängiger Seite bewertet werden. «Erst dann sind wir in der Lage , bewusst darüber zu entscheiden, ob wir für dieses oder jenes mehr oder weniger Geld ausgeben wollen», so Manser.