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Wandel
Neue China-Ära: Nestlé verbrüdert sich mit Alibaba

Nestlé-Chef Bulcke mit Wan Ling Martello: Sie initiierte die China-Koalition mit Alibaba.Keystone

Lange buhlte Nestlé um die Gunst von Alibaba, nun machen die beiden gemeinsame Sache. Hinter der neuen Umsatzhoffnung steckt die heimliche Favoritin für die Bulcke-Nachfolge.

Veröffentlicht am 19.01.2016

Für Nestlé beginnt eine neue Ära. Zuletzt haderte der Nahrungsmittelriese noch mit Problemen. Die Gewohnheiten der chinesischen Konsumenten sowie die Handelsstrukturen haben sich in rapidem Tempo verändert, der Konzern zeigte sich aber schwerfällig und konnte nicht schnell genug reagieren.

CEO Paul Bulcke gestand vor Jahresfrist ein, dass man von der Entwicklung etwas überrascht worden sei. Man sei aber daran, die Probleme zu lösen. Nun wird bekannt: Eine Partnerschaft mit Alibaba soll die Lösung sein, denn Nestlé ist eine E-Commerce Partnerschaft mit dem chinesischen Internethändler eingegangen.

Mehr Umsatz

Erklärtes Ziel der Partnerschaft ist es im grossen und lukrativen Markt China mehr Online-Umsätze genieren, Kernmarken aufzubauen und Millionen von neuen Konsumenten zu erreichen, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heisst.

So seien etwa Produkte wie Nido Milchpuder, Damak-Schokolade oder Dolce Gusto Kaffeemaschinen auf Tmall.com erhältlich, der laut der Mitteilung grössten chinesischen Shopping-Website für Marken und Detailhändler. Und mit dem Gebrauch von Taobao.com, der insgesamt grössten chinesischen Shopping-Website, expandiere man den Vertrieb in den ländlichen Gebieten. Beide Angebote gehören zum chinesischen Onlineriesen Alibaba.

Wegbereiterin Martello

Wegbereiterin des Deals ist die Nestlé-Managerin Wan Ling Martello, die seit Mai 2015 Asien-Chefin des Konzerns ist und davor als Finanzchefin amtete. Vor ihrem Einstieg bei Nestlé verantwortete sie das globale E-Commerce-Geschäft beim weltgrössten Handelskonzern Walmart.

Martello, die fliessend Mandarin und zwei weitere, wichtigste ostasiatischen Sprachen spricht, sitzt seit letztem Herbst im Alibaba-Verwaltungsrat. Alibaba-Chef Jack Ma kommentierte die Personalie damals mit den Worten, Martellos «globale Perspektive, Handelsexpertise und ihr unternehmerischer Scharfsinn werden sie zu einem unschätzbar wertvollen Mitglied unseres Verwaltungsrats machen».

Heimliche Favoritin für Bulcke-Nachfolge

Unschätzbar wertvoll ist sie aber vor allem für Nestlé – so wertvoll sogar, dass sie als Anwärterin auf den Chefsessel gehandelt wird. Es wird erwartet, dass CEO Bulcke 2017 für Peter Brabeck in den Verwaltungsrat einziehen wird. Damit stünde sein Amt als Chef des Nahrungsmittelriesen zur Verfügung. Mit der Verkündung seines Nachfolgers wird für September gerechnet.

Martello gilt als hochkompetent und durchsetzungsfähig. «Sie hat intern einen ausgezeichneten Ruf», sagt Jon Cox von Kepler Cheuvreux jüngst gegenüber der «Handelszeitung». Ihr Nachteil ist nur, dass sie erst seit fünf Jahren beim Konzern ist. Ausserdem ist sie mit ihren 57 Jahren nur vier Jahre jünger als der abtretende Bulcke.

(ise, mit awp)

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