Beim Zugunfall bei Granges-près-Marnand VD hat einer der beiden Lokführer möglicherweise ein Rotlicht überfahren. Dies sind die ersten Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft.

Der Lokführer des anderen Zuges, der von Payerne her kam, konnte noch eine Vollbremsung einleiten. Dem 54-Jährigen gelang es zudem, den Führerstand vor der Kollision zu verlassen, wie Christophe Sauterel, Mediensprecher der Waadtländer Kantonspolizei, am Dienstag an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Lausanne sagte.

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Der Lokführer wurde bereits von der Polizei befragt, wie Sauterel festhielt.

Beim verstorbenen Lokführer handelt es sich um einen 24-jährigen Mann, der in Payerne VD wohnhaft war. Er hatte den Zug gesteuert, der von Lausanne in Richtung Payerne unterwegs war.

«Wir wollen der Familie des Lokführers unser Beileid aussprechen», sagte SBB-Direktor Andreas Meyer. Er entschuldigte sich bei allen vom Unfall betroffenen Kunden.

Neues technisches System nötig

Der Unfall müsse zuerst abgeklärt werden, erst danach würden die notwendigen Konsequenzen gezogen, hielt Meyer fest. Um die Sicherheit auf ein ganz hohes Niveau zu bringen, brauche es das System ETCS 2. Dies dauere ungefähr zehn Jahre und koste rund zwei Milliarden Franken.

Auf der betroffenen Strecke war das Zugssicherungssystem Signum eingerichtet. Dieses System bremst einen Zug erst, wenn ein Signal überfahren wurde - nicht im voraus.

Die beiden Züge werden derzeit von Experten untersucht.

Zug um acht Meter verkürzt

Der Grossteil der Verletzten konnte das Spital inzwischen wieder verlassen. Noch drei Personen befinden sich in Spitalpflege. Es handelt sich um zwei Erwachsene und ein Kind.

Sie befinden sich ausser Lebensgefahr, wie Jean-Christophe Sauterel, Mediensprecher der Kantonspolizei Waadt, sagte. Es handle sich um eine aussergewöhnliche Situation.

Der Zug, in dem sich der verstorbene Lokführer befand, wurde durch den heftigen Aufprall zusammengedrückt und um acht Meter verkürzt. Man könne derzeit nicht ausschliessen, dass sich noch ein Passagier darin befinde. Der Wagen wird nun ins SBB-Werk in Yverdon gebracht und auseinander genommen, um Klarheit zu schaffen.

(rcv/vst/aho/sda)