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Automobil
Neue Dieselfahrzeuge entsprechen nicht EU-Norm

Abgas
Auch die neusten Dieselautos genügen unter realen Fahrbedingungen nichtden EU-Normen.Quelle: Keystone

Der Knatsch um Diesel-Autos nimmt kein Ende: Selbst neue Autos entsprechen nicht EU-Normen. Trotzdem setzt Mazda weiterhin auf Diesel.

Veröffentlicht am 09.06.2018

Die Umweltgruppe, die für die Aufdeckung des Volkswagen-Diesel-Emissionsskandals verantwortlich ist, hat eine neue Studie veröffentlicht. Sie kommt zum Schluss: Auch die neusten und saubersten Dieselautos erfüllen unter realen Fahrbedingungen die EU-Norm nicht, wie die «FT» berichtet.

Das hat ein europaweiter Test mit mehr als 700'000 Autos und 4'850 Fahrzeugmodellen ergeben. Mit den Erkenntnissen möchte die amerikanische Non-Profit-Organisation « International Council on Clean Transportation» zuverlässige Informationen über Stickstoffbelastungen an Verbraucher und Gemeinden liefern. 

Das Ergebnis kommentierte die Organisation wie folgt: «Es ist eine eindrucksvolle Bestätigung der schlimmsten Befürchtung über Dieselautos.» Dabei kam zum Vorschein, dass selbst die am schlechtesten bewerteten Benzinfahrzeuge besser abschneiden als die umweltfreundlichsten Euro-6-Dieselfahrzeuge. Euro 6 ist eine Abgasnorm für den Grenzwert für den Ausstoss von Luftschadstoffen bei Autos. Die getesten Autos erfüllten die Norm nicht, an die sich seit 2014 alle neu eingeführten Fahrzeuge halten müssen. 

Studie fällt Autoherstellern in den Rücken

Die Studie ist für die Autohersteller alles andere als erfreulich – besonders in Aussicht auf ein Dieselverbot in europäischen Städten. Im Februar teilte das oberste deutsche Verwaltungsgericht mit, dass die Städte verpflichtet sind, die EU-Luftqualitätsvorschriften einzuhalten. Mit der Einschränkung von älteren Dieselautos können die Städte sicherstellen, dieses Verbot einzuhalten. Die Autohersteller stellten sich dagegen und sprachen von einem «Pauschalverbot». Zudem argumentierten sie, dass ältere Dieselautos den Ausstoss mit einem Software-Update verbessern könnten. Die neuesten Fahrzeuge mit Dieselmotor seien gemäss den Herstellern sowieso sauberer. 

Die neuen Daten zeigen, dass das Argument «völlig falsch» sei, sagte Peter Mock, Geschäftsführer des ICCT in Europa gegenüber der «FT». Und doppelt nach: «Wir können wirklich feststellen, dass so ziemlich alle Euro-6-Diesel auf dem Markt nicht sauber sind.»

Schnappschussmethode nicht überall möglich

Die Emissionsdatenbank – genannt «Real Urban Emissions Initiative» – basiert auf Daten aus sogenannten «Fernerkundungsgeräten». Dabei werden Emissionen aus einer Sekunde Fahrzeit berechnet, wenn ein Auto durch den Lichtstrahl einer Probeabnahmestelle fährt. Die Tests wurden in London, Leeds, SchottlandBarcelona, Stockholm und in der Schweiz in Zürich durchgeführt. Diese Methode sei relativ günstig, unauffällig und messe die realen Bedingungen, kommentiert das ICCT die Technik. 

Der europäische Automobilherstellerverband widerspricht: Die ICCT-Studie sei «irreführend», da die Euro-6-Dieselfahrzeuge die im September 2017 in Kraft getretenen «Real Driving Emissions Tests» erfülle.

Peter Mock sagte, dass die im ICCT-Test verwendete Schnappschussmethode in China, Hongkong und den USA gut etabliert, in Europa jedoch weniger bekannt sei. Datenschutzbestimmungen haben eine Rolle gespielt, da die Momentaufnahme auch ein Bild der Marke, des Modells und des Kennzeichens des Fahrzeugs erfordert.«Dazu braucht man die Unterstützung der jeweiligen Behörden», sagte Mock. In Grossbritannien, den Niederlanden und Frankreich war dies kein Problem, «aber in Deutschland sei es bisher nicht gelungen».

Alle durchgefallen, BMW noch am besten

Die Daten klassifizieren die Fahrzeuge in ein dreifarbiges Bewertungssystem: Grün, Gelb und Rot – je nach Ausstoss von Stickoxiden. Kein Dieselmotor der Euro 6-Norm erhielt eine grüne Bewertung. BMW ist die einzige der grossen Marken, die eine gelbe Bewertung für ihre Dieselfahrzeuge erhielt. «Die Verbraucher sind durch die Informationen der Hersteller verwirrt», sagte Mock. Mit der Studie wolle man Abhilfe schaffen und die Bewertung der Autos den Vebrauchern überlassen, so der ICCT-Geschäftsführer.

Trotz den Negativschlagzeilen – Mazda setzt auf Diesel

Das Thema Diesel sorgt aber nicht nur bei Behörden und Verbrauchern für Kopfzerbrechen, sondern natürlich auch bei den Herstellern. Sie stehen vor der Frage, ob sie sich in Zukunft überhaupt noch mit Dieselautos herumschlagen wollen. Einige Hersteller verzichten auf die Produktion von Dieselfahrzeugen.

Der japanische Autohersteller Mazda hingegen pfeifft auf die momentane Unsicherheit bei der Diesel-Technologie und die Negativschlagzeilen. Und wird weiterhin Dieselautos produzieren und nicht auf Elektroautos setzen – auch wenn strenge Emmissionsvorschriften inbesondere in Europa drohen. 

Mazda betrachte den «Diesel» als Chance, heisst es in einem Artikel von «Bloomberg», Man sehe zurzeit kein genug grosses Interesse der Kunden für Elektroautos, als das man diese in die Palette aufnehmen wolle. «Konsumenten kaufen nicht nur wegen Elon Musk Elektroautos», sagte Mazda-Forschungschef Kiyoshi Fujiwara gegenüber dem Nachrichtenportal.

(tdr)

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