Die Diskussion über die künftige Ausrichtung der Stromversorgung in der Schweiz nimmt immer lautere und groteskere Formen an. Während die Exponenten grüner und linker politischer Couleur glauben, in Zukunft problemlos ohne neue Kernenergie auskommen zu können, fordern jene der Stromwirtschaft den Bau von mindestens zwei neuen Kernkraftwerken bis zum Jahr 2020. In diesem politischen Energiekampf sind deshalb sachliche und unabhängige Meinungen gefragt.

Diesem Anspruch hat die in der Energieberatung tätige Energy Consulting Group (ECG) mit einem kürzlich präsentierten Strategiepapier versucht, gerecht zu werden. Dabei empfiehlt die vor zehn Jahren von drei ehemaligen Kaderleuten der ABB-Energiesparte gegründete, international operierende ECG dem Bundesrat eine auf mehreren Säulen basierende Energiepolitik. Dies mit dem Ziel, so die Versorgungssicherheit mit Strom weiterhin zu gewährleisten und die starke Abhängigkeit vom Import nicht noch zu vergrössern.

Die Autoren weisen in der Studie explizit darauf hin, dass die Schweiz dank der Wasserkraft und der Kernenergie heute über eine nahezu CO2-freie Stromerzeugung verfügt. Da jedoch die durchschnittlich über 30 Jahre alten Kernkraftwerke und die vor mehr als 40 Jahren gebauten Lauf- und Speicher-wasser-Kraftwerke sich ihrem Lebensende zuneigen, besteht jetzt dringender Handlungsbedarf. Dies in Form der Bereitstellung neuer Kraftwerkkapazitäten zur Stromerzeugung, wozu Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich sind. Ansonsten läuft die Schweiz gemäss ECG-Geschäftsführer Rolf Kehlhofer grosse Gefahr, schon in wenigen Jahren in eine massive Angebotslücke zu geraten.

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Der Energieexperte plädiert deshalb für den Bau eines einzelnen neuen Kernkraftwerkes mit einer Leistung von 1600 Megawatt (MW) als Ersatz für die schon bald stillzulegenden Werke Beznau und Mühleberg. Darüber hinaus erachten die Autoren der Energiestudie den Bau von vier bis sechs modernen Gas-Kombikraftwerken mit 400 MW Leistung als zwingend erforderlich. Dies, um die bis zum Jahr 2030 wohl um 20 bis 25% gestiegene Stromnachfrage aus einheimischer Produktion decken zu können. Damit deren Realisierung jedoch möglich würde, müsste zuvor das bestehende CO2-Gesetz revidiert werden, das heute den Bau grösserer Gas-Kombikraftwerke verunmöglicht.

Unter den heute verfügbaren erneuerbaren Energien werden in der EGC-Studie der Photovoltaik die besten Zukunftschancen eingeräumt. Dagegen wird eine effiziente Nutzung der Geothermie und der Windkraft aus Kostengründen verneint.