FACHHOCHSCHULEN. Die Spannung an den Fachhochschulen wächst, je näher der Dezember rückt. Dann will der Bund nämlich entscheiden, welche der 86 beantragten konsekutiven, das heisst weiterführenden Master auch tatsächlich ab September 2008 starten können. Dass nicht alle 86 Anträge genehmigt werden, liegt auf der Hand. Aber nach genau welchen Kriterien die Experten nun entscheiden, darüber gibt es derzeit viel Unsicherheit. Qualität des Gesamtkonzepts ist oberstes Gebot. Weitere Kriterien sind nachgewiesener Marktbedarf, Praxisorientierung, eine deutliche Abgrenzung zum Bachelor und Weiterbildungsmaster. Ebenso spielen die begrenzten finanziellen Mittel eine Rolle, was eine restriktive Genehmigungspolitik erwarten lässt.

Ein Dilemma für alle

Fachhochschulen und Studieninteressente sind nun in einem Dilemma: Sie sind gezwungen zu handeln, bevor die definitive Genehmigung vorliegt. Bachelor-Absolventen müssen sich in den nächsten Monaten für einen Master-Studiengang entscheiden und ihre private und berufliche Situation entsprechend planen, wenn sie im September 2008 mit dem Studium beginnen wollen. Fachhochschulen müssen Lehrpläne erstellen, zusätzliche Dozierende engagieren, die neuen Studiengänge intern und extern kommunizieren, Bewerbungsverfahren starten und Kapazitäten reservieren.

Master als Zugewinn

Konsekutive Master richten sich hauptsächlich an überdurchschnittlich befähigte und ambitionierte Bachelor-Absolventen, die eine weiterführende akademische Qualifikation anstreben und ausgeprägtes wissenschaftliches Interesse haben. Der konsekutive Master ist eine zweite Ausbildungsstufe und nicht zu verwechseln mit einem MAS (Master of Advanced Studies). Beim konsekutiven Master sind Studienaufwand und wissenschaftlicher Anspruch höher als beim MAS.Für die Hochschulen ist der Master von strategischer Bedeutung. Durch seine Einführung können sie nun Abschlüsse anbieten, die mit denen der Universitäten nominell vergleichbar sind. Ausserdem werden die Master die Forschungsaktivitäten der Fachhochschulen automatisch forcieren, da ein guter Forschungsausweis im jeweiligen Fach Voraussetzung für die Genehmigung eines Master-Programms ist. Somit wird sich wohl ein Qualitätsschub einstellen, der auch Auswirkungen auf die übrigen Tätigkeitsfelder der Fachhochschulen – Lehre, Dienstleistungen und Weiterbildung – haben wird.

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Mehrwert zum Bachelor

In Ergänzung zum Bachelor bieten Master-Studiengänge eine fachliche Vertiefung mit einem Fokus auf wissenschaftlicher Kompetenz und orientieren sich gleichzeitig an der Praxis. Sie vermitteln ebenso verstärkt Analyse- und Reflexionskompetenz und schaffen günstige Voraussetzungen für einen Aufstieg ins mittlere und obere Management. Im Idealfall ist der konsekutive Master eine klare Antwort auf einen Bedarf im Arbeitsmarkt. So hat zum Beispiel die Schweizerische Bankiervereinigung bestätigt, dass im Berufsfeld Banking und Finance ein Ausbau der Hochschulqualifikationen benötigt wird. Besonders wichtig ist der neue Master auch für Studienfächer, in denen ein Masterabschluss üblich ist und von der Berufswelt gefordert wird, wie Musik an der Zürcher Hochschule der Künste oder der Fachhochschule Zentralschweiz oder auch Wirtschaftsrecht an der ZHAW School of Management.Eine Herausforderung besteht derzeit darin, dem Arbeitsmarkt Profil und genauen Mehrwert des Masters im Vergleich zum Bachelor transparent zu machen: Die zunächst willkürlich wirkende Kombination von Wissenschaftlichkeit und Praxisorientierung könnte wichtiger Bestandteil dieses Mehrwerts sein, vielleicht sogar zum Distinktionsmerkmal von Fachhochschulmastern werden. Wenn nämlich Wissenschaftskompetenz im Studium systematisch praxisbezogen vermittelt und an Beispielen geübt wird, verfügen die Master-Absolventen über wertvolle und seltene berufsrelevante Fähigkeiten, die sie von Universitätsabsolventen unterscheiden. Diese vielbeschworene Employability soll auch für den internationalen Arbeitsmarkt garantiert sein; schliesslich hat man mit der Bologna-Reform gerade deswegen international anerkannte Abschlüsse eingeführt. Doch fraglich bleibt, ob das Ziel des Bundes, Master-Programme nur für die besten Bachelor-Absolventen anzubieten, richtig ist. Wenn sich in den übrigen Ländern nicht das angelsächsische Modell durchsetzt – Bachelor als Standard-Hochschulabschluss und Master eher als Ausnahme – könnten die Schweizer Fachhochschul-Bachelor-Absolventen auf dem europäischen Arbeitsmarkt bald das Nachsehen haben. Bleibt zu hoffen, dass der neue Master für unsere Bachelor-Studierenden einen Motivations- und Leistungsschub mit sich bringt.