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Kartellvorwürfe
Neue Millionenklagen gegen deutsche Autobauer

Mercedes-Produktion: Wurden nordamerikanische Kunden reingelegt? Keystone

Die Konzerne BMW, Daimler und Volkswagen sind in Kanada und in den USA verklagt worden. Kunden sehen sich durch die mutmasslichen Absprachen getäuscht. Die Forderungen sind gewaltig.

Veröffentlicht am 28.07.2017

Die Kartellvorwürfe gegen die deutsche Autoindustrie haben nun auch in den USA und Kanada zu ersten juristischen Schritten geführt. In beiden Ländern wurden Verbraucherklagen gegen die Konzerne BMW, Daimler und Volkswagen eingereicht.

Darin wird angeführt, dass die Kunden aufgrund der mutmasslichen Absprachen überhöhte Preise für ihre Wagen gezahlt hätten.

800 Millionen Franken in Kanada gefordert

In der bei einem Gericht der kanadischen Provinz Ontario eingereichten Klage werden Schadenersatzzahlungen in der Gesamthöhe von umgerechnet rund 800 Millionen Franken von den deutschen Autoherstellern verlangt. In der US-Klage, die im Namen von drei Verbrauchern bei einem Gericht im Bundesstaat New Jersey eingereicht wurde, sind die Forderungen nicht beziffert.

Eine Daimler-Sprecherin in den USA sagte, die Klagen «entbehren der Grundlage». Das Unternehmen werde sich «mit allen rechtlichen Mitteln» dagegen wehren.

«Aufgeblähte, überhöhte Preise»

Die Kläger in den USA führen an, dass die deutschen Autohersteller gegen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzgesetze verstossen und sich in unzulässiger Weise bereichert hätten, wie aus der von dem Bundesgericht in New Jersey veröffentlichen Klageschrift hervorgeht. Durch die Praktiken der Autohersteller seien sie «gezwungen worden, aufgeblähte, überhöhte Preise für deutsche Luxusfahrzeuge zu zahlen».

Hinter der US-Klage stehen zwei Anwaltskanzleien in New Jersey und New York. Sie haben ihr Vorgehen als potenzielle Sammelklage angelegt. Die Anwälte gehen davon aus, dass sich noch tausende weitere Verbraucher der Klage anschliessen könnten. In der Klage werden unter anderem die mutmasslichen Absprachen über die Grösse von Harnstofftanks in Dieselfahrzeugen angeprangert. Diese sogenannten AdBlue-Tanks dienen der Abgasreinigung.

US-Justizministerium hat sich eingeschaltet

Die Klage in Ontario wurde von einer Anwaltskanzlei im Namen der meisten kanadischen Käufer von Fahrzeugen der deutschen Konzerne eingereicht. Wenn die Vorwürfe zuträfen, seien den kanadischen Kunden Autos mit «minderwertigen Komponenten» zu hohen Preisen verkauft worden, erklärte der Anwalt David Wingfield von der Kanzlei Strosberg Sasso Sutts LLP.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg geht auch das US-Justizministerium den möglichen illegalen Absprachen zwischen den deutschen Autobauern über Technologien und Strategien nach. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass das Ministerium eine formelle Untersuchung eingeleitet habe, berichtete die Agentur bereits am Dienstag.

Geheime Arbeitsgruppen

Die Kartellvorwürfe waren Ende vergangener Woche bekannt geworden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Spiegel» sollen Volkswagen, BMW und Daimler sich seit den 90er Jahren in geheimen Arbeitsgruppen untereinander über ihre Fahrzeuge abgesprochen und womöglich so auch den Weg für die Manipulationen der Abgaswerte bei Dieselwagen geebnet haben.

(sda/gku)
 

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