Echtzeitkurse auf Finanzwebsites, Trading-Tipps und Diskussionen in Blogs, Terminkalender mit den relevanten Finanz- und Wirtschaftsterminen - was früher nur den Trading Desks der Banken zugänglich war, ist heute online kos-tenlos für jedermann verfügbar. Bereits sind viele Kunden daran gewöhnt, ihren alltäglichen Zahlungsverkehr per Online-Banking abzuwickeln. Der Schritt zur Portfolioverwaltung oder gar zum Trading per Internet erfolgt da mit der Zeit fast automatisch. Für Banken entsteht ein neues Geschäftsfeld, das sie zur Kundenbindung und Erlössteigerung nutzen können.

Kundenwünsche

Wie können Schweizer Banken von diesen Trends profitieren? Zunächst muss eruiert werden, welche Dienstleistungen die bestehenden Kunden online wünschen und mit welchem Onlineangebot potenzielle Kunden gewonnen werden können. Genügt eine stabile Online-Wealth-Management-Plattform oder muss diese durch eine verlässliche Front-End-Trading-Plattform mit hochwertigen Informationen, professionellen Trading-Modulen und Risikomanagementtools ergänzt werden?

Bei der Selektion stellen sich einige generelle Fragen. Zum einen zur Strategie: Welche Kundensegmente sollen mit welchen Anlage- und Trading-Produkten angesprochen werden, und wel-ches Preismodell verspricht die maximale Rendite? Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Liquidität. Kann man für die geplanten Anlageklassen die notwendige Liquidität selbst bereitstellen und damit konkurrenzfähige Preise und Spreads garantieren? Oder muss auf externe Liquiditätsquellen zurückgegriffen werden? Diese Frage stellt sich umso dringlicher, je mehr Produkte angeboten werden sollen.

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Zum anderen ist zu klären, wie die notwendige Technik beschafft werden soll: Kaufen, selbst entwickeln oder einen Partner suchen? Eine eigene Entwicklung dauert mehrere Jahre und verschlingt grosse Geldsummen. Dazu kommen die Kosten für Betrieb und Weiterentwicklung der Plattform, die hochbezahlte IT-Fachkräfte erfordern.

Fremdexpertise

Eine «White Label»-Partnerschaft kann eine gute Lösung sein, denn sie ermöglicht es der Bank, mit einer etablierten Plattform und der zugehörigen Expertise in kurzer Zeit ein fertiges Produkt unter dem eigenen Namen auf den Markt zu bringen.

Optimal ist ein «White Label»-Partner, der sowohl eine technisch ausgereifte Plattform als auch die für eine grosse Produktpalette notwendige Liquidität bereitstellt. Saxo Bank bezieht den Grossteil der Liquidität aus dem Handel der Privatinvestoren über die Saxo- Plattform. Diese Liquidität ist besonders wertvoll, da es sich um viele kleine Trades handelt, und nicht um grosse Volumen von beispielsweise institutionellen Investoren. Saxo Bank fungiert ausserdem als Market Maker und hat zudem Beziehungen zu Investmentbanken, die ebenfalls an den Trades der Privatinvestoren interessiert sind.

Weitere Kriterien in der Auswahl einer «White Label»-Plattform sind die professionelle Reputation und ein angesehenes Mana-gementteam mit Finanzindustrie-Know-how. Die zunehmen-de Regulierung im Bankensektor erfordert einen Partner, der die regulatori-schen Vorgaben um-setzen kann. Aus der Perspektive des Gegenparteienrisikos sollte der Partner ein aktives Riskmanagement haben mit einer konservativen Risiko-Rendite-Strategie. Der Trading-Markt ist zudem schnell und extrem dynamisch. Deshalb ist es wichtig, dass der Partner kontinuierlich neue Produkte und Trading-Funktionen entwirft und implementiert.

Alle Segmente ansprechen

Eine Plattform spricht mit Vorteil ein breites Publikum an. Die Trading-Profile in den Kundensegmenten unterscheiden sich stark, sodass jede Trading-Lösung flexibel auf die unterschiedlichen und wechselnden Bedürfnisse der Trader und Investoren reagieren muss. Um die Cross-Selling-Möglichkeiten und Skalenerträge voll auszuschöpfen, sollte die Plattform viele Anlageklassen offerieren.

Die «White Label»-Plattform sollte Tools bereitstellen, die es der Finanzinstitution ermöglichen, das Geschäft eigenständig zu betreiben - neue Accounts aufzusetzen, die Risiken zu prüfen und die eigenen Endkunden zu bedienen, ohne auf den «White Label»-Partner zurückgreifen zu müssen. «White Label»-Partner können ihren eigenen Mehrwert addieren und den Service rund um das Produkt sowie auch die Information im System selbst an lokale Geschmäcker anpassen. Aus der Praxis weiss Saxo Bank, dass viele Partner die Plattform nutzen, um ihre eigenen Inhalte auf den Desktop der Kunden zu bringen.

Kosten-Ertrags-Verhältnis

In Bezug auf die Erträge hat sich die Teilung der Erlöse zwischen den Partnern bewährt. Zieht man die Kosten für Technologie und alle anderen trading-bezogenen Dienste in Betracht, sind die Kostenvorteile offensichtlich. Die erforderlichen Investi- tionen in eigene Technik sind hoch, und eine professionelle Trading-Plattform dauerhaft auf dem neusten Stand zu halten, ist teuer. So stellt die Implementierung von mobilen Geräten bis hin zum Handy für Systementwickler eine grosse Herausforderung dar. Das Partnermodell mit Erlösverteilung hat zwei Vorteile: Ein geringes Risiko und die Vermeidung von Interessenkonflikten. Denn bei anfänglich geringen Erlösen sind die Kosten niedrig, und beide Partner haben ein gemeinsames Ziel: Die Zahl der Kunden zu steigern und sie an die Plattform zu binden.