Zum ersten Mal haben die Mitglieder des Branchenverbands Scienceindustries offengelegt, welche Beträge sie an Ärzte, Spitäler und weitere Organisationen gezahlt haben. Gemäss der Zeitschrift «Beobachter» summieren sich diese Zahlungen auf 138 Millionen Franken.

Zusammen mit dem deutschen Recherchebüro «Correctiv» und «Spiegel online» hat der «Beobachter» überdies eine öffentlich zugängliche Datenbank lanciert. Damit kann nun jeder Patient Zahlungen der pharmazeutischen Firmen an Ärzte und andere Fachleute sowie Spitäler und andere Organisationen des Gesundheitswesens nachschlagen, verspricht die Zeitschrift.

Excemed und Aapro erhalten am meisten Geld

Die Datenbank legt diverse Leistungen offen, darunter Spenden an Organisationen, Gelder für Forschung und Entwicklung, Honorare für Referate oder Tagungskosten. Nicht deklariert sind die Gratisabgaben der Muster verschreibungspflichtiger Medikamente, Rabatte beim Arzneimitteleinkauf und Mahlzeiten bis zu 150 Franken.

Die Auswertung des «Beobachters» zeigt: Spitzenreiter unter den Zahlungsempfängern sind Excemed und Aapro. Das heisst allerdings nicht, dass diese schweizweit die höchsten Zuwendungen erhalten haben, wie die Zeitschrift weiter schreibt. Sie führen lediglich die Rangliste jener Ärzte und Organisationen an, die sich freiwillig an der Initiative beteiligen und somit der Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt haben. Damit leisten sie einen Beitrag für mehr Transparenz. Die Zahl der Ärzte, die ihren Namen nicht veröffent­lichen will, wird nicht aufgeführt. Ebenso bleiben deren Gründe unbekannt.

Transparenz-Pflicht in den USA

In den USA werden die Zahlungen von Industrie an Gesundheitsdienstleistern seit Jahren in der staatlichen Datenbank Open Payments aufgeführt. Das ist eine Folge des seit 2010 geltenden Sunshine Acts. Die Datenbank verschlingt jedes Jahr einige Steuermillionen.

In den USA waren die beiden Basler Pharmagiganten Novartis und Roche die besten Zahler. Novartis und deren Tochter Sandoz verteilten zusammen mehr als 540 Millionen Dollar, rund 95 Prozent davon flossen in die Forschung. Severin Schwans Roche-Gruppe vergab über 500 Millionen Dollar, alleine die Tochter Genentech räumte 470 Millionen Dollar aus den Kassen. In der Summe stammte jeder siebte Pharma-Dollar aus einem Schweizer Portemonnaie.

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(ise)