Beim Tablet-PC beisst sich die Computerindustrie die Zähne aus: Erste Anläufe von Microsoft und Hardwarepartnerfirmen wie HP, dieser Mischung zwischen grossen PDA und Notebooks vor fünf Jahren zum Durchbruch zu verhelfen, waren am zu hohen Gewicht und an der nicht ausgereiften Software gescheitert.

Inzwischen haben sich zwei Hilfsmittel etabliert, die auch für das E-Learning als Client-Plattform dienen könnten, weil sie mit E-Books ausgezeichnet fertig werden: Einerseits Reader wie der von Amazon vertriebene «Kindle» in den USA, andererseits die Smartphones mit grossem Touchscreen wie das «iPhone» von Apple.

Alles wartet auf Apples Wurf

Auf der Consumer Electronic Show 2010 in Las Vegas waren die Reader das Produkt der Stunde. Viele Firmen stellten Geräte vor und sagten auch gleich, es handle sich um Prototypen - man warte auf die Neuheit von Apple, um sich noch anpassen zu können. Bookeen stellte den «Orizon» vor, Iriver den «Story», Jinke den «SiPix», Hanvon den «Wisereader», Interead den «Cool-er», Copia den «Ocean» und «Tidal» sowie Samsung den «E6» und «E10».

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Einen interessanten Vorschlag machte Pixel mit dem «Qi». Hier ist eine hybride LCD-Technologie eingebaut, die, je nach Aussenlicht, zwischen Standarddarstellung, Vollfarben-LCD und Hintergrundbeleuchtung umschaltet.

Lehrmittel werden heute oft noch als ausschliesslich konventionelle Papierlösungen konzipiert. Bei Klett & Balmer, dem grössten schweizerischen Verlag, gibt es bis auf ein Lehrmittel für die französische Sprache (noch) keine dezidierten E-Learning-tauglichen Produkte. Ein Firmensprecher verweist aber auf die Schwestergesellschaft Klett-Akademie, die (auch) internetgestützte Fernlehrgänge für Wirtschaft, Fremdsprachen sowie Informatik anbietet.

Ein einfacher E-Reader genügt laut den Marktforschern von Gartner hingegen nicht für ein zeitgemässes E-Learning. Diese Plattformen sollten technologisch so offen aufgebaut werden, dass eine Vielzahl von Nutzern dank verbreiteter Betriebssysteme und Programme Zugang auf einen möglichst grossen Content Pool hat. Dann sollten diese Plattformen mit ausreichend Prozessor-Kraft bestückt werden und Breitband-Funktionalitäten aufweisen, um beispielsweise Online-Kurse mit Webcams zu unterstützen.

Aus Sicht der Benutzer ist es entscheidend, dass E-Learning-Inhalte mehrsprachig, rund um die Uhr zugänglich sowie grafisch animiert sind und Fortschrittskontrollen inklusive Abschlusstests selbstständig durchgeführt werden können, beschreibt Philipp Sander, Director Worldwide Marketing & Sales beim Softwarehaus Scalaris in Glattbrugg, die Anforderungen. «Viele Anbieter versehen hier das Material lediglich mit Sprechblasen, aber das genügt nicht.» Wichtig ist auch ein guter didaktischer Aufbau, damit man sich nicht mit Funktionalitäten der E-Learning-Plattform herumschlagen muss. E-Learning wird bei Scalaris vor allem im weltweiten Partnervertrieb eingesetzt. Andere Firmen wie das Softwarehaus Elca in Lausanne indes verlassen sich eher auf persönliche, direkte Kontakte bei der Wissensvermittlung.

Hybride Technologien sowie Lernweisen gelten laut den Marktforschern von Gartner als der geeignete Ansatz zum E-Learning - doch eine Vielzahl von nicht kompatiblen Technologien erschwert diesen. In ihrer jüngsten Umfrage zu E-Learning gaben 8% der befragten Schulen an, Kurse als reine E-Learning-Studiengänge anzubieten. Praktisch gleich gross sind die Anteile der hybriden und konventionellen Anbieter mit physischer Präsenz der Teilnehmer. Der Trend geht, so die Marktforscher, Richtung hybride Modelle, weil die Absolventen das vermehrt nachfragen.

Die bereits erwähnte Klett-Akademie beispielsweise arbeitet mit einem Modell, das die Gartner-Analysten als hybrid bezeichnen würden: Unterlagen auf Papier und Online-Lerninhalte, inklusive rascher Feedbacks von Lehrern, werden hier kombiniert. Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) geht noch einen Schritt weiter und verbindet die Studierenden über das Internet mit Dozierenden und Mitstudierenden. Diese haben zudem Chat-Möglichkeiten untereinander.

Adobe und Microsoft führend

Nach einer Studie von Adobe werden vor allem konventionelle Programme wie Acrobat Rea- der, Powerpoint und Word verwendet - ein Hinweis darauf, dass E-Learning primär immer noch das Herunterladen von Texten oder das Le-sen am Bildschirm bedeutet. Adobe und Microsoft gelten laut einer «E-Learning Guild»-Umfrage als die grössten Anbieter einschlägiger Software - weit vor der Konkurrenz.

Gemäss Adobe sind die gängigen E-Reader auch für das Mobile Learning geeignet. Dieses unterscheidet sich deshalb von den weiteren Varianten wie dem virtuellen Klassenzimmer, bei dem Wissen in Echtzeit über das Internet vermittelt wird, dem Online Learning, bei dem eine Interaktion zwischen der lernenden Person und dem Lehrer stattfindet, und neueren Rapid-E-Learning-Varianten, die die Technologielastigkeit anderer Formen überwinden sollen.