Ein kurzer Blick zurück: Fehlentscheide im Enron-Fall zwangen Arthur Andersen, einst eine der Big-Five-Wirtschaftsprüfer, zur Liquidation. Dabei gingen 85000 Arbeitsplätze verloren. Weitere Beispiele unsorgfältig angewendeter Revisionsgrundsätze mit Folgen sind Worldcom, Parmalat oder die Swissair. Diese bekannten Beispiele sollen hier nur stellvertretend erwähnt werden. Denn auch bei kleineren und mittleren Revisions- und Treuhandunternehmen verursachen Fehler gravierende Konsequenzen.

International wie auch in der Schweiz haben die Gesetzgeber reagiert. Das schweizerische Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) ist per 1. September 2007 in Kraft getreten. Es schreibt in Art. 6 Abs. 1 lit. d vor, dass «die Führungsstruktur gewährleistet, dass die einzelnen Mandate genügend überwacht werden». Der Bundesrat hat in seiner Verordnung dazu ausgeführt, dass jedes Revisionsunternehmen ein IQS aufweisen müsse und dessen Angemessenheit und Wirksamkeit dauernd zu überwachen sei. Revisionsunternehmen müssen also von Gesetzes wegen über ein IQS verfügen. Diese Vorschrift gilt gemäss Revisionsaufsichtsgesetz ungeachtet ihrer Zulassung als Revisor oder Revisionsexperte.

Branchenverbände spuren vor

Das interne Qualitätssicherungssystem muss in jedem Fall der Grösse des Revisionsunternehmens und der Komplexität der Mandate angepasst werden. Es gilt der Grundsatz, dass jedes Revisionsunternehmen sein IQS gemäss den Vorgaben dieser Richtlinie eigenverantwortlich ausgestalten kann. Die beiden führenden Branchenverbände kooperieren. Sie haben sich darauf geeinigt, dass eine Zweiteilung vorgenommen wird.

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In der ersten Phase wird eine Richtlinie ausgearbeitet, die ca. fünf Seiten aufweisen wird und einen Mindeststandard definiert. Die Richtlinie soll als Mindestanforderung für die Mitglieder des Schweizerischen Treuhänder-Verbandes STV/USF und der Treuhand-Kammer verbindlich sein und auch für ordentliche Revisionen in kleineren Verhältnissen gelten. Konsequenterweise müsste dieser Mindeststandard dann durch die Revisionsaufsichtsbehörde als allgemeinverbindlich erklärt werden, weil dadurch ein gesetzlicher Auftrag erfüllt wird. In der zweiten Phase wird ein Beispiel einer möglichen Umsetzung erstellt, das Checklisten und Anhänge beinhalten wird.

Standesrichtlinien

Die Richtlinie dürfte bis Ende Februar 2008 ausgearbeitet sein und untersteht der Genehmigung durch die Revisionsaufsichtsbehörde. Bis Ende April 2008 dürfte dann das umfassende Beispiel für ein IQS vorliegen. Es gibt verschiedene Elemente, die ein solches Qualitätssicherungssystem nach den Vorgaben der führenden Branchenverbände enthalten wird (siehe Grafik).

Ein wesentlicher Bestandteil des IQS ist die Dokumentation. Denn nur dadurch können die getroffenen Regelungen nachvollzogen werden. Bereits heute müssen die eigentlichen Prüfungsarbeiten in den Arbeitspapieren dokumentiert werden. Neu ist es für Prüfungsunternehmen auch verbindlich, das interne Qualitätssicherungssystem als solches zu dokumentieren. Der Dokumentation kommt eine wesentliche Rolle zu. Insbesondere bei der Konfrontation mit allfälligen Haftungsfragen dürften sich die Gerichte darauf abstützen und die Dokumentation und deren Einhaltung verlangen.

Das IQS ist periodisch – zwingend jedoch alle fünf Jahre – zu überprüfen. Damit wird sichergestellt, dass die Regelungen und Abläufe eingehalten werden und die erbrachten Dienstleistungen angemessen dokumentiert sind. Mit diesen regulatorischen Bestimmungen dürfte das ursprüngliche Ziel, nämlich die Qualität in der Wirtschaftsprüfung zu steigern, mehr als erreicht werden.

Für grosse Unternehmen wie für KMU empfiehlt es sich, bei der Wahl des Revisionsunternehmens kritische Massstäbe anzulegen und den Nachweis über das IQS zu verlangen. Denn das interne Qualitätssicherungssystem dient auch kleineren Unternehmen, welche die eingeschränkte Revision anwenden, als Sicherheitsgarantie, dass das Prüfungsunternehmen systematisch und fachlich kompetent prüft.