Karl-Thomas Neumann wird am 1. September 2008 neuer Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers und Reifenspezialisten Continental AG. Das hat der Conti-Verwaltungsrat am Wochenende nach einer rund zweistündigen Sitzung am Konzernsitz in Hannover mitgeteilt. «Es gibt keinen Grund, die Strategie zu ändern. Wir machen so weiter wie bisher», sagte Neumann nach der Berufung.

Wundenlecken nach Showdown

Der 47-jährige Neumann wird Nachfolger von Manfred Wennemer, der nach der Einigung über den Einstieg des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler bei Conti seinen Rücktritt erklärt hatte. Zum stellvertretenden Konzernchef wurde Alan Hippe ernannt, der im Conti-Management die Bereiche Finanzen, Autoreifen und Contitech verantwortet.

Die Schaeffler-Gruppe hatte Mitte Juli ein Übernahmeangebot für den dreimal grösseren Dax-Konzern Continental unterbreitet und knapp 70 Euro je Aktie geboten. Das Angebot war jedoch von den Hannoveranern als zu niedrig abgelehnt worden. Conti hatte vor einer Woche dann den Widerstand gegen die Machtübernahme durch die Schaeffler-Gruppe aufgegeben, nachdem das Unternehmen aus Herzogenaurach weitreichende Zugeständnisse zur Sicherheit der Standorte, der Beschäftigten und der Konzernstruktur von Conti gemacht hatte. Zudem hatte Schaeffler das Angebot auf 75 Euro je Conti-Aktie angehoben. Das fränkische Familienunternehmen will nun seinen Anteil auf maximal 49,99% erhöhen.

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«Jetzt gilt es, Segel zu setzen»

Der ehemalige VW-Manager Neumann, der sich gegen Hippe durchgesetzt hatte, geniesst in Branchenkreisen einen glänzenden Ruf. Er sei stets freundlich, zäh und unbeirrbar, wird er beschrieben. Der Marathonläufer Neumann verantwortet bei Conti den zukunftsträchtigen Automobilelektronikbereich mit den Divisionen Fahrwerk und Bremsen sowie Antriebstechnik.

Zu diesem Bereich gehört auch die im vergangenen Jahr übernommene Siemens-Sparte VDO. Der gebürtige Niedersachse promovierte in Duisburg über Computerarchitekturen für Microcontrollerchips und kam dann nach Stationen beim Fraunhofer Institut, bei Motorola und dem VW-Konzern im Jahr 2004 zu Conti. Finanzvorstand Hippe respektierte in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung. «Jetzt gilt es, Segel zu setzen und Fahrt aufzunehmen», sagte er im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung. Der Conti-Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg hob nach der Sitzung hervor, dass die beiden Kandidaten Hippe und Neumann dem Kontrollgremium die Entscheidung schwer gemacht hätten, da beide höchst qualifiziert für diese Aufgabe seien. Gleichzeitig lobte er noch mal den scheidenden Konzernchef Wennemer, der das Unternehmen per Ende August verlässt. Zwischen ihn und Wennemer habe in den vergangenen Jahren kein Blatt gepasst, lediglich in den letzten Wochen sei ein Schatten auf sie gefallen. Er sei «einer der Besten, die Conti je gehabt habe», sagte von Grünberg.

Gewerkschaften sind zufrieden

Die IG-Metall in Niedersachsen begrüsste die Entscheidung des Verwaltungsrats. «Mit Herrn Neumann steht ein ausgesprochen kompetenter Kenner der Autozulieferindustrie an der Spitze der Continental AG. Die IG-Metall hat Herrn Neumann in der Vergangenheit als verlässlichen und konstruktiven Gesprächspartner kennen gelernt. Er hat stets die Mitbestimmung von Gewerkschaften und Betriebsräten akzeptiert. Mit der heutigen Entscheidung ist die Continental AG gut aufgestellt», sagte IG-Metall Bezirksleiter Hartmut Meine.