Noch vor dem ersten Take-off ist das Märchen bereits ausgeträumt. Das Start-up Jet Republic, das mit ehrgeizigen Plänen ab Genf den europäischen Business-Aviation-Markt erobern wollte, stellt den Betrieb per sofort ein.

Als Grund wird die generell ausgetrocknete Nachfrage für Privatjets angegeben, die global im Moment rund 20% hinter dem Vorjahr zurückliegt. «Die Zurückhaltung betrifft über Erwarten auch potenzielle Kunden von Jet Republic, weshalb wir beschlossen haben, den Betrieb einzustellen», heisst es in einem dünnen Erklärungsschreiben.

Darauf hat niemand gewartet

Noch im Frühsommer hatte der Brite Jonathan Breeze, Gründer und CEO von Jet Republic, die gesamte Schweizer Medienwelt zusammengetrommelt, um für sein einzigartiges Projekt zu werben. Er kündigte den geplanten Firmensitzwechsel vom portugiesischen Porto Salvo nach Genf für diesen Herbst an.

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Vom Westschweizer Flughafen aus wolle Jet Republic mit 110 fabrikneuen Learjets, die Breeze für den Preis von 1,5 Mrd Dollar bei Bombardier in Bestellung gegeben hat, die europäische Geschäftsfliegerei aufmischen.

Das vermeintliche Erfolgskonzept des Visionärs war der Verkauf von Teileigentum an Flugzeugen. Damit wollte Breeze die Geschäftsidee seines früheren Arbeitgebers Netjets kopieren, allerdings mit einem deutlich besseren Angebot. Entsprechend ambitioniert war seine Preisvorstellung: Für 845000 Dollar hätten Kunden einen Sechzehntel einer Maschine erwerben und damit über 1000 Flughäfen in Europa anfliegen können.

Rettungsaktionen gescheitert

Die reiche Schweiz erachtete Jonathan Breeze als ideales Pflaster für seine Pläne und wollte mit dem Angebot vor allem kleine sowie mittlere Unternehmen ansprechen. Sein Ziel war die Akquisition von gegen 50000 hiesigen Kunden. Auch für die Schweizer Volkswirtschaft wollte Breeze seinen Beitrag leisten und kündigte bei Jet Republic den Aufbau von rund 1000 neuen Arbeitsplätzen bis 2014 an - der Hauptteil davon in Genf.

Nun kommt alles anders: Nach einem generellen Preisnachlass um 14% im Juli versuchte Jet Republic noch bis vor wenigen Tagen, den stockenden Verkauf mit Aktionen wie günstigen Einzelflugpreisen in Schwung zu bringen. Vergeblich. Jonathan Breeze hat sich mit seiner Idee, «ein Fünf-Sterne-Boutique-Hotel am Himmel» zu offerieren, verkalkuliert.

Jet Bird möchte bald abheben

Die Pleite von Jet Republic dürfte auch eine Warnung sein für andere Pioniere in der Geschäfts- fliegerei. Der ehemalige Swissair-Manager Hansjörg Hunziker will diesen September mit seiner Jet Bird abheben und hat dafür 50 Flugzeuge bestellt. Im Gegensatz zu Jet Republic setzt Jet Bird je-doch auf ein Billigkonzept.