Mike Bär, Urenkel des Gründers der Privatbank Julius Bär, wurde vergangene Woche in den Verwaltungsrat der Falcon Private Bank gewählt. Ein Schritt, bei dem beide Parteien profitieren: Die Falcon Private Bank - ehemals AIG Private Bank - ist im Besitz von Aabar Investments PJSC («Aabar»), einer Investmentgesellschaft mit Sitz in Abu Dhabi. Aabar wird von der International Petroleum Investment Company (IPIC) kontrolliert. Dieser Sovereign Wealth Fund ist im Besitz der Königsfamilie von Abu Dhabi.

Der erfahrene Finanzexperte Mike Bär schied Anfang 2005 nach Meinungsverschiedenheiten aus der Konzernleitung von Julius Bär aus und gründete 2006 die Finanzberatungsgesellschaft Baer Capital Partners mit Sitz in Dubai. Die Firma beschäftigt rund 30 Angestellte und fokussiert auf den indischen Markt. Bär selbst hat 40% seines Vermögens in Indien investiert.

Letzte Woche wurde der Verwaltungsrat der Falcon Private Bank erweitert. Wohin soll die Bank gesteuert werden?

Mike Bär: Neben mir sitzen noch zwei weitere Schweizer im Verwaltungsrat - Lennart Blecher und Christian Wenger. Daneben gibt es drei Vertreter von Aabar, VR-Präsident Mohamed Badawy Al-Husseiny, David Forbes und Georg Thoma. Es geht nun darum, die einmalige Opportunität auszunutzen, um mit diesem finanzkräftigen Besitzer und dem Institut eine führende Privatbank zu kreieren.

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Wie hat Ihre eigene Firma die Krise bisher überstanden?

Bär: Wir haben auf der Zeitachse fast 18 Monate verloren. Aber wir haben auch in der Krise für unsere Kunden in Indien Geld verdient und keine Abflüsse gehabt.

Wie viele Vermögen verwalten Sie?

Bär: Die verwalteten Vermögen gehen Richtung 1 Mrd Fr.

In der Schweiz darf die Firma wegen des hängigen Markenstreits mit Ihrem Cousin Raymond Bär nicht unter dem Namen Baer Capital auftreten.

Bär: Wir sind beide mit dieser Situation nicht sehr glücklich. Wir sollten aber bald wieder zusammensitzen, um diese Situation zu klären, denn wir beide pflegen eine offene Diskussionskultur.

Was halten Sie von der neuen Strategie, welche die Bank Julius Bär eingeschlagen hat?

Bär: Es ist nicht an mir, dies zu beurteilen. Grundsätzlich ist es aber sicher ein Vorteil, unabhängig zu sein und eine gute Grösse zu haben. Heute muss eine Bank beweisen, dass die Interessen des Kunden und der Bank gleichgelagert sind. Hier hat Julius Bär einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Julius Bär will eine aktive Rolle in der Konsolidierung spielen. Werden auch weitere Staatsfonds in der Schweiz Banken aufkaufen?

Bär: Ja, das Interesse ist da. Für einen finanzkräftigen Investor aus dem Mittleren Osten macht eine Investition in den Schweizer Bankensektor sehr viel Sinn. Wir haben ein einmaliges Banking-Know-how in der Schweiz, das nicht kopiert werden kann, und wir legen, wie die Staatsfonds, sehr viel Wert auf die Privatsphäre.

Umgekehrt suchen die Schweizer Banken ihr Heil im Mittleren Osten. Werden sie mit dieser Strategie Erfolg haben?

Bär: Fast jede Schweizer Bank hat im Mittleren Osten ein Büro. Doch die meisten Banken tun sich etwas schwer, denn es braucht viel Zeit und Geduld, bis man Beziehungen aufgebaut hat und als ebenbürtiger Partner akzeptiert wird. Zudem sind die Kosten relativ hoch. Sarasin und die Credit Suisse zum Beispiel sind gut unterwegs. Kein Erfolg hat, wer nach amerikanischem Stil mit Fanfaren ins Land einzieht, um dann nach der ersten Krise gleich wieder den Rückgang anzutreten.

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Sie haben Ihre Aktien vor der Krise noch rechtzeitig verkauft. Haben Sie auch den richtigen Einstiegszeitpunkt im März erwischt?

Bär: Nein, ich bin nicht mehr gross eingestiegen. Ich bin immer noch extrem skeptisch. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Aktienmärkte noch 30 bis 40% korrigieren würden und wir noch in diesem Jahr neue Tiefstkurse sehen.

Weil die Wirtschaft doch stärker leidet als angenommen?

Bär: Ja. Ich sehe nicht, dass die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Die Staatsinterventionen haben die Probleme nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben. Sie haben den Unternehmen etwas Luft gegeben. Die Schulden sind aber noch da, und auch die toxischen Assets sind noch da. Das Fundament der Banken ist immer noch nicht stark.

Warum?

Bär: Die Änderung der Rechnungslegungsvorschriften hat dazu geführt, dass die faulen Papiere wie auch Goodwill, die eigentlich abgeschrieben werden müssten, in den Büchern bleiben. Die Banken haben noch sehr viel Abschreibungsbedarf. Es geht ihnen sicher nicht so gut, wie man uns glauben macht. Im Moment sind die Schlagzeilen generell zu positiv. Es würde mich nicht erstaunen, wenn die Rezession in den USA und in Europa fünf Jahre dauert.

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Indien und China gehören zu den Gewinnern von morgen. Wann werden die Länder die USA und Europa überholt haben?

Bär: Es gibt einen Mentalitätsunterschied zwischen Indien und Europa. Wir rennen in der Krise zum Staat und versuchen, den Status quo zu bewahren. In Indien heisst es, jetzt arbeiten wir einfach etwas mehr. Indien und China sind die Wachstumsmärkte der Zukunft. Sicher ist, dass Indien und China die europäischen Länder und die USA in den nächsten 20 Jahren an der Weltspitze ablösen werden.