Trotz befürchteter Konjunkturschwäche ist die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften nicht einfacher geworden. In einer Manpower-Umfrage gaben 36% der kürzlich befragten Unternehmen an, Schwierigkeiten beim Finden von qualifizierten Arbeitnehmern zu haben, verglichen mit 37% vor Jahresfrist.

Im Finanzbereich haben nicht einmal die Turbulenzen den Durst nach Potenzialen gestillt. Laut Stephan Surber vom Personalberatungskonzern Michael Page in Zürich gibt es zwar Einstellungsstopps bei den Grossbanken. «Doch mit kleineren Privatbanken und Investmentboutiquen, die nicht in Subprime investiert waren, machen wir jetzt ein gutes Geschäft», sagt er. Es sei immer noch schwierig, qualifiziertes Personal zu finden.

Arbeitsvermittler als Ausbildner

Das Problem des ausgetrockneten Marktes im Finanzbereich wird sich nicht so schnell lösen, ist man auch bei Adecco Schweiz überzeugt. Deshalb hat Adecco das Trainingsprogramm «Fit for Banking» lanciert, das diesen Frühling national gestartet ist. Adecco bezahlt die Kosten eines dreiwöchigen Kurses, der vom Center for Young Professionals in Banking angeboten wird. In einem Probelauf in Genf resultierten aus 15 Platzierungen 14 Einstellungen.

Arbeitskonzerne werden vermehrt zu Ausbildern. Konkurrentin Manpower Schweiz ihrerseits bietet 1700 Kurse an.

Der verschärfte Talentewettbewerb verlangt von den Arbeitsvermittlern, dass sie noch näher an die Unternehmen und an die potenziellen Kandidaten herangehen. Die Spezialisierung der Arbeitskonzerne mit Branchenbereichen wie Finanz, Industrie, IT oder Medizin ist seit einigen Jahren Standard. Für besonders ausgetrocknete Sektoren gehen die Konzerne neue Wege: So reagierte Adecco auf den Personalmangel in der Uhrenbranche mit der Lancierung des neuen Geschäftsbereichs Adecco Watch Technology. Manpower, der zweitgrösste Schweizer Stellenvermittler, hat in Genf bereits seit Anfang 2007 eine auf Uhrenfachkräfte spezialisierte Filiale.

Der drittgrösste Player, Randstad, hat laut CEO Simone Nijsen Tests entwickelt, um die Positionen in der Uhrenbranche mit Personen aus anderen Berufen zu füllen.

Das harte Umfeld führt nun erstmals dazu, dass grosse Konzerne untereinander Talentepools gründen und damit die Personalvermittler umgehen (siehe Text rechts). Die neue Konkurrenz beeindruckt die Branchenchampions wenig. Nijsen von Randstad etwa ist überzeugt, dass die Personalvermittler die Gewinner des Talentemangels sind. «Lange haben Unternehmen HR als ein Kerngeschäft betrachtet, das im Unternehmen bleiben muss. Doch inzwischen lagern immer mehr Konzerne ihr Personalwesen an einen spezialisierten HR-Partner aus, auch in der Schweiz», sagt sie.

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Auch Adecco-CEO Dieter Scheiff glaubt an das Potenzial seiner Branche: «Es war für einen jungen Ingenieur zwar schon immer toll, bei Thyssen, Mercedes, Porsche oder Airbus zu arbeiten, aber immer mehr Leute erkennen auch, dass die Zeitarbeit etwas ermöglicht, das im Trend liegt – nämlich ein Stück flexiblere Arbeit. Wir ermöglichen den Menschen eine Laufbahn mit Zeitarbeit in mehreren Unternehmen.»

Die Zahlen belegen den Trend zum Outsourcing bei der Personalsuche: Heute arbeiten rund drei Mal mehr Menschen in der Temporärbranche als 1990 (siehe Grafik), besonders frappant ist der Zuwachs in der Industrie.

KMU setzen auf Externe

Stephan Surber von Michael Page kann die Outsourcing-Tendenz vor allem bei KMU bestätigen: «Kleine Firmen arbeiten lieber mit externen Personalexperten zusammen, auch um Kosten zu sparen. Grosse dagegen setzen auf strategisches HR und stellen Personalberater oder Headhunter an, welche über Kontakte verfügen.»

Auch wenn sich alle Rekrutierungskonzerne die Spezialisierung auf die Fahne geschrieben haben, kann man sich laut Surber weiterhin abheben; nämlich dadurch, dass das Know-how der eigenen Berater so ist, dass sie mit Kandidaten und Kunden auf gleicher Ebene sprechen können. Michael Page Schweiz jedenfalls weist seit Anfang Jahr ein Bruttogewinnwachstum von über 50% aus.