Der Diesel-Skandal zieht weitere Kreise: Verkehrsminister Andreas Scheuer hat Daimler-Chef Dieter Zetsche für diesen Montag ins Bundesverkehrsministerium einbestellt. Scheuer hat das Kraftfahrt-Bundesamt zudem angewiesen, unverzüglich weitere Verdachtsfälle bei Mercedes zu prüfen.

Bei Daimler müssen wohl 120'000 Dieselfahrzeuge auf mögliche unzulässige Abschalteinrichtungen untersucht werden. Dabei handele es sich um weltweit rund 40'000 Wagen des Modells «Vito» und 80'000 der «C-Klasse», berichtete «Bild am Sonntag».

Die Motoren stammten vom französischen Hersteller Renault und seien von Daimler technisch weiterentwickelt worden. Ein Software-Update solle bereits zur Prüfung beim Kraftfahrt-Bundesamt vorliegen.

Mercedes habe Abgasreinigung unzulässig heruntergeregelt

Das Kraftfahrt-Bundesamt war im Fall Vito vor wenigen Tagen erstmals zu der Überzeugung gelangt, dass Mercedes die Abgasreinigung «unzulässig» herunterregelte und ordnete den Rückruf von weltweit tausenden Fahrzeugen an. Gegen diese Rechtsauffassung kündigte Daimler Widerspruch an und will dagegen notfalls vor Gericht ziehen.

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Audi-Chef Rupert Stadler schliesst weitere Rückrufe nicht aus. Der «Augsburger Allgemeinen» sagte er: «Neue Rückrufe sind nicht die Folge von Untätigkeit, sondern im Gegenteil das Ergebnis konsequenter Aufklärung.» Der Audi-Chef forderte in der Debatte um Fahrverbote eine bundeseinheitliche Regelung.

Realitätsnahe Abgastests ab September 2019

Bei der für alle Hersteller anstehendem Umstellung auf den neuen Abgas-Teststandard WLTP rechnet Volkswagen für die Kernmarke von August an mit vorübergehenden Lücken in der Produktion. Das bedeute dann zeitweilig auch weniger Beschäftigung wegen geringerer Auslastung, sagte Personalleiter Martin Rosik dem Mitarbeiter-Magazin «Inside».

Der neue Prüfzyklus WLTP wird im September für sämtliche Neuwagen bindend, von September 2019 an werden zudem realitätsnahe Strassen-Abgastests Pflicht.

Aktuell hat Volkswagen einen vorübergehenden Fertigungsstopp für wichtige Diesel-Modelle verhängt, um eine Fehlanzeige zu beheben. Wie der Konzern am Samstag bestätigte, muss ein Software-Update für den vielfach verbauten 2.0-TDI-Motor entwickelt werden.

(Reuters/sda/bsh)