Was für Autos heute eine Selbstverständlichkeit ist, gab es bis letztes Jahr für Motorräder noch nicht: Den Airbag. Honda bietet seither als erster Motorradhersteller seine Goldwing mit einem Airbag an. Den Goldwing-Liebhabern scheint es zu gefallen, 2007 wurden 96 Goldwings mit und nur 26 Stück ohne Airbag verkauft. Insgesamt immerhin 62,5% mehr als im Jahr 2006.

In 0,060 Sekunden parat

Bei einem schweren Frontalzusammenstoss messen die vier Sensoren an der Vorderradgabel die Veränderungen in der Geschwindigkeit, die durch den Aufprall verursacht wird. Innert 0,060 Sekunden nach dem Aufprall entfaltet sich der Airbag und fängt den Fahrer in der Vorwärtsbewegung ab.

Der im Notfall pralle Luftsack ersetzt zwar nach wie vor keine schützende Karrosserie um den Fahrer, aber dennoch macht der Airbag auch bei Zweirädern Sinn. Dies haben zumindest Crashtests bewiesen. So hat der deutsche ADAC einen frontalen Aufprall einer Goldwing mit 72 km/h seitlich gegen einen stehenden PKW simuliert. Das Ergebnis war verblüffend: Der Airbag hat den Kopf und den Oberkörper des Dummys derart zurückgehalten, dass ein direkter Kontakt dieser Körperteile mit dem PKW nicht oder nur in ganz geringem Mass stattfindet. Die gemessenen Dummywerte sind vom Kopf bis zum Kniebereich so niedrig, dass ein Motorradfahrer in diesen Bereichen völlig unverletzt bleiben würde. Lediglich im Schienbeinbereich treten erhöhte Belastungen auf, die zum Bruch beider Schienbeine führen würden – vergleichsweise mässige Verletzungen.

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Im krassen Gegensatz dazu steht das Crashergebnis ohne Airbag. Im Kopfbereich würden die Belastungen in einem realen Aufprall zu tödlichen Verletzungen führen. Darüber hinaus wird während des Aufpralls der Nacken extrem überstreckt, sodass unter Umständen mit einem Genickbruch zu rechnen ist. Zusätzlich brechen der rechte Oberschenkel und die beiden Schienbeine.

Überfliegen wird verhindert

Diese gewählte Unfallkonfiguration stellt für den Fahrer des Motorrades zwar den Worst Case dar. Es muss im Normalfall davon ausgegangen werden, dass die Energieeinwirkung auf den Motorradfahrer bei einem anderen Aufschlagwinkel durch dessen Abgleiten am Unfallgegner eher geringer ist.

Durch die gute Rückhaltewirkung des Airbags kann man aber ebenso davon ausgehen, dass auch bei einem schrägen Auftreffen des Motorrades auf ein stehendes Hinderniss eine gute Schutzwirkung des Airbags erzielt wird. Zudem wird durch die Rückhaltewirkung des Luftkissens automatisch ein Überfliegen eines niedrigeren Hindernisses verhindert.