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Sesselwechsel
Neuer Bankenombudsman kommt aus dem Jura

Der Neue und der Alte: Marco Franchetti (r.) und Hanspeter Häni. (Bild: Keystone)

In der Ombudsstelle wird in Zukunft wohl mehr französisch gesprochen. Der neue Mann an der Spitze heisst Marco Franchetti. Sein Vorgänger nimmt sich zum Abschied die Banken zur Brust.

Veröffentlicht am 04.07.2013

Mit Marco Franchetti wird ein Jurassier mit italienischen Wurzeln neuer Schweizerischer Bankenombudsman. Der Jurist löst den Basler Ökonomen Hanspeter Häni ab, der seit der Gründung vor 20 Jahren für die Ombudsstelle arbeitet, seit 1995 als Ombudsman.

Franchetti sagte vor Journalisten in Zürich, in der Ombudsstelle seien weiterhin auch Ökonomen und Bankspezialisten tätig. Es werde aber wohl mehr französisch gesprochen. Er wolle Prozesse beobachten und gegebenenfalls eingreifen. «Was funktioniert, muss man aber fortführen.»

Der Stiftungsrat hat sich aus den 50 Bewerbungen nach eingehenden Diskussionen schliesslich einstimmig für Franchetti entschieden, wie die Präsidentin Annemarie Huber-Hotz sagte. Entscheidend für die im letzten Dezember verkündete Wahl seien Franchettis beruflicher Leistungsausweis und seine überzeugende Persönlichkeit gewesen.

Banken spekulieren auf Scheu der Kunden

Beim letzten Auftritt vor seiner Pensionierung kritisierte Hanspeter Häni das Gebaren einiger Banken mit harschen Worten. Besonders bei höherem Streitwert nehme die Abwehrhaltung zu. Bei den Retrozessionen bleiben er und auch sein Nachfolger weniger markig.

In Streitfällen müsse der Bankenombudsman vermehrt «intensiv verhandeln und hartnäckig argumentieren», sagte Häni. Vermehrt spekulierten Banken darauf, dass der Kunde den Gang ans Gericht scheuen werde.

Häufiger sei solches Verhalten bei angelsächsisch geprägten, am kurzfristigen Erfolg orientierten Banken: Der Bonus werde «über das Kundeninteresse und damit das langfristige Gesamtbankinteresse gestellt». In Ausnahmefällen böten Banken selbst bei unwiderlegbaren Fehlern keine Hand.

Für fünf Jahre gewählt

Franchetti war zunächst im Rechtsdienst einer Bank und dann als Leiter der Abteilung «Internationale Zusammenarbeit» jahrelang Repräsentant der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) respektive später der Finanzmarktaufsicht (Finma) in internationalen Gremien und zwischenstaatlichen Verhandlungen.

Dabei ging es auch um die «nicht gerade leichte Aufgabe», die Schweizer Amtshilfebestimmungen zu erläutern, sagte Huber-Hotz. Die frühere Bundeskanzlerin attestierte Franchetti gutes Verhandlungsgeschick, ein gesundes Mass an Kompromissfähigkeit und Führungserfahrung.

Der Bankenombudsman ist auf fünf Jahre gewählt. Dies soll seine Unabhängigkeit als Vermittler und Schlichter stärken. Franchetti will am bestehenden Team festhalten. Als Amateurfussballer wisse er, dass man alleine nicht gewinnen könne. Auch Roger Federer brauche für den Erfolg die Unterstützung seines Umfelds.

(tno/aho/sda)

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