1. Home
  2. Unternehmen
  3. Neuer CFO: Deutsche Bank baut Top-Management um

Rochade
Neuer CFO: Deutsche Bank baut Top-Management um

Frankfurt: Die Deutsche Bank luchst Goldman Sachs einen Top-Banker ab.  Keystone

Goldman Sachs und die Deutsche Bank sind Konkurrenten, sie buhlen aber nicht nur um Kunden, sondern auch um Personal. Ein GS-Top-Banker wechselt nun zu den Deutschen und wird neuer Finanzchef.

Veröffentlicht am 29.10.2014

Die Deutsche Bank tauscht ihren Finanzvorstand aus. Goldman-Sachs-Investmentbanker Marcus Schenck solle den Posten von Stefan Krause übernehmen, teilte das Geldhaus am Dienstagabend in einer Pflichtveröffentlichung mit. Schenck war erst vor einem Jahr zu Goldman Sachs zurückgekehrt, nachdem er von 2006 bis 2013 als Finanzvorstand beim Energieriesen E.ON fungiert hatte.

Krause erhalte dafür das neu geschaffene Ressort für Strategie und Organisationsentwicklung und werde sich um die langfristige Weiterentwicklung der Bank kümmern. Krause wird seine Tätigkeit als Finanzvorstand bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 21. Mai 2015 fortsetzen.

Revisor neu im Vorstand

In den Vorstand aufrücken soll zudem Christian Sewing, der bislang für die interne Revision zuständig ist. Der 44-Jährige wird für Recht verantwortlich sein. Er wird zum 1. Januar 2015 in den Vorstand berufen. Henry Ritchotte werde als Chief Operating Officer (COO) weiterhin für Technology and Operations und zusätzlich weltweit für die digitale Agenda der Bank verantwortlich zeichnen, teilte die Bank weiter mit.

Stephan Leithner werde sich in seiner bestehenden Rolle als Chief Executive Officer Europe (ohne Deutschland und Grossbritannien) auf Markt- und Kundenentwicklungen fokussieren und weiterhin die Bereiche Government & Regulatory Affairs, Compliance und Human Resources leiten. Er werde ausserdem die nächste Phase des Kulturwandels in der Bank koordinieren. Die Verträge mit den neuen Vorstandsmitgliedern seien auf drei Jahre abgeschlossen worden.

Quartalszahlen für Mittwoch erwartet

Deutsche Bank und Goldman Sachs sind im Investmentbanking in Deutschland grosse Rivalen. Der deutsche Branchenprimus veröffentlicht am Mittwoch seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal, am Vortag tritt in der Regel der Aufsichtsrat zusammen.

Krause war 2008 von BMW zur Deutschen Bank gekommen und innerhalb des Geldhauses Insidern zufolge zuletzt in die Kritik geraten. So hatte die Notenbank von New York dem deutschen Branchenprimus Schlampereien bei der Bilanzierung der US-Tochter vorgeworfen. Diese Peinlichkeit sei auch Krause angekreidet worden, hiess es im Umfeld der Bank.

Tradition bei der Deutschen Bank

Ein Manager mit Erfahrung in der Realwirtschaft, wie Schenck, hat bei der Deutschen Bank Tradition in der Position des Finanzvorstands. Einer von Krauses Vorgängern, Clemens Börsig, war zuvor Finanzchef bei RWE. Doch Schenck ist einer von wenigen, die die Rolle rückwärts in die Finanzbranche vollzogen haben. Bei E.ON hatte er als Finanzchef das internationale Geschäft und den Umbau vorangetrieben.

Zu Goldman Sachs kehrte er laut Finanzkreisen auf Betreiben von Deutschland-Chef Alexander Dibelius zurück. Dieser, einer der prominentesten Investmentbanker in Deutschland, gab am Dienstag nach 13 Jahren seinen Abschied aus der Führung der deutschen Tochter der US-Bank bekannt. Wie aus einer Reuters vorliegenden internen Mitteilung hervorgeht, sollen Investmentbanking-Chef Wolfgang Fink und der seit kurzem für das Wertpapiergeschäft zuständige Jörg Kukies die Position künftig gemeinsam ausfüllen. Der 55 Jahre alte Dibelius soll auch weiter grosse Kunden des Geldhauses bei Fusionen und Übernahmen beraten.

Lust auf ständig wechselnde Situationen

«Die Anforderungen an Banker und Vorstände sind oft ähnlich», sagte Schenck der Nachrichtenagentur Reuters Anfang des Jahres. «Sie müssen gut mit Zahlen umgehen können, sich schnell in Themen einarbeiten und dann Entscheidungen treffen.» Nach gut sechs Jahren bei E.on habe er sich aber gefragt, ob er als Vorstand des Versorgers in Rente gehen wolle. Er habe wieder Lust gehabt auf ständig wechselnde Situationen und den Kontakt mit interessanten Leuten rund um den Globus, sagt Schenck. «Diese Abwechslung macht mir Spass.»

(reuters/ise/me)

Anzeige