Mit dem Marketing- und Vertriebsspezialisten Jürgen Raths soll nun der nächste Wachstumsschritt des Biotechunternehmens Arpida in Angriff genommen werden: Der Aufbau einer eigenen Vermarktungs- und Vertriebsabteilung in den USA. Die Firma rechnet dafür mit 70 Mitarbeitern und einem entsprechenden Budget von 14 Mio Dollar pro Jahr. In Europa soll Iclaprim gemeinsam mit Partnerfirmen lanciert werden.

Noch viel Arbeit nötig

«Arpida wird seine Kompetenzen im Medizin-, Marketing- und Verkaufsbereich aus- und weiter aufbauen», sagt Raths dazu. Dies soll es der Firma ermöglichen, ihr erstes Produkt tatsächlich alleine lancieren zu können. Die finanziellen Mittel dazu seien vorhanden (siehe auch «Nachgefragt»). Das Medikament Iclaprim (ein potenzielles Medikament gegen Infektionen) könnte 2009 auf den Markt kommen.

Dafür muss Raths in nächster Zeit noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Denn einige Experten gehen davon aus, dass es Arpida nicht gelingen wird, die Zulassung für Iclaprim im ersten Anlauf zu erhalten. Erstens, weil dies erst diesen Frühling ein potenzielles Konkurrenzprodukt nicht schaffte. Dabei handelte es sich um das Mittel Ceftobiprol der ebenfalls in Basel ansässigen Biotechfirma Basilea. Und zweitens rechnet etwa Helvea-Analyst Olav Zilian in einer aktuellen Studie damit, dass die US-Behörden striktere Zulassungskriterien für diese Medikamente anwenden werden, als dies Arpida selbst vermutet.

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Aktie braucht Schub

Dabei hätte Arpida eine Erfolgsmeldung nötig. Zu Beginn dieses Monats schienen viele Investoren den Glauben an die Basler Biotechfirma verloren zu haben. Gerüchte über fehlende finanzielle Mittel sowie Zweifel an den Studiendaten zu Iclaprim liessen den Kurs der Arpida-Aktie auf den bisherigen Tiefststand von 9 Fr. sinken. Zum Vergleich: Der Titel ging zum Ausgabepreis von rund 15 Fr. an die Börse und erreichte im Sommer 2007 mit knapp über 45 Fr. den bisherigen Höchststand.

Überraschender Wechsel

Genau in diesen schwierigen Monaten gab das Unternehmen mit 90 Mitarbeitern auch gleich noch den Chefwechsel bekannt: Am 1. Mai hat Jürgen Raths die Nachfolge von Khalid Islam als Arpida-CEO angetreten. Gemäss der entsprechenden Mitteilung weise Raths zwei Vorteile für Arpida auf: Erstens kenne er die Firma, weil er seit 2006 als Verwaltungsrat amtiere. Und zweitens kenne er den Markt für spitalspezifische Medikamente, in den auch Arpida eintreten möchte.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund für den Wechsel. Khalid Islam war als Forscher gut dafür geeignet, die wissenschaftlichen Studien von Arpida voranzutreiben und mit Iclaprim einen ersten Produktkandidaten zu entwickeln.

 

 

NACHGEFRAGT


«Kritische Fragen sind willkommen»

Der neue CEO der Basler Biotechfirma Arpida rechnet mit einem baldigen Feedback der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Medikament Iclaprim.

Der Markt hat bei Arpida einige Zweifel. Beispielsweise bezüglich der Finanzen oder der Marketingkapazitäten. Wie überzeugen Sie die Investoren doch noch von der Aktie?

Jürgen Raths: Kritische Fragen vom Markt sind willkommen. Wir werden weiterhin ein klares Bild von Arpida und dem Potenzial unserer Firma darlegen. Danach müssen die Finanzmärkte über die Bewertung entscheiden.

Welches sind die wichtigsten Projekte, die im laufenden Geschäftsjahr anstehen?

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Raths: Priorität hat der Zulassungsprozess unseres ersten Medikaments Iclaprim, vor allem in den USA und in Europa. In den USA haben wir den Antrag eingereicht. In Europa planen wir, den Antrag in den Sommermonaten einzureichen. Zudem beginnen wir jetzt mit der Planung und dem Aufbau unserer kommerziellen Struktur.

Wird es Arpida schaffen, die Zulassung für Iclaprim im ersten Anlauf zu erhalten? Vergleichbare Produktkandidaten, etwa Ceftobiprol von Basilea, haben dies nicht geschafft.

Raths: Die Zulassungsbehörden beurteilen jedes Produkt einzeln. Für Iclaprim rechnen wir in den nächsten Wochen mit einem ersten Feedback von der FDA. Dann werden wir wissen, ob unser Antrag akzeptiert ist und in welcher Frist er bearbeitet wird.

Halten Sie am bisherigen Ziel von Arpida fest, Iclaprim in den USA alleine zu lancieren?

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Rahts: Wir sind sicher, dass wir dies machen können. Das ist ohne Zweifel auch die Strategie, die am meisten Wert für Arpida und die Aktionäre schafft.

Haben Sie dafür genügend Geld?

Raths: Wir haben im März unsere finanzielle Situation nochmals gestärkt und gehen davon aus, dass die Mittel für einen erfolgreichen Launch ausreichen.