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CEO-Wechsel
Neuer CS-Chef Ziel von zweifelhaften Kommentaren

Tidjane Thiam: Spricht Deutsch. Keystone

Tidjane Thiam wird neuer Chef der Credit Suisse. Bei manchem Online-Leser kommt das nicht gut an - und sorgt für teils nationalistische Kommentare.

Veröffentlicht am 10.03.2015

Die Ernennung von Tidjane Thiam zum neuen CS-Chef hat in den Online-Medien für teilweise gehässige und nationalistische Kommentare gesorgt. Verschiedentlich wurde auf Betrüger-Mails vermeintlich aus dem Heimatland Thiams angespielt.

Warum die Grossbank, die immerhin «Suisse» im Namen führe, jemanden aus der Elfenbeinküste zum neuen Konzernchef beruft, wollte vielen Kommentatorinnen und Kommentatoren nicht einleuchten. Wenn Schweiz draufstehe, müsse Schweiz drinsein, lautete der Tenor bei «NZZ.ch», «Newsnetz.ch» und «20minuten.ch».

Einmal mehr halte jemand ohne emotionale und soziale Bindung zum Land auf einer Teppichetage Einzug. Das Land werde «ausgehöhlt». «Echte» Schweizer müssten jetzt das Konto bei der CS räumen.

Kommentare zur Herkunft

Auch die Herkunft Thiams aus der Elfenbeinküste sorgte für Bemerkungen: So merkte ein Kommentator auf «20minuten.ch» an, er erhalte immer wieder Mails über das gesperrte Vermögen der dortigen « Königsfamilie». Ein anderer meinte, dort Minister gewesen zu sein wecke kein Vertrauen. Und dass Thiam zusätzlich Franzose ist, lässt Kommentatoren eine EU-Unterwanderung befürchten.

In einem Artikel zitiert «20minuten.ch» gar den Kommentar eines Users, der lautet «Jetzt hat Boko Haram einen finanziellen Arm», und den die Redaktion mittlerweile gelöscht hat.

Kommission sieht guten Geschmack verletzt

Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus schaute sich die Kommentare auf Bitte der Nachrichtenagentur SDA hin an. In einer Stellungnahme hielt sie fest, die Äusserungen «spielten teilweise auf geschmacklose Art und Weise auf die Hautfarbe und Herkunft von Tidjane Thiam an».

Nicht jede geschmacklose und unpassende Äusserung zu Herkunft und Hautfarbe sei jedoch auch in strafrechtlichem Sinne eine rassistische Diskriminierung. Die Kommission hält es für wichtig, dass in anderen Leserkommentaren auf die rassistischen Untertöne aufmerksam gemacht wurde.

Andere Leser widersprechen

Zahlreiche Kommentierende hätten sich gegen die Anspielungen ausgesprochen. Für die Kommission zeigte sich deutlich, «dass Kommentare mit rassistischen Untertönen von der Mehrheit der Kommentierenden nicht widerspruchslos akzeptiert werden».

(sda/tno/gku)

 

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