GOOGLE. Gute Zeiten für die Kommunikationsindustrie: Nach dem iPhone von Apple will nun auch der US-Internetkonzern Google in das mobile Internetgeschäft vorstossen. Dazu solle mit Hilfe von Partnern eine Plattform für Mobiltelefon-Technologie aufgebaut werden, teilte der US-Konzern mit. Mit von der Partie sind neben der Deutschen Telekom, Motorola und Qualcomm auch der Schweizer Handysoftware-Hersteller Esmertec (siehe rechts).

Geplant ist ein Handy-Betriebssystem namens Android, das in Zusammenarbeit mit über 30 Technologie- und Telekomkonzernen entwickelt werden soll. Das neue Handy-Betriebssystem solle auf dem frei zugänglichen Linux-Quellcode beruhen.

Konkurrenz für Nokias Symbian

Die Standardanwendungen des Internets, wie man sie vom PC kenne, sollten bald auch auf dem Handy abrufbar sein, sagte Google-Chef Eric Schmidt. «Ein ganz grosser Vorteil der neuen Plattform ist zudem ihre Offenheit», sagt Schmidt. Mit Android greift Google Symbian an, ein von Nokia angeführtes Konsortium, das bis heute den Markt für Handy-Betriebssysteme beherrscht. Auch Microsoft hat wiederholt versucht, in den Markt vorzustossen. Mit dem taiwanesischen Unternehmen HTC scheint nun einer der engsten Microsoft-Partner zu Google umzuschwenken. Die ersten Geräte mit dem neuen Betriebssystem sollen in der zweiten Jahreshälfte 2008 verfügbar sein. Es gehe dabei nicht um die Vermarktung eines einzelnen «Google Phone», wie in Medienberichten spekuliert worden sei, sagt Google-Chef Eric Schmidt. «Unsere Vision ist, dass eine leistungsfähige Plattform Tausende von verschiedenen Mobiltelefonen hervorbringt.» René Obermann, Chef der deutschen Telekom, weist darauf hin, dass die T-Mobile-Handys schon länger eine Google-Benutzeroberfläche für mobiles Internet hätten. Die Telekom-Tochter T-Mobile will im kommenden Jahr in Europa und den USA mobile Google-Dienste einführen. Details sollen im Dezember 2007 bekannt gegeben werden. Über die Mobilfunkpläne von Google war seit Wochen heftig spekuliert worden. Google dominiert bereits das Geschäft mit Internetwerbung. Im Gegensatz zum Markt für Computer-Betriebssysteme, den Microsofts Windows dominiert, gibt es im Bereich Mobilfunk mehrere konkurrierende Anbieter. Das zwingt Entwickler, verschiedene Versionen ihrer Programme zu schreiben. Microsoft versucht ebenfalls, ein eigenes Betriebssystem für Internet-Handys am Markt durchzusetzen. Bislang war der Erfolg des Softwaregiganten in dem Marktsegment eher mässig.

Vom Einstieg des US-Internetkonzerns Google ins Mobilfunkgeschäft profitiert auch die Schweizer Handysoftware-Herstellerin Esmertec: Sie ist eine von 30 Partnern, mit denen Google ein Handy-Betriebssystem namens Android entwickeln will. «Wir sind hocherfreut», jubelt Esmertec-Chef Jean-Claude Martinez. Grund zur Freude hat auch Esmertec-Investor Martin Ebner. Der Financier hält über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex gemäss letzter Meldung vom 30. August 2007 5,82% an Esmertec. Nach Bekanntgabe der Kooperation zwischen den Schweizern und Google schoss die Esmertec-Aktie am vergangenen Dienstag im frühen Handel um knapp 20% in die Höhe. Bei Redaktionsschluss notierte sie mit 10.50 Fr. noch 14% im Plus.

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Mit der Google-Plattform können neue Produkte schneller und günstiger auf den Markt gebracht werden. Die ersten Geräte mit dem Betriebssystem sollen in der zweiten Jahreshälfte 2008 verfügbar sein.