Immer wieder hatten Abgesandte von Hugo Boss bei Daniel Grieder angeklopft, ob er nicht ins schwäbische Metzingen wechseln wolle, um die in Deutschland und der Schweiz etwas verblasste, international aber immer noch hoch angesehene Marke wieder flottzu­machen. Nun, nach dem vor Monaten ­angekündigten Rücktritt des glücklosen CEO Mark Langer, hat es offensichtlich gepasst: Zum Juni 2021 avanciert der 58-jährige Grieder zum Boss bei Boss.

Boss hatte unter Langers Vorgänger Claus-Dietrich Lahrs versucht, die Marke Richtung Luxus aufzuwerten und mit neuen Läden zu wachsen. Langer, der ­zuvor Finanzchef war, musste dann den misslungenen Ausbau wieder zurückfahren und das Geschäft digitalisieren. Von Grieder erwarten Branchenkenner nun Impulse zur Neubelebung der Hauptmarke Boss und ihrer Unterbrands (wie Hugo, Boss Orange). Im digitalen Vertrieb war Tommy Hilfiger dank Grieder Vorreiter.

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«Sehe bei Boss enormes Potenzial»

Grieder sagt, «ich sehe bei Boss enormes Potenzial», aber er könne sich «zu Details erst äussern, wenn ich den Job angetreten habe». Als Grund für seinen überraschenden Wechsel sagt er, «ich wollte noch einmal etwas Neues machen, vor ­allem mich unternehmerisch einbringen können»: Branchengerüchten zufolge soll sich Grieder an Boss mit einem bedeutenden Anteil beteiligen können. Zudem habe er bei Hilfiger ein gutes Team, das er nun zum Zuge kommen lassen wolle.

Punkto Salär dürfte der Wechsel zu Boss kein Aufstieg sein. Langer verdiente um die zwei Millionen Franken jährlich, Grieder eher gut das Doppelte, mit einem Ausreisser ins Fünfstellige im Jahr 2019. In seinen 23 erfolgreichen Jahren bei Hilfiger, die letzten zehn davon unter dem Dach des börsenkotierten Konzerns Phillips-Van Heusen (PVH), flossen Grieder auch eine stattliche Anzahl an Aktien zu.

Grieder war auch beim Mutterkonzern PVH für Höheres im Gespräch, etwa als Chef der Marken, zu denen auch Calvin Klein gehört. Dazu hätte er aber in die Zentrale nach New York wechseln müssen; das wollte er nicht. PVH Europa und Hilfiger führte Grieder von Amsterdam aus. Aber Metzingen soll auch ganz schön sein.