Der Basler Spezialchemiekonzern Clariant steht vor einschneidenden Veränderungen. So wird Jürg Witmer an der Generalversammlung vom 10. April 2008 das Präsidium des Clariant-Verwaltungsrates übernehmen. Und Mitte März sollen nächste Veränderungen im aktuell achtköpfigen Verwaltungsrat bekannt gegeben werden.

Witmer kündigt bereits weitere Restrukturierungen an: «Die Stossrichtung, die in der aktuellen Strategie Clariant 2010 skizziert wurde, ist nach wie vor richtig. Die dort beschlossenen Restrukturierungs- und Kostensparmassnahmen werden aber wahrscheinlich nicht ausreichen. Wir müssen uns deshalb grundlegende Gedanken zum gesamten Geschäftsportfolio von Clariant machen», sagt er im Gespräch. «Kurzfristig könnten diese Entscheide wohl schmerzhaft sein, längerfristig sollten sie sich aber auszahlen», ergänzt Jürg Witmer.

Etwas mehr Realismus

Im Oktober 2007 sagte Clariant-CEO Jan Secher im Interview mit der «Handelszeitung», dass sein Unternehmen bereit zum Durchstarten sei. «Ich vergleiche die Firma gerne mit einem startenden Flugzeug: Noch ist Clariant auf der Piste, aber immer rascher am Rollen und bereit zum Abheben und Durchstarten», meinte Secher.

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Witmer gibt sich diesbezüglich etwas vorsichtiger: «Ich sehe heute viele Elemente, die Clariant tatsächlich wie ein Flugzeug abheben lassen könnten. Aber dass das wirklich so rasch geschehen wird, wage ich zum heutigen Zeitpunkt nicht zu behaupten.»Witmer will sich und dem neuen Verwaltungsrat «einige Monate» Zeit geben, um die Situation von Clariant genau zu überprüfen. Bereits jetzt stellt er aber vieles in Frage – und kann sich dabei sogar eine Abspaltung der wichtigen Masterbatch-Division vorstellen.

Eigenständige Additive?

«Dieses Geschäft kann weiterhin sehr gut unter einem Spezialchemiedach wie Clariant geführt werden, aber zum Beispiel auch als selbstständiges Unternehmen», sagt er. Clariant erzielte 2007 mit rund 21800 Mitarbeitern einen Umsatz von 8,5 Mrd Fr. Der Bereich Masterbatches (Kunststoffadditive in Form von Granulaten) trug dazu rund 1,4 Mrd Fr. bei. Clariant setzt auf dieses Wachstumssegment und ist hier momentan die globale Nummer eins.

Trotz seiner neuen Aufgabe bei Clariant will Witmer weiterhin Verwaltungsrat von Syngenta sowie Verwaltungsratspräsident von Givaudan bleiben: «Die drei Unternehmen, wo ich Mandate halte, sind komplementär, und es gibt keine Interessenkonflikte. Givaudan, wo ich den Börsengang durchführen durfte, möchte ich gerne noch einige weitere Jahre zusammen mit der jungen Geschäftsleitung mitprägen. Und weil ich aus einer Bauernfamilie stamme, bleibe ich auch stark an landwirtschaftlichen Fragen interessiert.»