Der Solarzulieferer Meyer Burger spart weiter: Das Unternehmen baut bis Ende Jahr 250 Stellen ab, ein Drittel davon in der Schweiz, hauptsächlich am Standort in Thun BE. Gespart werden sollen nochmals 50 Millionen Franken pro Jahr. Das ist nicht das erste Sparprogramm bei der Firma.

Der Stellenabbau findet im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms statt, mit dem das Unternehmen seine Profitabilität nachhaltig erhöhen will, wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht. Dazu will sich Meyer Burger auf seine Kerntechnologien konzentrieren. Ziel sei, das Unternehmen in seinen strategischen Technologiebereichen zu stärken. Zudem solle es flexibler auf kurzfristige Marktveränderungen reagieren können.

Kündigungen unumgänglich

Konkret würden die Abteilung für Forschung und Entwicklung, die weltweite Verkaufs- und Serviceorganisation, wie auch gewisse Teile des Produkteportfolios weiter gestrafft. Insgesamt führten die Massnahmen zu einer «sehr schlanken Unternehmensstruktur mit Fokus auf Highend-Anwendungsmärkte in der Photovoltaik», heisst es weiter.

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Zum Stellenabbau schreibt Meyer Burger, Kündigungen seien wahrscheinlich für etliche Mitarbeiter nicht zu umgehen. Es finde zunächst ein Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern statt. Die Kündigungen sollen möglichst sozialverträglich erfolgen. Wo immer möglich soll die Stellenstreichung durch natürliche Fluktuation oder vorzeitige Pensionierungen erfolgen.

Abbau auch in Asien

Der Abbau von 250 Stellen entspricht 16 Prozent des ganzen Stellenbestands. Neben der Schweiz passt das Unternehmen die Kapazitäten in Asien an. Die Massnahmen sollen bis Ende 2016 abgeschlossen sein.

Kosten wird das einmalig 3 bis 4 Millionen Franken. Mitte Jahr gab es bei Meyer Burger noch 1547 Vollzeitstellen.

Aktie im Plus

Die Ankündigung verlieh den Aktien von Meyer Burger kräftig Auftrieb. Der Titel des Solarzulieferers schnellte am Donnerstag in einem festeren Markt um 4,5 Prozent auf 3,50 Franken hoch. Analysten begrüssten das Programm. Die sei ein «proaktiver Schritt», schrieb Michael Foeth von der Bank Vontobel. Damit könne die Firma die Gewinnschwelle auf 350 Millionen Franken senken, schrieb ZKB-Analyst Richard Frei.

Die beiden Analysten vermissten allerdings Äusserungen zu Finanzierungsfragen. «Die Refinanzierung von Anleihen von 130 Millionen Franken im Jahr 2017 bleibt ein offenes Problem, das durch diese Kosteneinsparungen nicht gelöst wird», schrieb Foeth. «Das kurzfristig wichtigste Thema bleibt die Finanzierungsfrage. Bezüglich diesen wurden keine Aussagen gemacht», sagte Frei.

Umsatz leicht gestiegen

Meyer Burger ist angesichts der Lage in der Solarindustrie schon seit längerem auf Sparkurs: Seit 2011 sei der Personal- und Betriebsaufwand von 330 Millionen auf zuletzt 210 Millionen Franken reduziert worden. Damit habe das Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 erstmals seit 2012 wieder einen Gewinn auf Stufe Ebitda erzielt, nämlich 6,2 Millionen Franken. Der Reinverlust betrug allerdings 25,6 Millionen Franken – nach einem Fehlbetrag von 93 Millionen in der Vorjahresperiode. Der Umsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr um drei Viertel auf 217,8 Millionen Franken.

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Das gesamte Jahr 2015 endete mit einem Rekordverlust von 169 Millionen. Das war allerdings von Sonderfaktoren geprägt. In der ersten Jahreshälfte 2015 strich das Unternehmen bereits 107 Vollzeitstellen. Schon seit 2012 steckt Meyer Burger in den roten Zahlen fest.

Turnaround in Griffnähe

Für 2016 sieht das Solarunternehmen aber Licht am Horizont. Die Verbesserungen auf den Absatzmärkten und in Bezug auf das Betriebsergebnis seien erfreulich, wurde Konzernchef Peter Pauli im Communiqué zitiert. Das Unternehmen müsse aber auch beim Nettoergebnis wieder in die Gewinnzone kommen.

Für das Gesamtjahr zeigt sich die Firma angesichts des guten Auftragseingangs sowie der deutlichen Verbesserungen zuversichtlich, die Jahresziele zu erreichen beziehungsweise zu übertreffen. Somit soll das Umsatzwachstum zwischen 20 und 40 Prozent zu liegen kommen und das operative Ergebnis auf Stufe Ebitda weiterhin positiv sein.

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Schulden müssen refinanziert werden

Meyer Burger muss derzeit im kommenden Frühjahr auslaufende Schulden refinanzieren. Die Arbeiten hierzu laufen laut Firmenangaben bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses auf Hochtouren.

Damit soll die Refinanzierung der Obligationenanleihe per Mai 2017 (130 Millionen Franken) sowie die Aufrechterhaltung der Garantielinie (90 Millionen Franken) und des hypothekarisch gesicherten Kredits (30 Millionen Franken) fristgerecht sichergestellt werden. Verwaltungsrat und Management gingen davon aus, dass das gelingt.

(sda/awp/mbü)