Er kommt jedes Jahr so sicher wie Weihnachten: Der Streit um die Kosten für die letzte Meile - die sogenannte Teilnehmeranschlussleitung TAL -, welche die Swisscom den Konkurrenten verrechnet. Wie schon 2007 und 2008 liegt nun der Ball erneut bei Telekom-Regulator Marc Furrer. Fürs Jahr 2008 lag der von ihm verfügte Preis bei 18.18 Fr. In diesem Jahr verlangt die Swisscom von der Konkurrenz aber wieder mehr, nämlich 18.80 Fr. Sunrise hat auch diesen Preis wieder bei Furrers Kommunikationskommission (ComCom) angefochten. Parallel dazu fordert das Unternehmen auch eine Anpassung der heutigen Berechnungsgrundlagen für diesen Preis.

Klar ist: Das Verfahren dürfte sich hinziehen. Regulator Furrer erklärt: «Der genaue Verfahrensablauf mit dem sehr aufwendigen Kostennachweis ist nur schwer abschätzbar. Die ComCom dürfte erst nächstes Jahr entscheiden können.» Auch bis eine Anpassung der Berechnungsmethode für diesen Preis spruchreif ist, dürfte es laut Furrer noch dauern. Der Bundesrat, der im November in dieser Sache entscheidet, «muss abwägen, inwiefern er dies im Rahmen der nächsten Revision des Fernmeldegesetzes ändern will».

Gericht verfügt neue Berechnung

Rückenwind mit ihrer Forderung nach einer neuen Berechnungsmethode und damit nach einem tieferen Preis erhält Sunrise nun aber aus Deutschland. Auch dort zahlen die Mitbewerber der Deutschen Telekom für die Benutzung der letzten Meile. Die Bundesnetzagentur legt jährlich die Nutzungsgebühren fest. Das Verwaltungsgericht Köln sieht das heutige Kostenmodell - welches weitgehend mit dem in der Schweiz übereinstimmt - als rechtswidrig an. Bislang wird das Netz so bewertet, als ob es neu gebaut würde, nämlich auf der Grundlage sogenannter «Wiederbeschaffungskosten». Bei der Berechnung des Investitionswertes dürfe die Behörde aber nicht einseitig die reinen Wiederbeschaffungskosten heranziehen, wie sie das bisher tue. Vielmehr seien die tatsächlichen Kosten zu berücksichtigen, die sich aus historischen und zukünftigen Kosten zusammensetzten. Da das Verwaltungsgericht zunächst den Europäischen Gerichtshof kosulitert hat, der auch in diesem Sinn entschieden hat, ist das Urteil abschliessend und eine Revision nicht zugelassen.

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«Höhere Baukosten»

Roger Schaller, Mediensprecher bei Sunrise, sieht sich bestätigt: «Wir kritisieren das in der Schweizerischen Verordnung über Fernmeldedienste (FDV) festgelegte Berechnungsmodell schon lange als nicht zeitgemäss und diskriminierend und verlangen eine Anpassung.» Eine Umstellung der bisherigen Praxis sei umso mehr gerechtfertigt, da das alte Kupfernetz kaum mehr ausgebaut und in Zukunft durch ein modernes, leistungsfähiges Glasfasernetz ersetzt werde. Von einer Änderung würden die Kunden profitieren, sagt Schaller: «Die Konsumenten bezahlen jährlich 400 Mio Fr. zu viel.» Unterstützt wird ein Wechsel des Berechnungsmodells nicht nur von alternativen Telekomanbietern, sondern auch von Konsumentenorganisationen, dem Preisüberwacher und dem Gewerbeverband.Swisscom hält dagegen die heutige Berechnungsmethode für «sachgerecht und international breit akzeptiert». Sprecher Sepp Huber erklärt: «Sie unterstützt den Netz- und den Dienstewettbewerb und fördert Investitionen in neue, alternative und effiziente Infrastrukturen. Damit ist auch der laufende Netzunterhalt und die Erneuerung sichergestellt.» Auch den Vorwurf, das Unternehmen verlange einen zu hohen Preis, weist Swisscom zurück: «Wir berücksichtigen für die Berechnung die von den Behörden akzeptierten Eckwerte.»