Der Mobilfunkanbieter Freenet steigt beim Schweizer Telekomkonzern Sunrise ein. Dafür legen die Deutschen gut 700 Millionen Euro auf den Tisch und werden grösster Aktionär von Sunrise.

Das Geschäftsmodell von Freenet ist alles andere als innovativ, dafür verlässlich: Die Deutschen verkaufen ihren Kunden vor allem Handyverträge der grossen Netzanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland (O2 und E-Plus). Die Kunden gehen in Geschäfte, die «Mobilcom-Debitel» heissen. 2007 hatte sich Freenet mit dieser Mobilfunkfirma zusammengetan.

Viele Shops, im Schlepptau von Media-Saturn

Dank ständig auslaufenden Handyverträgen der Kunden, immer neuen Smartphone-Modellen und neuen Angeboten der Netzbetreiber profitiert Freenet von einem selbstlaufenden Geschäftsmodell in einem eigentlich gesättigten Markt. Für jeden Vertragsabschluss erhält die Firma eine Provision der Netzbetreiber. Der Kundenbestand im Vertragskunden-Bereich liegt bei 6,01 Millionen Personen.

Unter der Hauptmarke Mobilcom-Debitel betreibt Freenet 570 Shops. Dazu gesellen sich 45 unter der Marke Gravis betriebene Stores - einer der grössten unabhängigen autorisierten Apple-Händler in Deutschland.

Wilde Anfangsjahre

Freenet ist auch in 400 Media-Saturn-Elektronikmärkten präsent und betreibt einen breitgefächerten Online- und Direktvertrieb - etwa über die Online-Plattform Crash-Tarife. In Deutschland hat die Firma kaum Konkurrenz und inzwischen auch einen guten Namen.

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Das war nicht immer so. Regelmässig geriet die 1999 gegründete Freenet ins Visier von Verbraucherschützern wegen intransparenten Tarifgestaltungen für ihre Angebote und dubiosen Callcenter-Methoden. 2005 wurde Freenet von einem Gericht zur Unterlassung von E-Mail-Spamming verurteilt. Auch das mit Freenet fusionierte Unternehmen Mobilcom ist durch fragwürdiges Geschäftsgebaren aufgefallen.

Blackrock im Rücken

Bei Grossanlegern ist Freenet sehr beliebt. Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors hält Aktien, ebenso der weltgrösste Geldverwalter Blackrock sowie Deutschlands grösste Fondsgesellschaft DWS. Der Grund ist einfach: Freenet zahlt seinen Aktionären seit Jahren eine fette Dividende aus.

Seit 2010 hat sie regelmässig zugenommen. Die vom Vorstand beschlossene Dividendenpolitik sieht vor, dass jährlich Ausschüttungen zwischen 50 und 75 Prozent des erzielten freien Barmittelzuflusses vorgenommen werden. Die Dividendenrendite lag 2014 bei 6,35 Prozent, 2015 betrug sie 4,96 Prozent und liegt derzeit bei 5,12 Prozent.

2014 erzielte der Konzern ein Ebidta von 365,6 Millionen Euro und einen Jahresgewinn von 128,7 Millionen Euro. Die Dividendenausschüttung in 2014 fürs 2013 lag bei 185 Millionen Euro. Fürs Geschäftsjahr 2016 strebt Freenet einen Konzern-Ebitda in der Höhe von 375 Millionen Euro an.

Schatten der Vergangenheit

Im Jahresabschluss 2014 von Ende März 2015 listet Freenet unter rechtlichen Risiken auch gerichtliche Auseinandersetzungen auf, die aus der Zeit der Fusion zwischen Freenet und Mobilcom im Jahr 2007 herrühren. Ehemalige Aktionäre der Mobilcom und der Freenet.de AG haben die gerichtliche Überprüfung des Deals beantragt, sind bei den Gerichten aber bisher nicht durchgedrungen.

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Auch steht eine Vergleichsvereinbarung mit France Telecom vom im November 2002 zur Diskussion. Die Wirksamkeit dieses Vergleichs wird von einzelnen Aktionären angezweifelt. Die Gesellschaft hält diesen Vergleich für wirksam und hat auch keine Anhaltspunkte dafür, dass France Telecom sich daran nicht gebunden fühlt. Sollte die Auffassung dieser Aktionäre jedoch gerichtlich bestätigt werden, würde auf die Freenet ein «mittleres Risiko» zukommen, dass France Telecom den Betrag von 7,1 Milliarden Euro, auf den sie im Rahmen des Vergleichs verzichtet hat, gegenüber der Gesellschaft geltend macht.

Einzelne Aktionäre sind auch der Ansicht, dass eine Kapitalerhöhung der Mobilcom als Rechtsvorgängerin der Gesellschaft im November 2000 fehlerhaft beziehungsweise, dass die erbrachte Sacheinlage nicht werthaltig gewesen sei, mit der Folge, dass einerseits der Gesellschaft noch Ausgleichsansprüche in Milliardenhöhe gegen die France Telecom zustünden sowie ferner, dass die an die France Telecom ausgegebenen Aktien nicht stimmberechtigt gewesen seien. Die Freenet sieht auch diesen Sachverhalt als «mittleres Risiko» an und geht davon aus, dass die Sachkapitalerhöhung wirksam erfolgt ist.