Die weltweiten Vermögen wachsen gemäss verschiedenen Studien kontinuierlich - auch wenn es immer wieder Phasen der Wertvernichtung gibt. Dabei meinen wir die Vermögen von wohlhabenden Privatkunden, sogenannten High Net Worth Individuals (HNWI). Die Hoffnung kommt aus Ländern wie Indien, China und Brasilien, wo es 2007 ein Wachstum an HNWI von 20% gab.

Veränderte Finanzbranche

Private Banking ist mit einem hohen Wertschöpfungsanteil ein wichtiger Industriezweig für die Schweizer Volkswirtschaft. Diese Spitzenposition dürfen wir nicht durch langfristig unvorteilhafte Entscheide aufs Spiel setzen. Dazu gehört speziell die Forderung einiger Staaten, das Bankkundengeheimnis komplett aufzulösen. Vermögende Kunden aus Europa, dem Nahen Osten, Russland, Asien oder Lateinamerika, die ihr Geld in der Schweiz angelegt haben, taten dies nicht nur aus steuertechnischen Überlegungen. Es ist in der jetzigen Zeit überlebenswichtig, nicht nur schwerfällige Strukturen abzubauen und Kosten zu sparen, sondern auch an Innovationen und Wachstum zu denken. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Ambidexteritie, der Balance zwischen Ressourcenexploration und -exploitation. Diese Beidhändigkeit, bei der zwei ähnliche oder sich kannibalisierende Strategien verfolgt werden, ist eine Kunst. Innovative Vermögensverwalter müssen versuchen, ein solches ambidextres Geschäftsmodell aufzubauen.

Keine Commodities

Als Vermögensberater einen Mehrwert zu generieren, wird wegen der neuen Rahmenbedingungen und der internationalen Transparenz zusehends schwieriger. Viele Produkte und Dienstleistungen werden zu Commodities. Deshalb wird es nicht mehr reichen, nur die existierenden Vorteile der traditionellen Vermögensverwaltung auszuschöpfen. Zumal auch die Reputation des Schweizer Finanzplatzes gelitten hat. Reiche Kunden werden immer anspruchsvoller und wünschen ganzheitliche Finanzberatung und gute Performance zu geringen Risiken. Dazu gehören steuertransparente Angebote und Portfolioengineering, aber auch Lösungen für die globale Verwahrung von Wertschriften (Global Custody). Der Verkauf von Produkten, bei denen der Kundenberater sich auf Anlagetipps beschränkt, hat kaum noch Zukunft. Viele Kunden tätigen vermehrt direkte Investitionen und wünschen eine Vereinfachung ihrer Portfolios und eine sichere Diversifikation in mehrere An- lageklassen. Vermögensverwalter müssen deshalb mehr unternehmen, als nur ihre Produktmatrix zu verändern. Es bedarf eines fundamentalen Wertewandels im Private Banking. Allein die Transformation von einem Produktfokus hin zu kundenorientierten Lösungen und ganzheitlicher Beratung verlangt eine kundenzentrierte Organisation und neue Kernkompetenzen. Verschiedene Anlage-Opportunitäten müssen gleichzeitig verfolgt werden.

Anzeige

Unternehmerisch handeln

Unternehmerisches Handeln ist nichts Neues. Bei einigen Privatbanken geht dieser Gedanke sehr weit. Kundenberatern wird die Freiheit gegeben, ein weltweites Portfolio von Kunden aufzubauen und zu betreuen. Sie fungieren als Profit-Center und sind somit vorwiegend für die Profitabilität ihrer verwalteten Kundenvermögen verantwortlich (Return on Assets). Dies birgt aber Gefahren. Erfolgreiche Kundenberater, die sich selbstständig machen oder zur Konkurrenz wechseln, nehmen oft die nur an sie gebundenen Kunden mit. Sie nutzen also die wertvollen Beziehungen und ihr Wissen als Kapital für eigene Zwecke. In der Organisation wird so kaum etwas verankert. Dies steht im Gegensatz zur generellen Unternehmenslehre. Denn um langfristig Erfolg zu haben, muss möglichst viel implizites Wissen der Mitarbeiter in die Unternehmung integriert werden und für alle Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Auch mit Steuertransparenz und ohne Bankgeheimnis gibt es Wege, um bestehende und zukünftige Vermögen effektiv anzulegen. Wir müssen deshalb nicht nur die Entstehung der letzen Krise analysiert und verstanden haben, sondern vielmehr umdenken und bereit sein, neue Kompetenzen zu bilden und Ressourcen gewinnbringend zu fördern.

Innerbetrieblich kann mit Hilfe der Managementmethode Open Innovation - indem eine Organisation unterschiedlichste andere Firmen in ihren Entwicklungs- und Vertriebsprozess integriert - die ganze Welt als Ideenlabor benutzt werden. Neue Kompetenzen, Offenheit und Akzeptanz gegenüber anderen Denk- und Vorgehensweisen führen schliesslich zu einem neuen Geschäftsmodell für die moderne Vermögensverwaltung.

Wenn wir die traditionellen Schweizer Tugenden mit neuen Managementpraktiken anreichern, können wir weiterhin erfolgreich sein. Auch deshalb, weil das Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft stark von der Kundenbeziehung abhängig ist. Vertrauen, Transparenz, Qualität, Bescheidenheit und Offenheit müssen als soziale Performance deshalb klar als Differenzierungsfaktor eingesetzt werden. Ausländische Kunden werden diese neue «Swissness» schätzen und weiterhin Geld in der Schweiz anlegen - wenn auch die Hintergrundüberlegungen nicht mehr dieselben sind wie vor einigen Jahren.

Anzeige