Nach Veröffentlichung brisanter Äusserungen irischer Banker über EU-Hilfen hat sich der Ex-Chef des Instituts Anglo Irish entschuldigt. Er bedaure die mit seinen Worten verursachten Beleidigungen zutiefst, sagte David Drumm der Zeitung «Sunday Business Post» zufolge. Er könne sein Verhalten nicht mehr rückgängig machen. «Aber ich kann mich bei denen entschuldigen, die sich das anhören mussten und die sich verständlicherweise so angegriffen gefühlt haben.» Drumm zog EU-Bankhilfen unter anderem mit den Worten «Neuer Tag, neue Milliarde» ins Lächerliche.

Drumm sprach nach dem Bailout offen über den «Missbrauch» der Bankgarantie, riet den Kollegen aber, sie sollten sich nicht erwischen lassen. Er konnte auch herzhaft kichern, als ein Mitarbeiter anfing, die deutsche Hymne zu singen. Deutschland machte als EU-Mitglied Millionen für die irische Bankenrettung locker. Einer der Banker, John Bowe (Direktor Capital Markets), sprach davon, dass man vom Staat 7 Milliarden Euro verlangte, um die Pleite abzuwenden. Die Banker betrogen die Zentralbank, die Politiker und letztlich die Steuerzahler ganz bewusst.

«Nein, wir sagen: Nie»

Denn die Anglo-Vertreter wussten die ganze Zeit, dass dieser Betrag nie und nimmer genügen würde. «Wir gaben ihnen (Zentralbankern) einen Vertrag für einen Überbrückungskredit mit der Klausel, wir zahlen es zurück, sobald wir können... was nie passieren wird», meinte John Bowe am Telefon zu seinem Kollegen Peter Fitzgerald, Direktor des Retail Banking. Danach lachten die beiden drauflos. Bowe: «Also, unter der Klausel Rückzahlung sagen wir: Nein!» Darauf Fitzgerald: «Nein, wir sagen: Nie.» Nun folgte noch grösseres Gelächter.

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Die Äusserungen Drumms und anderer irischer Banker hatten europaweit für Empörung gesorgt - nicht zuletzt in Deutschland, das grösster Geldgeber bei den Irland-Hilfen war. Der «Sunday Business Post» zufolge erklärte er nun, die Aufnahmen seien während einer sehr anstrengenden und turbulenten Zeit gemacht worden. Dies entschuldige aber nicht «den furchtbaren Sprachgebrauch und frivolen Ton». Es war das erste Mal seit Veröffentlichung der Mitschnitte, dass sich Drumm öffentlich äusserte. Er lebt jetzt in den USA.

«Verachtung für ihre Mitmenschen»

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble hatten die irischen Banker scharf kritisiert. «Diese Banker gefielen sich offensichtlich in der Rolle von abgehobenen Übermenschen, die nur Verachtung für ihre Mitmenschen haben», sagte Schäuble der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Dabei waren sie es, denen unsere Verachtung zuteil kommen sollte und denen wir das Handwerk legen müssen.»

(se/hz/sda)