Business School oder Business University klingt nach Kaderschmiede in den USA. Doch es gibt sie auch bei den Schweizer Grossbanken. «Indem wir unseren Mitarbeitenden attraktive Aus- und Weiterbildungschancen bieten, sichern wir den nachhaltigen Erfolg unseres Unternehmens», heisst es bei der Credit Suisse (CS). Für die interne Weiterbildung ist hier die bankeigene Business School zuständig. «Sie bildet Mitarbeitende, Führungs- und Nachwuchskräfte zu erfahrenen und verantwortungsbewussten Partnern unserer Kunden aus», steht auf der Homepage der CS dazu geschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf der Qualitätssicherung in der Kundenberatung, der Vorbereitung auf Prüfungsaufgaben und dem Erfahrungsaustausch untereinander.

Vor drei Jahren wurden neue Technologien eingeführt: So können Mitarbeitende einen Teil des Lehrstoffes in interaktiven Online-Modulen dann abarbeiten, wenn es ihnen zeitlich passt, unabhängig vom Ort. Expert Insights basiert auf Video-Clips, die für die Youtube-Generation zugeschnitten sind: Kurze Beiträge von Fachleuten zu aktuellen Themen.

Dass man es ernst meint mit der Weiterbildung, ist am Wert der Abschlüsse zu erkennen: Seit 2004 unterhält die CS in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) einen berufsbegleitenden Studiengang «Banking», vor drei Jahren erhielten die ersten Absolventen ihren Bachelor. Ein weiteres Element ist das Global MBA Program, bei dem Absolventen aus allen Regionen eine mehrwöchige Ausbildung durchlaufen, um sich «auf die Herausforderung der Märkte» vorzubereiten. Und in Kooperation mit der University of Hong Kong gibt es den Lehrgang Global Finance, der mit dem Professional Diploma abgeschlossen wird. Er ist für hoch qualifizierte Nachwuchskräfte aus der asisatisch-pazifischen Region bestimmt.

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Laut dem jüngsten Jahresbericht hat jeder Angestellte zumindest einen Weiterbildungstag mit Lehrpersonal absolviert. Per E-Learning kam ein Mehrfaches dazu. Besonders im Investment Banking, Asset Management und Private Banking war die Nachfrage nach virtuellem Stoff hoch. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Fächer, wo die Absolventen besonders gut und weniger gut abgeschnitten haben: In den «Leadership/Management» waren sie überdurchschnittlich, bei «Persönlicher Effizienz» unterdurchschnittlich.

Die Kaderschmiede der UBS

Erst vor einem Jahr lancierte die UBS ihre globale Business University. Sie setzt sich hohe Ziele - laut ihrem Konzernchef Oswald Grübel soll sie bewirken, «dass wir alles besser machen müssen als unsere Konkurrenten». In einem internen Mail zur Lancierung zeigte die UBS gleich anhand von Beispielen, was sie erreichen will: «Ein Berater, der mit seinen Kunden kompetent über deren Anlagen sprechen kann, wird für das Unternehmen Neugelder generieren, ein Portfoliomanager, der die Benchmark übertreffen kann, wird der Bank letztlich ebenfalls Neugelder zuführen und sie dadurch stärken.»

Die Weiterbildungsstätte unterhält drei sogenannte Fakultäten, die sich mit der Weiterbildung von Führungskräften (Leadership Faculty), der Weiterbildung für Risiko-Management-Fragen (Control & Risk Faculty) und der Verbesserung der Kundenbeziehungen (Business Faculty) beschäftigen. Der Stoff wird mit einer Reihe von Aktivitäten und Anlässen, Lernpfade genannt, abgearbeitet, womit die UBS weltweit ein vergleichbares Niveau, unabhängig vom Ort, sicherstellen möchte.

Inzwischen hat die UBS Business University noch eine weitere Aufgabe: Die Bank will ihren Personalbestand in China verdoppeln - und hier spielt die interne Weiterbildung eine wichtige Rolle beim Kampf um Talente in Asien. Konkurrenten wie die Citigroup, Daiwa Securities oder Samsung Securities haben gezielt Desks formiert, die mit chinesisch sprechenden Bankern besetzt sind, um den Markt im Reich der Mitte zu erschliessen. Weitere Mitbewerber wie Standard Chartered, Barclays, Jefferies und MF Global werben ebenfalls um Talente. Die UBS verlässt sich, wie eine Sprecherin gegenüber Reuters ausführte, auch auf ihre Business University in Singapur, um zu verhindern, dass junge Kräfte abwandern.