Sage zählt für Kleinfirmen zu den führenden ERP-Firmensoftwareanbietern, mit denen Unternehmen ihre Ressourcen verwalten und Arbeitsprozesse optimieren. Die Sage-Lösungen sind brauchbar für die breite Spanne von Einpersonenfirmen bis hin zu grösseren Einheiten mit mehreren hundert Angestellten.

Dieser Markt ist indes nicht frei von Konkurrenten. Laut den Industrieanalysten sind Microsoft (mit dem Produkt «Dynamics AX»), SAP («Business All-in-One»), Epicor, Infor, QAD, Oracle, IFS, Lawson und Exact ebenfalls vertreten – und das sind lediglich die internationalen Anbieter, die Lösungen für mehrere Industrien entwickeln. Daneben gibt es unzählige weitere lokale Anbieter mit einer Handvoll Kunden in ganz bestimmten Industrien und speziellen Bedürfnissen. Und natürlich die SaaS-ERP-Anbeiter wie Netsuite, Plexus Online, Glovia sowie die Open-Source-Hersteller Compiere oder Openbravo. Laut den Marktforschern von AMR hält Sage im ERP-Markt global 5% Marktanteil im Segment der Firmen zwischen einem und 1000 Mitarbeitern. SAP führt hier mit 32% vor Oracle mit 17%. Infor kommt als Nummer vier auf 4%, Microsoft folgt mit 3%. Im KMU-Segment bis 500 Angestellten führt dagegen Sage laut den Marktforschern von IDC mit 21% vor Micrsoft mit 12%. Oracle mit 9% und SAP mit 3% sind hier Nischenplayer. Fast die Hälfte des Marktes wird von weiteren, teilweise sehr lokalen Anbietern gehalten. Hier besteht erhelbliches Konsolidierungs- und Standardisierungspotenzial.



Konsolidierungspotenzial



Genau in diese Lücke zielt jetzt Sage. Diese Woche stellte der Hersteller bei einem Medien- und Analystenanlass in Paris seine neue ERP-Suite «X3» vor. Mit diesem Produkt zielt Sage jetzt auf mittelgrosse Firmenkunden, die im Zuge der Globalisierung Filialen, Produktionsstandorte und Verwaltung an unterschiedlichen Orten in verschiedenen Ländern unterhalten. Diese mittelgrossen Firmen stellen erst 13% der Kunden von Sage. Das Angebot gilt europaweit und durch ein internationales Team bei Sage unterstützt. Paul Walker, CEO von Sage, positioniert das Produkt unterhalb der grossen und teuren Suiten von Anbietern wie SAP und Oracle. Oracle ist als Technologieparter für Datenbanken, den Real Application Cluster sowie die Exadata-Datenbankmaschinen, die auf der Basis von Sun-Hardware arbeiten, beteiligt.



«Keine Strategieänderung»



Walker sieht mit dem europaweit lancierten, aber zentral in Frankreich entwickelten Produkt keine grundsätzliche Strategieänderung. Sage war bisher oft als Aufkäufer etablierter lokaler Anbieter aufgetreten und hat beispielsweise in der Schweiz Sesam und Simultan gekauft. Laut Walker hat sich Sage in letzter Zeit etwas mit Akquisitionen zurück gehalten, auch um die Schulden zu reduzieren und Dividenden entrichten zu können. «Ja, es gibt dennoch weiter attraktive Übernahmeziele da draussen» sagt Walker im Gespräch weiter, «wir schauen uns aber jeweils von Land zu Land an, ob wir Technologie oder Kunden kaufen.» Das neue Produkt sei die Antwort auf die Anforderungen der Kunden. «Wir führen aber unsere Strategie der lokalen Angebote und Expertise fort» sagt Walker weiter. Die Räder würden dennoch nicht in den verschiedenen Ländern wieder neu erfunden. «Und auch finanziell stimmt es – wir zahlen branchenübliche Löhne an die lokalen Entwickler.»

Wird man jetzt Sage öfters gegen SAP antreten sehen? «In diesem Bereich wachen erfolgreiche Firmen nur von unten in den Markt rein, nicht von oben» gibt sich Walker zuversichtlich. Und auch vor Microsoft fürchtet er sich nicht – der Computerkonzern hatte vor einem halben Jahr eine Kleinbetriebs-ERP-Lösung nach fünfjährigen Versuch, auf dem Markt Fuss zu fassen, in den USA und einigen europäischen Ländern wieder vom Markt genommen, «trotz des grossen Marketingbudgets und des bekannten Namens» sagt Walker. X3 soll nicht nur indirekt über Partnerfirmen, sondern neu auch direkt vertrieben werden, hinsichtlich der Implementierungskosten günstiger sein als Konkurrenzprodukte und rascher zu installieren sein.



Wichtiger Markt



In der Schweiz beschäftigt Sage laut Länderchef Jean-Jacques Suter 200 Personen, arbeitet mit 800 Partnerfirmen und zählt über 60000 Kunden. Trotz Restrukturierungsauslagen schloss man das letzte Geschäftsjahr per Ende Oktober 2009 in den schwarzen Zahlen ab – auch wenn die Profitabilität nicht ganz das Konzernniveau erreichte, wie Suter einräumt. X3 wird in der Schweiz zusammen mit weiteren französischsprachigen Regionen (Frankreich, Belgien) lanciert. Bereits 20 Firmenkunden nutzen eine Vorgängerversion von X3.

Möglicherweise wird die neue Software nicht nur den Wartungsumsatz stabilisieren, sondern auch die Kundenzufriedenheit verbessern. Die jüngste Zufriedenheitsumfrage von Morgan Stanley, einer US-Investmentbank, zeigt Sage im Mittelfeld, deutlich hinter Microsoft, SAP, Oracle oder VMware.




 

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