Der Schweizerische Treuhänderverband Treuhand|Suisse sowie Wirtschaftsprüfer und -berater setzen sich im Interesse der KMU dafür ein, dass die grosse Aktienrechtsreform nicht zu einer Überlastung führt. Was will der Gesetzgeber mit den neuen Bestimmungen erreichen? Er erhofft sich mehr Transparenz für Dritte, die sich ein zuverlässiges Bild über die finanzielle Lage einer Unternehmung machen wollen. Im Gegensatz zu kleineren Unternehmen, welche die eingeschränkte Revision anwenden oder gar auf die Revision verzichten, müssen grosse Unternehmen und Konzerne, die ordentlich geprüft werden, zukünftig auch in der Rechnungslegung weitergehende Offenlegungen erfüllen. So sind neben Bilanz und Erfolgsrechnung zusätzliche Angaben im Anhang zu machen sowie eine Geldflussrechnung und ein Lagebericht zu erstellen. Letzterer wird den heutigen Geschäftsbericht ersetzen.

Anerkannter Standard

Die Botschaft zur Revision des Aktien- und Rechnungslegungsrechts sieht vor, dass Rechtspersönlichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen einen Abschluss nach einem anerkannten Standard (z.B. Swiss GAAP FER oder IFRS) vorlegen müssen:

• Publikumsgesellschaften, wenn dies die Börse verlangt;

• Genossenschaften mit mindestens 2000 Genossenschafter;

• Stiftungen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind ;

• nicht-konsolidierungspflichtige Kapitalgesellschaften, Vereine und Stiftungen auf Verlangen von Minderheiten, das heisst 10% der Gesellschafter, die das Grundkapital vertreten.

Swiss GAAP FER hat mit seiner neuen Konzeption der Kern-FER, die nur ein paar wenige FER aus den Standards vorsieht, das ideale Instrument für kleine Organisationen geschaffen, wenn diese einen Abschluss nach einem anerkannten Standard erstellen müssen oder wollen. Dank des modularen Aufbaus können die Swiss GAAP FER bei der Anwendung eines anerkannten Abschlusses der Grösse und Situation eines KMU entsprechend umgesetzt werden. Insofern profitieren Unternehmen von einer zusätzlichen Erleichterung, dass sie nur noch einen Abschluss nach anerkanntem Standard erstellen müssen, welcher auch für steuer- und handelsrechtliche Zwecke genügt.

Das neue Gesetz verlangt eine Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung nach den wichtigsten Bewertungsgrundsätzen. Neu sind von der Steuerverwaltung nicht akzeptierte Abschreibungen oder Rückstellungen im Anhang summarisch offenzulegen. Um KMU den Abschluss zu erleichtern, wurden nur die wesentlichen Bewertungsgrundsätze im Gesetz aufgenommen. Die seit dem 1. Januar 2008 geltende Offenlegung zur Durchführung einer Risikobeurteilung wird nach aktuellem Stand der Rechnungslegung in den Lagebericht verschoben. Dieser wird nicht mehr prüfungspflichtig und nur noch durch grosse Gesellschaften zu erstellen sein.

Anzeige

Erleichterungen

Eine Erleichterung gibt es nach wie vor für Einzelunternehmen, Vereine und Stiftungen, welche sich nicht in das Handelsregister eintragen müssen. Für diese Gruppe reicht eine einfache Buchhaltung mit Einnahmen- und Ausgabenrechnung sowie eine Aufstellung der Vermögenslage. Die «Milchbüchleinrechnung» verschwindet also nicht. Die Mindestvorgaben sind in den Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführung geregelt.

Im Handelsregister eintragungspflichtige Einzelunternehmen, Vereine, Stiftungen und juristische Personen müssen eine Bilanz, eine Erfolgsrechnung und den Anhang erstellen. Einzelunternehmen und Personengesellschaften sind zur Rechnungslegung nach neuem Gesetz verpflichtet, können aber auf den Anhang verzichten, sofern sie die Grössenkriterien nicht überschreiten. Die Buchführung und deren Organisation müssen der Art und Grösse der Unternehmung angepasst sein. Auch dies zeigt die KMU-Kompatibilität des neuen Rechnungslegungsgesetzes.

Das neue Rechnungslegungsrecht ist nach der vollständigen Überarbeitung des Vorentwurfes ausgewogen und berücksichtigt auch die Interessen der KMU, die zahlenmässig der grösste Teil der Anwender sein wird. Zudem nimmt das Rechnungslegungsrecht die Entwicklungen der letzten Jahre auf und verankert die Anwendung von anerkannten Standards wie Swiss GAAP FER gesetzlich.