Das neue Revisionsgesetz der Schweiz unterscheidet zwischen der ordentlichen Revision für grössere und der eingeschränkten Revision für kleinere Unternehmen. Trotz einer anfänglichen Skepsis im Berufsstand haben sich beide Revisionsarten in der Praxis nach nur einem Jahr eigenständig etabliert.

IKS in der Kritik

Zu weit grösserem Echo in der Wirtschaft hat die nach Art. 728a von der Revisionsstelle zusätzlich zu bestätigende Existenz des IKS geführt. Die Streichung des Kriteriums Funktionsfähigkeit in letzter Minute durch den Gesetzgeber hat zu Unklarheiten geführt, die sich in teilweise überhöhten Vorstellungen des Berufsstandes, aber auch in unrealistischen Forderungen der Wirtschaft nach einer Existenzbestätigung ohne weitergehende Prüfungsarbeiten zeigten. Die Revisionsstelle bestätigt nur, dass dieses vom Verwaltungsrat ausgestaltete IKS im Tagesgeschäft auch Anwendung findet. Die Funktionalität und Effektivität des IKS bestätigt die Revisionsstelle jedoch nicht. Trotzdem vermag dieser Teil der neuen Revisionsordnung nicht vollständig zu überzeugen. Aus Sicht des Wirtschaftsprüfers wäre es wesentlich konsequenter und auch international üblich, separate IKS-Bestätigungen auf börsenkotierte Unternehmen zu beschränken.

Art. 663b OR verlangt, dass der Anhang der Jahresrechnung neu auch «Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung» enthält. Vorgesehen war diese Angabe nur für grössere, der ordentlichen Revision unterliegende Unternehmen. Eine kurzfristige Anpassung des Gesetzgebers führ-te fälschlicherweise dazu, dass im Anhang der Jahresrechnung jedes Kleinstunternehmen diese Angaben zu machen hat. Ob diese Offenlegung dem Bilanzleser sinnvolle Aufschlüsse für die Beurteilung der Unternehmensrisiken bietet, darf bezweifelt werden. Der Gesetzgeber ist sich dieser Probleme bewusst und schlägt mit der Botschaft für ein neues Rechnungslegungsgesetz vor, die Angaben über die Risikobeurteilung auf ordentlich zu prüfende Unternehmen zu beschränken.

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Verbesserte Kommunikation

Bei ordentlich zu prüfenden Unternehmen sieht das Gesetz einen neuen umfassenden Bericht der Revisionsstelle an den Verwaltungsrat vor. Aus Sicht der Wirtschaftsprüfung stellt dieser Bericht eine sinnvolle Neuerung dar. Obwohl anfänglich vor allem in kleineren Unternehmen eine gewisse Zurückhaltung gegenüber diesem Bericht erkennbar war, hat sich in der Praxis gezeigt, dass eine auf die individuellen Besonderheiten der Unternehmung abgestimmte Berichterstattung im Gegensatz zur ausgesprochen standardisierten Berichterstattung an der Generalversammlung auch von den Verwaltungsräten be-grüsst wird.

Die einzige Gefahr bei diesem Bericht besteht darin, dass wesentliche, den Aktionären im zusammenfassenden Bericht zu Kenntnis zu bringende Sachverhalte, nur noch dem Verwaltungsrat im Innenverhältnis kommuniziert werden.