Stand eine Bank am Abgrund, musste bisher der Steuerzahler einspringen: Hilfe vom Staat konnten aber nur jene Banken erwarten, deren Untergang das Finanzsystem und die gesamte Volkswirtschaft des Landes in Mitleidenschaft gezogen hätte. Bei solchen systemrelevanten Instituten trägt der Steuerzahler die Kosten einer Bankenrettung, die Obligationäre werden dagegen verschont.

Die Kosten selber tragen

Ein einfaches Mittel, damit die Gläubiger einer Bank anstelle der Steuerzahler in die Pflicht genommen werden, stellen die sogenannten «Continent Convertibles» oder «Coco»-Bonds dar. Dabei handelt es sich um spezielle Anleihen, die in Aktien gewandelt werden müssen, sobald die Eigenmittelausstattung eines Instituts unter eine bestimmte Schwelle fällt. Dieses Instrument kam bereits bei der britischen Bank Lloyds zur Anwendung. Die Bank musste bestehende hybride Anleihen in «CoCo»-Bonds wandeln. Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), geht noch einen Schritt weiter. «Allen systemrelevanten Banken sollte es nur noch gestattet sein, Schulden in dieser Form aufzunehmen», sagt Snower. Ein kapitalistisches Finanzsystem könne nur funktionieren, wenn die Banken die Kosten für das eigene Handeln auch selbst übernehmen.

Heute ist es so, dass die Banken, die eine Staatsgarantie besitzen, den Anreiz haben, grosse Risiken einzugehen. Gehen die Wetten auf, winken hohe Gewinne. Läuft es dagegen schief, trägt der Steuerzahler die Verluste. Mit staatlichen Rettungsschirmen werde verantwortungsloses Handeln der Banken nur noch belohnt. «Auf diese Weise kommt es zu Entscheidungen, die nicht im öffentlichen Interesse sind», sagt Snower.

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Mit den neuen Bonds würden die systemischen Risiken automatisch mitberücksichtigt und damit den Interessen der Öffentlichkeit Rechnung getragen. Die Aktionäre würden zwar auch in diesem neuen System weiterhin hohe Renditen fordern. «Doch wer in einem neuen System den Aktienkurs steigern will, muss exzessive Risiken vermeiden.» Damit würde letztlich auch verhindert, dass es künftig wieder ähnliche Finanzkrisen gäbe.

Manuel Ammann, Professor für Finance und Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen (HSG), plädiert dafür, dass die Banken gezwungen werden, solche oder ähnliche Obligationen in genügendem Umfang auszugeben. Ammann sieht darin ein gutes Instrument, dass das Risiko künftig bei den Gläubigern und Aktionären bleibt. Mittlerweile sind diese speziellen Anleihen auch Teil der breiten Regulierungsdiskussion geworden. Im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht wird das Instrument diskutiert, in einem Bericht im Juli sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Auch bei den Schweizer Aufsichtsbehörden sind «CoCo-Bonds» ein Thema. Finma-Sprecher Tobias Lux: «Diese Instrumente werden auf verschiedenen Ebenen diskutiert, auch in Zusammenhang mit der aktuel- len ‹too-big-to-fail›-Debatte.» Es handle sich aber nur um ein Instrument in einer ganzen Reihe von möglichen Lösungsansätzen.

Noch kein Praxistest

Die konkrete Ausgestaltung und Wirkung dieser Instrumente ist noch offen. Den grossen Praxistest haben die Papiere noch nicht bestanden. So ist unklar, ob diese Bonds am Markt eine breite Akzeptanz finden würden.

Sicher ist jedoch, dass diese Art der Kapitalaufnahme für die Banken teuer würde. Denn die Aktionäre werden höhere Risikoprämien fordern, die das Verlustrisiko durch die Umwandlung der Schulden in Eigenkapital ausgleichen.

Massive Kapitalverwässerung

Die Aktionäre müssen bei einer Wandlung im Zuge der Kapitalverwässerung einen Kursverlust hinnehmen. Dies kann besonders verheerend sein, wenn der Aktienkurs durch die Panik an den Finanzmärkten in einer Krise schon sehr stark gefallen ist. Bis heute gibt es keine Erfahrungswerte, wie der Markt in einer solchen Situation reagiert. Auch wenn das neue Instrument bei Bankvertretern zum Teil auf ein positives Echo stösst, dürfte ihr Zuspruch letztlich vor allem auch davon abhängen, ob sich die Bankinstitute diese Anleihen als Eigenmittel anrechnen lassen können, zumal die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hier die Schrauben stark anzieht.

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