Wenn es darum geht, Steuersündige aufzuspüren, rennen Steuerfahnder nach wie vor Trusts und Stiftungen hinterher. Dabei hat die reiche Bankkundschaft bereits neue Wege gefunden, ihr Geld zu parken. Die Rede ist von sogenannten Insurance Wrappers - das sind strukturierte Lebensversicherungen. Von Vermögensberatern derzeit stark angepriesen, wecken diese Produkte vermehrt die Aufmerksamkeit der hiesigen Finma sowie die der deutschen Finanzmarktaufsicht.

Bei den Insurance Wrappers werden Vermögensanlagen aller Art - etwa Aktien, Obligationen oder Fonds - in eine Lebensversicherung übertragen, sprich von einem «Mantel» umhüllt. Daher auch der Name Wrappers. Danach erscheint bei der zuständigen Bank nur noch die Assekuranz als Eigentümer. Die Vermögensvermehrung generiert sich steuerfrei. Denn sobald die Anlagen des Kunden in die Lebensversicherung transferiert wurden, profitiert dieser während der Laufzeit in den meisten Ländern von einem Steueraufschub. Das grosse Geschäft mit diesen «Versicherungsmänteln» witterte der Versicherungskonzern Swiss Life bereits 2004 und gründete dafür eine Tochtergesellschaft in Liechtenstein. Seither hat die Gesellschaft weitere Ableger in Luxemburg, Singapur und Dubai gegründet. Damit gehört Swiss Life zu den Marktführern in diesem Bereich. Die Firma schätzt das Marktpotenzial mit den Insurance Wrappers auf rund 200 Mrd Fr.

Nach einem wegen der Finanzkrise schwierigen Jahr 2008 explodierten im 1. Halbjahr 2009 die Prämien bei Private-Placement-Life-Insurance (PPLI) um 80% auf 1,43 Mrd Fr. und generierte damit rund 10% der gesamten Prämieneinnahmen. «Wir sind zuversichtlich, dass wir das Prämienvolumen im 2. Halbjahr weiter steigern können», sagt Peter Huber, CEO PPLI Swiss Life (siehe «Nachgefragt»). Auffällig ist, dass die Prämiensteigerung im selben Zeitraum erfolgt, wo Trusts und Stifungen verstärkt unter die Lupe genommen werden. Dies heizt wiederum den Verdacht an, dass die Insurance Wrappers lediglich dazu dienen, den Reichen neue Möglichkeiten zu bieten, ihre Gelder in Sicherheit zu bringen. Huber widerspricht: «Nein, Lebensversicherungen sind in fast allen Rechtsordnungen bekannt. Sie bieten den Kunden ein hohes Mass an Rechtssicherheit.»

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Finma verfolgt den Markt

Jedoch dürfte das Wegfallen einer Entgeltungssteuer auf generierten Erträge sowie die Verschleierung der Kundendaten bei den Banken besonders für Steuerhinterzieher ein verlockendes Verkaufsargument sein. «Unsere Kunden nutzen die steuerlichen Vorteile, welche der Gesetzgeber bietet», wehrt sich Huber. «Von Steuerschlupflöchern kann in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein.» Zudem würden die Kunden eine Deklarationspflicht unterschreiben, dass alle Gelder, die in die Police einbezahlt werden, auch versteuert sind.

Trotz Deklarationspflicht traut besonders Deutschland den Wrappers nicht über den Weg. So hat das deutsche Finanzamt die Steuergesetzgebung für solche Produkte verschärft. Deutsche Kunden haben künftig keine Gestaltungsfreiheit mehr in der Zusammensetzung und Verwaltung ihrer Anlagen, sobald die Vermögenswerte in die Police einbezahlt sind. Zudem gilt eine strukturierte Lebensversicherung nur noch als steuerbegünstigt, wenn ein Todesfallkapital von mindestens 10% der Kapitalanlagen abgesichert ist. Weitere Verschärfungen sind einem Finanzamt-Sprecher zufolge nicht ausgeschlossen.

Auch die Finma nimmt Wrappers unter die Lupe. «Besonders den Vertrieb über unabhängige Finanzberater ohne Lizenzen, wie Treuhänder und Anwälte, schauen wir genauer an», sagt Finma-Sprecher Alain Bichsel. Zudem schliesst er eine verstärkte Begutachtung dieser Produkte in Zukunft nicht aus.

 

nachgefragt
«Können Prämienvolumen weiter steigern»

Peter Huber ist CEO PPLI (Private Placement Life Insurance).

Steuerfahnder konzentrieren sich derzeit besonders auf Trusts und Stiftungen. Dienen Ihre Produkte nun als neue Steuerschlupflöcher?

Peter Huber: Alle unsere Produkte sind absolut rechts- und steuerkonform mit der jeweiligen Ländergesetzgebung und unterstehen der entsprechenden Aufsicht. Unsere Kunden nutzen die steuerlichen Vorteile, welche der Gesetzgeber bietet. Von Steuerschlupflöchern kann in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein

In Deutschland haben sich aber seit April die Bedingungen für solche «Mantel»-Produkte verschärft. Wie wirkt sich dies auf Ihr Geschäft aus?

Huber: Wir haben vor allem im vergangenen Jahr eine starke Verunsicherung bei unseren Kunden in Deutschland wahrgenommen. Während das Gesetz angepasst wurde, bestand monatelang keine Rechtssicherheit, und die Nachfrage nach Lebensversicherungen hat entsprechend abgenommen. Nun hat sich die Situation beruhigt und wir rechnen mit einem entsprechenden Aufschwung.

Trotz der Verschärfung in Deutschland generierten Ihre Sparte im 1. Halbjahr 2009 ein Prämienwachstum von 80% auf 1,4 Mrd Fr. Was erwarten Sie für das 2. Halbjahr?

Huber: Wir sind zuversichtlich, dass wir im 2. Semester das Prämienvolumen weiter steigern können.

Was spricht dafür?

Huber: Wir stellen insbesondere eine Erholung in Asien und im Mittleren Osten fest. Zudem rechnen wir damit, dass die Gesetzesanpassung in Deutschland wieder mehr deutsche Kunden anzieht. Wir wollen aber auch von weiteren Opportunitäten profitieren, wie beispielsweise von der Steueramnestie in Italien.