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Einschätzung
Neues Sparmanöver der ABB beflügelt Aktie

Logo der ABB: Die neue Sparübung will sich der Konzern über eine Milliarde Dollar kosten lassen. Keystone

Nach der Bekanntgabe eines zusätzlichen Sparprogramms stürzen sich die Händler auf das Papier des Industriekonzerns. Experten sind über den neuen Spareffort der ABB allerdings geteilter Meinung.

Veröffentlicht am 09.09.2015

Keine Aufspaltung des Konzerns, keine zusätzliche Aktienrückkäufe - dafür aber tiefere Wachstumsziele. Trotzdem tendieren die ABB-Aktien zum Zeitpunkt des Investorentages deutlich höher. Statt der kolportierten Bereichsverkäufe setzt der Industriekonzern auf eine Neuorganisation der Divisionen und weitere Einsparungen. Bei den Analysten kommt dies mehrheitlich gut an.

ABB notieren um 09.50 Uhr bei relativ hohem Handelsvolumen 1,5 Prozent höher auf 18,81 Franken und tendieren damit in etwa mit dem Gesamtmarkt (SMI: +1,86 Prozent). Mitte Nachmittag stand der Titel nur noch 0,86 Prozent im Plus. Nach den deutlichen Avancen vom Vortag (+3,2 Prozent) - Spekulationen über Aufspaltungspläne hatten den Kurs befeuert - sehen sich die Marktteilnehmer also (noch) nicht zu Gewinnmitnahmen veranlasst.

Grosse Veränderungen im Energiebereich

Zuletzt waren immer wieder Spekulationen laut geworden, der neue Grossaktionär Cevian fordere von ABB die Fokussierung auf das Automationsgeschäft und den Verkauf des Stromgeschäfts. Daraus wird aber nichts. Trotzdem erfährt der Energiebereich eine grosse Veränderung: Die drei Energie-Divisionen werden in zwei neue zusammengefasst.

Mit diesem Schritt kann ABB die Kundenbasis und die Verkaufskanäle der alten drei Divisionen besser nutzen, urteilt etwa ZKB-Analyst Richard Frei. Er sei daher positiv zu werten. James Stettler von Barclays streicht derweil die höhere Visibilität heraus, die damit erreicht werde.

Geteilte Meinung über Sparübung

Gleichzeitig hat ABB damit begonnen, das Portfolio der neu geschaffenen Division «Stromnetze» einer strategischen Überprüfung zu unterziehen. Aus dieser Aussage entnimmt Stefan Gächter von Helvea Baader einen Hinweis darauf, dass ABB einen Käufer für dieses Geschäft sucht. Auch Fredric Stahl von der UBS erachtet eine Ausgliederung der Division als möglich.

Geteilt sind die Meinungen über den neuerlichen Spareffort von ABB. Der Konzern will in der Verwaltung eine Milliarde Dollar sparen, was natürlich Anklang bei den Experten findet. Oskar Schenker von Sarasin Safra etwas verweist aber auf die hohen Kosten von 1,2 Milliarden Dollar für das Programm.

Teure Restrukturierung – tiefe Gewinne

Eine kritische Anmerkung kommt auch von UBS-Analyst Stahl mit Blick auf ähnliche Transformationsprogramme bei Mitbewerbern von ABB. Nicht selten seien höhere Restrukturierungskosten und tiefere Gewinne das Hauptergebnis einer solchen Übung gewesen.

Wenig überrascht zeigen sich die Experten letztlich von dem Umstand, dass ABB seine Wachstumsambitionen etwas heruntergeschraubt hat. Diese hätten zuletzt angesichts des tiefen Ölpreises, der verlangsamten Industrieproduktion und des Wachstumseinbruchs in den Schwellenländern ohnehin zu hoch gelegen, meint etwa Vontobel-Experte Panagiotis Spiliopoulos.

(awp/dbe/chb)

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