1. Home
  2. Unternehmen
  3. Neues Theater im Sauber-F1-Team

Urteil
Neues Theater im Sauber-F1-Team

Giedo van der Garde: Bisher Sieg auf ganzer Linie gegen Sauber. Keystone

Der Holländer Giedo van der Garde klagt sich kurz vor WM-Start ins Cockpit beim Formel-1-Stall Sauber zurück. Ein Urteil im dümmsten Moment für die Schweizer.

Von Christian Bütikofer
am 11.03.2015

Lange Gesichter bei der Truppe um Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn: Kurz vor dem Saisonstart gewinnt der von Kaltenborn einst als «Talent» hochgelobte Giedo van der Garde einen Rechtsstreit in Australien um das Cockpit. Der Geld-für-Cockpit-Fahrer (Paydriver) Van der Garde wollte von Sauber keine der vielen Millionen zurück, die sein Umfeld einschoss - laut «Blick» flossen rund acht Millionen Euro -, er wollte fahren. Und das kann er nun auch.

Der Supreme Court Victoria gab dem 29-jährigen letztjährigen Ersatzfahrer in Melbourne recht, dass er einen gültigen Vertrag als Stammpilot für 2015 abgeschlossen hat. Die Hinwiler beharrten darauf, dass der Deal mit der Gesellschaft von van der Garde, aber nicht mit ihm persönlich getroffen wurde.

Jetzt ist Sauber-Teamchefin Kaltenborn «sehr enttäuscht», wie der Rennstall in einer Pressemitteilung schreibt. «Wir müssen uns nun Zeit nehmen, die Konsequenzen dieses Entscheids zu verstehen sowie die Auswirkungen auf unseren Saisonstart zu evaluieren», steht in einer Medienmitteilung. Letzte Woche hatte ein Schweizer Gericht dem Antrag van der Gardes in erster Instanz stattgegeben, dass Sauber nichts unternehmen dürfe, um ihn an einem Start zu hindern. Das australische Gericht hat dies nun bestätigt.

Einer zuviel am Steuer - Existenz gefährdet

Das Urteil ist gravierend. Einer der zwei nominierten Piloten Felipe Nasr und Marcus Ericsson muss dem Holländer van der Garde nun Platz machen. Und die zwei werden wohl ebenfalls mit Klagen reagieren, falls man sie auslädt. Da beide für ihren Stammplatz je rund 20 Millionen Franken hinblätterten. Van der Garde zahlte hingegen viel weniger - wegen dem Urteil steht somit Saubers Existenz auf dem Spiel.

Noch Anfang 2014 war Sauber voll des Lobes für den hartnäckigen Niederländer: «Wir freuen uns, dass wir Giedo van der Garde verpflichten konnten. Er hat vier Jahre Erfahrung in der GP2 und ein Jahr in der Formel 1. Damit bringt er beste Voraussetzungen mit, erfolgreich mit unserem Team zu arbeiten. Giedo hat sein Talent als Rennfahrer oft bewiesen (...). Giedo hat die richtige Einstellung, um einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.» Seine kämpferische Einstellung bereitet Sauber nun heftige Kopfschmerzen.

Sauber-Anwalt Rodney Garratt sagte über den Fahrer: «Van der Garde hat keine Erfahrung mit dem Sauber C34, er hat auch keinen angepassten Sitz und keine Versicherung. Ihn fahren zu lassen, ist ein inakzeptables tödliches Risiko für die anderen Piloten und alle im Fahrerlager! Es besteht die Gefahr von Ver­letzungen und Tod!»

Sauber hat bis morgen um 16 Uhr Zeit, seine beiden Piloten für den Grossen Preis von Australien einzuschreiben. Sauber legte in Melbourne gegen das Urteil zwar Rekurs ein, doch die Chancen stehen sehr schlecht, dass der Rennstall obsiegt.

Betreibungen und Russen-Enttäuschung

Sauber hatte in der Vergangenheit bereits Probleme mit Fahrern, die sich für teures Geld bei den klammen Schweizern einkauften. So erfüllte der lange hochgelobte Russe Sergej Sirotkin die Erwartungen nicht, auch die versprochenen Gelder kamen offenbar nicht in der Schweiz an, was dazu führte, dass Sauber bald wegen Betreibungen wiederholt in der Presse auftauchte.

Anzeige