Die Stadt Theben beherbergt das noch wenig bekannte archäologische Museum des antiken hellenischen Gemeinwesens Koinon der Böotier, wo Fundstücke aus Ausgrabungen in den umliegenden Kleinstädten von Orchomenos, Thespies und Platäi, Tanagra, Aliartos, Agräfia und anderen noch kleineren Städten wie Levadia, Kopes, Chäronia, Thisvi und die an Attika grenzenden Kleinstädte Oropos, Ysies, Erythres und Eleftheres zu sehen sind. Aus den böotischen Böden wird auch heute noch die Hauptstadt Athen mit Obst und Gemüse versorgt.

Theben und Pindar

Theben hat eine langjährige politische und kulturelle Geschichte als Vorreiterin aller Städte Böotiens. Ihr Gründer, Kadmos, war auf der vergeblichen Suche nach seiner Schwester Europa, die von Zeus entführt worden war. Aus Theben kam auch der Dichter Pindar, und an den Titanenmauern der Stadt waren die herrlichen Klänge der im Homer-Epos besungenen Harfe zu hören.

Das Museum von Theben (siehe Buch «Das Archäologische Museum von Theben», Vassilios Arvantinos, Verlag Eurobank 2010) wurde vor 100 Jahren erbaut und befindet sich am Nordende der Thebaner Akropolis. Die Umstrukturierung des Museums wird 2012 abgeschlossen sein, sofern es die finanziellen Mittel des Kultusministeriums erlauben oder ein Sponsor gefunden wird. Das Umfeld des Museums wird landschaftlich neu gestaltet, und die Ausstellungsstücke werden neu angeordnet. Bedeutungsvoll sind die mykenischen Ziselierarbeiten aus Gold, Elfenbein, Lasurit und Obsidian. Weihgaben aus dem Heiligtum des Apollon Ptoos und des Apollon Ismenios, der Kabiren und der Thesmophoren Demeter und Kore, insbesondere vom Herakles-Tempel beim Elektra-Tor, gesellen sich zu erschütternd direkten Grabstelen und wertvollen historischen Inschriften.

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Die wahren Böotier

Seltene Sammlungen von Stempelsteinen und Schmuck, die von den Enden der damals bekannten Welt (Mesopotamien, Afghanistan) nach Theben verschifft wurden, sind im Museum zu sehen, sowie die Kuren des Apollon Ptoos-Heiligtums, Hierien aus Aulis und die einsamen jugendlichen Verstorbenen Mnesitheos und Theodoros. Die neue Ausstellung der antiken Fundstücke im Museum von Theben wird vervollständigt durch die mittelalterlichen Sammlungen, die den Liebhaber der Antike und der Künste willkommen heissen.

Das Museum straft den Mythos Lügen, dass die Einwohner von Böotien wahre «Böotier» seien: Kulturell ungebildet, schwerfällig im Denken und mit einem bäuerlichen Geschmack. Hier kann sich der Besucher vom Gegenteil überzeugen. Die Böotier waren Menschen mit einer besonderen Erfindungsgabe und ästhetischem Empfinden.