FINANCIALS. Die Banken und andere Finanzdienstleister stehen seit Monaten im Bann der amerikanischen Subprime-Kreditkrise. Der teilweise grosse Abschreibungsbedarf hat einzelne Geldinstitute wiederholt in die Negativschlagzeilen gebracht. Gleichzeitig sind die Börsennotierungen von Banken und Versicherungen überdurchschnittlich gefallen. Das hat besonders mutige Fondsmanager dazu bewogen, die Aktienbestände in diesem Anlagesegment selektiv aufzustocken.

Andere Geldexperten warnen allerdings davor, die Financials bereits derart früh wieder ins Zentrum zu rücken. Obwohl viele Banken bis anhin in der Lage waren, sich frisches Geld am Markt zu besorgen, ist für Martin Hüfner, Chefökonom der Aquila-Gruppe, keineswegs sicher, «ob diese Gelder am Ende aber reichen, um alle Löcher bei den Banken zu stopfen». Zudem sieht er einen erheblichen Restrukturierungsbedarf auf die Banken zukommen. Einige Banken haben schon angekündigt, dass sie sich von gewissen Tochtergesellschaften trennen wollen. Die Konzentrationsbewegung innerhalb der Finanzindustrie wird einen neuen Schub erhalten.

Attraktive Vermögensberater

Das eröffnet den Anlegern die Chance, bei jenen Nischenplayern einzusteigen, die nicht unmittelbar durch die Subprime-Kreditkrise betroffen sind, deren Aktienkurse aber aufgrund einer gewissen Sippenhaft ebenfalls gelitten haben. Dazu gehört etwa die VZ Holding, die erst vor einem knappen Jahr den Börsengang vollzog. Zwar ist der Free Float wegen der hohen Beteiligung des Managements mit 30% noch tief, aber das soll sich ändern, sobald die in der Startphase blockierten Titel auf den Markt kommen. Der unabhängige Vermögensberater hat im letzten Jahr mit der VZ Depository Bank den Schritt ins Bankgeschäft gemacht und erwartet nun einen starken Anstieg bei den Depots und bei den Kommissionseinnahmen. «Neun von zehn Beratungskunden entscheiden sich für unsere Bank», sagte CEO Matthias Reinhardt an der Swiss Equities Conference von Helvea. Die VZ Holding strebt in der Schweiz eine rasche Expansion des Niederlassungsnetzes an und hat mit einem Stützpunkt in Frankfurt auch bereits den Schritt über die Landesgrenze gemacht. Die Ausweitung der Geschäftsbasis steht beim Vermögensberater und -verwalter erst am Anfang. Mit den schnell wachsenden Kundendepots wird die VZ Holding auch zu einem interessanten Übernahmeobjekt im Zuge der Branchenkonsolidierung. Dieses Schicksal hat den unabhängigen Vermögensberater AWD bereits erreicht. Swiss Life steht im Begriff, den deutschen Finanzdienstleister zu übernehmen, um die in Europa breit gestreute Vertriebskraft für den Verkauf von Vorsorgeprodukten zu nutzen. Zweifellos wird der Lebensversicherer vom Absatznetz einer AWD profitieren. Swiss Life hat sich im letzten Jahr von der Banca del Gottardo getrennt. Mit diesen finanziellen Mitteln soll nun via Vermögensberatung der Kontakt zu den Kunden intensiviert werden. «Das bringt uns zusätzliche Geschäfte», gab sich Swiss-Life-CFO Thomas Müller an der Helvea-Investorenkonferenz überzeugt.

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Neues Geschäftsmodell

Bei der EFG International, die vor zwei Jahren das IPO vollzog, muss sich das Geschäftsmodell erst noch bewähren. Der Grundsatz vom Vermögensverwalter, der über ein stark erfolgsorientiertes Lohnsystem unternehmerisch handelt, nimmt sich auf dem Papier bestechend aus, muss sich aber in der Praxis erst durchsetzen. Die Synergien sind bei diesem Finanzverbund, der lediglich über eine zentrale IT-Plattform gekoppelt ist, in der ersten Phase kaum sichtbar. Die Akquisitionsstrategie ist teils eher zufällig geprägt, so etwa beim jüngsten Kauf des Hedge-Fond-Managers Marble Bar. Auch bei der EFG International ist der Free Float mit 27% sehr tief. Die von der Latsis-Gruppe kontrollierte EFG Group besitzt knapp die Hälfte des Aktienkapitals.Nebst den etablierten Grossbanken und Privatbanken gibt es auf dem Schweizer Börsentableau mit der Partners Group ein weiteres Finanzinstitut, das sich erst vor zwei Jahren dem Publikum öffnete. Die Zuger Spezialisten im Private Equity dürften davon profitieren, wenn sich dieser Markt künftig weiter ausbreitet. Zudem sind die alternativen Anlagen bei institutionellen Anlegern und Privatinvestoren stark in Mode gekommen.