Als Harry Hürzeler, Dean Executive Education des Swiss Finance Institute (SFI) in Zürich, am 24. Februar 2009 im Dubai International Financial Center über den EMBA in Banking and Financial Institutions Management informierte, sprach er am vorangegangenen Seminar über «Private Banking in the Current Financial Crisis». Da die aktuelle Wirtschaftskrise insbesondere die Finanzindustrie trifft und somit auch die Zielgruppe des SFI-NYU EMBA, hat das Swiss Finance Institute Anpassungen im Lehrplan vorgenommen; sowohl an der Struktur als auch am Inhalt.

Bestehendes kritisch betrachten

Was den Kursinhalt betrifft, erörtern die Professoren des Executive MBA einerseits die Herausforderungen des erschwerten Umfelds, andererseits werden bestehende Modelle noch kritischer als zuvor betrachtet und Lösungsansätze erarbeitet. Dieses Infragestellen der vorherrschenden Muster wird dadurch ermöglicht, weil das SFI-NYU EMBA mehr als ein generelles EMBA auf die finanzspezifischen Bereiche sowie ihre Anwendbarkeit eingehen kann.

Die Struktur der Teilnehmer mit 10 bis 25 Jahren Berufserfahrung erlaubt zudem praxisrelevante Diskussionen und Erkenntnisse aus der Branche. Konkrete, aktuelle Fallbeispiele und Referate von renommierten, internationalen Fachexperten stellen sicher, dass Schwächen von Modellen aufgegriffen und angegangen werden. Das Curriculum des EMBA in Banking and Financial Institutions Management möchte unter anderem dazu beitragen, dass das nationale und internationale Vertrauen in die Banker gestärkt wird.

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112 Neueintritte - trotz der Krise

An der Universität St. Gallen (HSG) leitet Manuel Ammann den Master in Banking and Finance. Der Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen kann sich über das anhaltende Interesse der jungen Absolventen, die direkt nach dem Bachelor einsteigen können, nur freuen. «Wir haben im vergangenen Herbst trotz der Finanzkrise 112 Neueintritte gehabt und können uns über mangelnde Nachfrage bisher nicht beklagen», sagt der Professor.

Vielleicht ist das auch der Grund, dass er davon überzeugt ist, dass der Master in Banking and Finance so aufgestellt ist, dass er aufgrund der Krise keiner grundlegenden Reform bedarf. «Aber die Krise wird viel anschaulichen Lehrstoff hergeben, das ist sicher.» Und wie steht es mit Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und Ethik? Im Master in Banking and Finance sind diese Themen laut Ammann keine Fremdwörter, sondern integraler Bestandteil der jeweiligen Fachveranstaltungen. Im Bereich Ethik bietet die Universität St. Gallen sogar eine eigenständige Vorlesung mit dem Titel «Ethik in Financial Services» - und zwar nicht erst seit der Krise.

Ethik beginnt in der Kinderstube

Die beste Ethik-Vorlesung kann die Erziehung aber nicht ersetzen, so Manuel Ammann. Diese Meinung teilt Petra Joerg, Managing Director Rochester-Bern EMBA. Sie fragt sich nämlich, ob man soziale Verantwortung in einem Kurs für Erwachsene überhaupt lehren kann: «Ist das nicht etwas, das ein Mensch in seiner Kindheit und Jugend von den Eltern und der Schule mitbekommt?»

Rochester-Bern stellt ebenfalls keine Zurückhaltung bei den Finanzinstituten fest (siehe «Nachgefragt»). Gerade für den berufsbegleitenden EMBA im Bankensektor klingt dies optimistisch, weil die Auswirkungen der Krise zuerst die Banker treffen. Das Swiss Finance Institute bietet jedoch für Teilnehmer, die den Kurs teilweise selber finanzieren müssen, die neue Möglichkeit, die Programmgebühr in drei Raten über drei Fiskaljahre zu bezahlen. Eine Variante, der sich vielleicht weitere Institute anschliessen werden.

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NACHGEFRAGT Petra Joerg, Managing Director Rochester-Bern Executive MBA Program, Bern


«Unsere Studierenden sind verantwortungsvoll»

Im EMBA von Rochester-Bern sind derzeit 67 Studierende eingeschrieben. Wie hoch ist dabei noch der Anteil der Banker?

Petra Joerg: Diesmal sind es 18, also etwa ein Viertel aller Eingeschriebenen. Sie kommen zwar von Banken, arbeiten aber in diversen Bereichen wie IT, Event Management, HR, Marketing oder Vermögensverwaltung.

Sind die Banken bei der Zuteilung neuer Studenten in der Krise zurückhaltender geworden?

Joerg: Nein, wir spüren keine Veränderung. Die Zahl der Studierenden aus dem Bankensektor ist ähnlich hoch wie in den vergangenen Jahren.

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass die Vertrauenskrise gegenüber den Finanzinstitutionen Änderungen im Programm bewirkt?

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Joerg: Nein, das glaube ich nicht. Die Banken bemühen sich derzeit stark, das Vertrauen bestehender und zukünftiger Kunden zu erhalten bzw. wieder zu gewinnen. Dabei sind gut ausgebildete Führungskräfte ein Muss.

In Krisenzeiten wird der Ruf nach mehr Ethik, sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit laut. Werden diese Themen mehr Gewicht in der Ausbildung haben?

Joerg: Natürlich ist das Thema Nachhaltigkeit im Handeln von Unternehmen sehr wichtig, nicht nur erst heute. Eine General-Management-Ausbildung, die den Studierenden ein gesamtheitliches Bild der Aufgaben, Funktionen und Verantwortung im Unternehmen vermittelt, trägt zu nachhaltigem Handeln bei. Rochester-Bern tut genau das.

In den Rankings der «Financial Times» kommen Kriterien wie Führung und soziale Verantwortung nicht vor - sie sind offenbar kein Teil des Studiums. Dagegen ist festzustellen, dass viele Schulen unter den ersten Plätzen zu finden sind, die ein Jahr nach dem MBA die grössten Saläre erwarten. Besteht da nicht ein Vakuum in der Bewertungsskala?

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Joerg: Unser Curriculum ist nicht an den Kriterien der verschiedenen Rankings ausgerichtet, ebenso wenig wie die Selektion der Studierenden. Das Curriculum des Rochester-Bern EMBA deckt alle Themen ab, die ein General Manager bei der Arbeit benötigt. Leadership gehört genauso dazu wie Finanzmanagement, Marketing oder Strategie.

Sie erwarten, dass die soziale Verantwortung ein Teil der Persönlichkeit sein muss, die bei der Selektion der Studierenden geprüft wird. Genügt das in Zeiten, in denen das Fehlen von Verantwortung an den Pranger gestellt wird?

Joerg: Wir checken in den Interviews, ob unsere zukünftigen Studierenden verantwortungsvolle Menschen sind. Wer hier durchfällt, wird nicht ins Programm aufgenommen.