Ungeachtet ihres Status als Sondervermögen können auch bei Exchange Traded Funds (ETF) Risiken gegenüber dem Emittenten bestehen. Immer häufiger bilden ETF den zugrunde liegenden Index nicht mehr direkt durch den Kauf der im Index enthaltenen Wertschriften ab, sondern synthetisch durch eine Kombination aus Wertschriften-Korb und Swap-Geschäft. Dadurch entsteht ein mögliches Ausfallrisiko bei einer Insolvenz des Swap-Kontrahenten, typischerweise der Muttergesellschaft des ETF. Auch wenn das Gegenparteirisiko regulatorisch auf 10% beschränkt ist und sich durch reglementarische Vorschriften sowie weitere Sicherungsmechanismen einschränken lässt, ist es gerade für private Anleger wichtig, sich dessen bewusst zu sein.

Selbst ein direkt replizierender ETF kann ein beschränktes Gegenparteirisiko gegenüber der herausgebenden Bank enthalten, nämlich dann, wenn der ETF Liquidität in Form eines Kontos unterhält. Bei der umfassenden Ermitt- lung von Gegenparteirisiken darf schliesslich nicht vergessen gehen, auch die Gegenparteirisiken des Wertschriften-Portfolios des ETF hinzuzuzählen. Ein ETF auf den Schweizer Aktienmarktindex SMI enthält beispielsweise bereits aufgrund des Wertschriften-Korbs eine direkte Exposition gegenüber UBS von 7,2% und eine solche gegenüber Credit Suisse von 6,4%.

Achtung: Verdeckte Kosten

Die Ausgestaltung als ETF ist keine Garantie für tiefe Kosten. Die Total Expense Ratio (TER) bildet eine geeignete Basis für die Instrumentenkosten. Darin enthalten sind jedoch nicht die Kosten für Wertschriften-Transaktionen innerhalb des ETF; deren Höhe ist abhängig von der Häufigkeit von Veränderungen im Vergleichsindex und der Replikationsform. Im Grundsatz sind Swap-basierte ETF erheblich kostengünstiger als Cash-basierte ETF; den oben erwähnten Nachteilen bezüglich Gegenparteirisiken stehen also Vorteile bezüglich Kosten gegenüber. Zusätzlich sind auch die Transaktionskosten bei Erwerb und Veräusserung von ETF zu berücksichtigen. Neben einer allfälligen Courtage an die Bank ist insbesondere der Spread zwischen Kaufs- und Verkaufskurs eine Kostenkomponente.

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Bei der Liquidität sind die Grösse des Gefässes, die Höhe des Spread sowie das täglich gehandelte Volumen lediglich vordergründige Bestimmungsgrössen. Der Handel einzelner ETF verteilt sich über mehrere Handelsplätze, und namhafte Volumina werden ausserbörslich abgewickelt. Aufgrund der Tatsache, dass ausgewählte Marktteilnehmer mit Hilfe eines Ausgabe-Rücknahme-Mechanismus ETF-Anteile jederzeit in die dem ETF zugrunde liegenden Wertschriften tauschen können, ist die Liquidität eines ETF in erster Linie von der Liquidität des abgedeckten Marktsegmentes abhängig.

Analyse von Setup und Service

Die Leistungsdaten eines ETF können durch den jeweiligen Anbieter erheblich mitgeprägt werden: Einerseits durch die Entscheidungen bei der Errichtung des Gefässes (Setup), beispielsweise durch die Wahl eines geeigneten Vergleichsindexes. Anderseits durch die Qualität der Dienstleistung (Service) während der Betriebsphase, zum Beispiel durch eine häufige Publikation der tatsächlichen Zusammensetzung des Wertschriften-Korbes im ETF.

Es ist unerlässlich, jedes einzelne Instrument eingehend auf die Qualität der Leistungsdaten hin zu überprüfen und im Zeitablauf zu überwachen. Es sollte ein umfassender Kriterienkatalog erstellt werden, wobei die einzelnen Kriterien ihrer Bedeutung gemäss gewichtet und zu einer leicht interpretierbaren Kennzahl aggregiert werden. Bedeutsam ist ein klares Regelsystem, das auch einen Interventionsmechanismus vorsieht für den Fall, dass sich ein Instrument in der Qualität verschlechtert.

So könnte jedes Instrument auf einer Skala von 1 bis 6 bewertet werden. Ein vordefinierter Schwellenwert legt fest, wann ein Instrument überhaupt in das Anlageuniversum aufgenommen werden kann. Fällt die Bewertung im Zeitablauf unter den Schwellenwert, wird eine Evaluation nach alternativen Möglichkeiten für diesen Baustein ausgelöst. Instrumente, die die Bewertung von 4 nicht mehr erreichen, also ungenügend sind, müssen zwingend aus den Portfolios entfernt werden.