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Nicht erfüllt, Herr Schwaller!

Urs Schwaller

Post-Präsident Urs Schwaller: Hat einen überraschenden Chef aus dem Hut gezaubert.

Quelle: © KEYSTONE / PETER SCHNEIDER

Urs Schwaller hat mit Roberto Cirillo einen Chef ernannt, der nichts von dem mitbringt, wonach Schwaller gesucht hat. Das Desaster ist programmiert.

Marcel Speiser
Kommentar  
Von Marcel Speiser
am 22.11.2018

Man reibt sich die Augen: Roberto Cirillo wird Chef der Post. Präsident Urs Schwaller portiert damit einen Manager zum Chef des Staatskonzerns, der in der Schweiz ein komplett unbeschriebenes Blatt ist. Ein Blick in die Schweizerische Mediendatenbank spricht Bände: Zu Cirillo gibt es – abgesehen von jenen über seine Ernennung – null Einträge. Null.

Gegen Cirillo ist der neue Raiffeisen-Chef Heinz Huber, den gewisse Medien ebenfalls als völlig unbekannt bezeichnet haben, geradezu ein bunter Hund.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Fehlbesetzung

Nun spricht es nicht per se gegen einen Manager, wenn er die Öffentlichkeit nicht sucht. Im Gegenteil: In der Schweizer Wirtschaft gibt es zahllose unbekannte Schaffer, die hervorragende Arbeit leisten. Sie sind das Herz der Schweizer Wirtschaft. Auch Cirillo ist zweifellos ein erfahrener Manager, der in seiner Karriere bestimmt schon viel bewegt hat.
Aber – und das ist ein grosses Aber: Cirillo ist als Chef der Post mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Fehlbesetzung.

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«Cirillo erfüllt keine der Anforderungen für das Amt, welche die Post definiert hat.»

Zum einen gemessen an den Massstäben, die Schwaller selbst aufgestellt hat. Er hat die Headhunter von Amrop nach einer Persönlichkeit suchen lassen, die gut vernetzt ist in der Wirtschaft und im öffentlichen Bereich. Sie soll sich mit dem Service Public auskennen, den politischen Gegebenheiten und den Bedürfnissen der Bevölkerung. Schliesslich wurde nach einer Führungskraft mit ausgeprägtem Verständnis für gute Unternehmensführung gesucht.

Was davon erfüllt Cirillo? Nichts. Er mag sich in Sachen Corporate Governance auskennen. Aber sonst? Schwaller lobt Cirillos «langjährige Managementerfahrung in verschiedenen grossen und mittelgrossen Unternehmen». Er redet davon, dass Cirillo diverse Unternehmen «durch Transformationsprozesse» geführt habe. Und sagt, Cirillo habe, obwohl er seine Karriere hauptsächlich im Ausland gemacht hat, «stets eine Verbindung zur Schweiz bewahrt». Von seinem eigenen Anforderungskatalog will Schwaller also plötzlich nichts mehr wissen.

Im Militär wäre das Verdikt eindeutig: Schwaller, nicht erfüllt!

Zum anderen ist Cirillo auch deshalb eine Fehlbesetzung, weil er über keinerlei einschlägige Erfahrung verfügt. Er hat bei einem Catering-Unternehmen gearbeitet, bei einer Klinikkette für Augenlaser-Behandlungen, bei einem Spezialchemie-Unternehmen. Und ganz zu Beginn seiner Karriere bei McKinsey. Im Klartext: Cirillo hat nie staats- oder politiknah gearbeitet, er kennt weder die Logistik- noch die Finanzbranche von innen. Ebenso wenig hat er in Bundesbern einen Fuss in der Tür.

Cirillo als Chef eines komplett verpolitisierten Staatskonzerns?

Jetzt aber soll er einen grossen  Staatskonzern führen, dessen Strategie vom Bundesrat vorgegeben wird und in dessen Verwaltungsrat es von Politikern und Gewerkschaftsvertretern nur so wimmelt. Er soll Chef sein in einem Betrieb, dessen Kopf sich in der «Schweizer Illustrierten» genau so gut verkaufen muss wie in Verhandlungen mit Alibaba. Cirillo muss mit dem Posthalter in Kandersteg genau so gut umgehen können wie mit einer Bundesrätin. Er muss sich beim Bratwurst-Essen mit Gewerkschaftern genau so leicht bewegen wie beim Dinner des Weltpostvereins.

«Entweder ist Cirillo ein unentdecktes Naturtalent. Oder Schwallers Ernennung endet in einem Desaster.»

Kurz: Entweder ist Cirillo ein bislang unentdecktes Naturtalent, das alles kann. Oder Schwallers Ernennung endet in einem Desaster.

Von seinem Alter her – er hat Jahrgang 1971 – wäre Cirillo mehr als eine Übergangslösung. Sonst allerdings spricht alles dafür, dass er sich als Übergangslösung entpuppen wird.

Ganz offensichtlich ist es Schwaller und seinen Headhuntern nicht gelungen, eine valablere Kandidatin für den Job zu begeistern. Zu tief der Lohn, zu exponiert das Amt. Deshalb nochmals: Nicht erfüllt, Herr Schwaller.