Die Dividendenstrategie ist vor allem langfristig attraktiv, hat aber in den letzten Monaten einen regelrechten Boom erlebt. Kein Wunder, häufen sich die Stimmen, die vor ersten Übertreibungen warnen. Nichtdestotrotz sind und bleiben Dividenden ein wichtiger Bestandteil der gesamten Aktienrendite. In Europa entfallen seit den 70er Jahren 70% der gesamten Aktienrendite auf Dividenden. Wir erwarten, dass sie auch in Zukunft einen grossen Teil der Aktienperformance ausmachen werden, da die Alterung der Gesellschaft und die steigende Nachfrage nach festverzinslichen Produkten dazu führen wird, dass immer höhere Renditen angestrebt werden.

Wichtige Titelwahl

Die Dividendenstrategie ist keinesfalls ein Wundermittel. War es vor einigen Jahren noch einfach, Aktien mit hoher Dividendenrendite zu kaufen, ohne auf die Fundamentaldaten des Unternehmens oder die langfristige Entwicklung der Dividende zu achten, gehört diese Vorgehensweise inzwischen der Vergangenheit an. Erfolgversprechend sind nur noch Aktien von Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell. Doch gilt es auch, das Wachstumspotenzial der Dividende und den sogenannten Ausschüttungsfaktor (Teil des Reingewinns eines Unternehmens, der als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt wird) zu ermitteln. Zu beachten gilt vor allem, dass hohe Dividenden eines sehr zyklischen Unternehmens stark gekürzt oder gar ganz gestrichen werden können, wenn sich die Konjunktur abschwächt und die Wirtschaft in eine Rezession gerät.

Suche nach «guten» Dividenden

In einer Rezession wird die Ausschüttung von Dividenden unweigerlich schwieriger. Der Swap-Markt zeigt derzeit an, dass die Anleger einen sehr starken Rückgang der Dividenden erwarten, während die Analysten von lediglich bescheidenen Dividendenkürzungen zwischen 5 und 10% ausgehen. In der Tat drängen mangelnde Vorhersehbarkeit und Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten die Unternehmen eher dazu, Cash zu generieren und den Abfluss von Liquidität zu verringern. Aber nicht alle Unternehmen und Sektoren sind gleichermassen betroffen und mehr als je sollte man zwischen guter und schlechter Dividendenqualität unterscheiden. Wird beim Aufbau eines Portfolios einzig und allein auf die Maximierung der zu erzielenden Dividenden geachtet, so kann ein zu grosses Risiko entstehen, da sich viele Unternehmen zur Auszahlung einer hohen Dividende des Hebeleffektes bedienen.

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Dabei lassen sich zwischen den Sektoren grosse Unterschiede beobachten. Die Automobilindustrie ist in der Regel am stärksten betroffen, während z. B. Landwirtschafts- und Nahrungsmittelwerte oder Dienstleistungen eher ausgespart werden. Heute sind wir beim Automobilsektor, bei den Ausrüstungsgütern, bei den zyklischen Werten allgemein, und bei den Bankwerten sehr pessimistisch. Telekommunikationsbetreiber, Medien- und Erdölunternehmen hingegen weisen die besten Perspektiven auf und eine Streichung der Dividenden ist bei ihnen weniger wahrscheinlich. Wir sind in den zyklischen Sektoren stark untergewichtet und geben den defensiven Aktien der Energie-, Versorger-, Grundkonsumgüter- und Gesundheitsbranche den Vorzug.

Kaum verschuldete Unternehmen

Jeder Zyklus bringt Unterschiede und Ähnlichkeiten zu den vorherigen mit sich. Zwischen 2003 und 2007 war ein spektakulärer Anstieg der Gewinne zu beobachten, und die Unternehmen hielten sich bei den Ausschüttungen zurück. So ist der Ausschüttungsgrad derzeit relativ niedrig und birgt Entwicklungspotenzial. Ausserdem gehen Unternehmen ausserhalb des Finanzbereichs mit einer ausgewogeneren Finanzstruktur in die Rezession als dies bei vorherigen Rezessionen jeweils der Fall war. Das Verhältnis zwischen Nettoverschuldung und Eigenkapital ist niedrig, und oft weisen die Unternehmen ein bemerkenswertes Liquiditätsniveau auf.

Schliesslich taucht bei den Ähnlichkeiten die Frage nach einer Korrektur der Überbewertungen auf. Historisch gesehen werden Rezessionen von Abschreibungen bei Unternehmensakquisitionen begleitet, die in der Hochphase des Zyklus getätigt wurden. Dieses Phänomen lässt sich jetzt auch wieder beobachten, genau wie 1989 und 1990. Die Abschreibungen sind beeindruckend, sind jedoch nicht liquiditätswirksam, sondern werden im Börsenkurs reflektiert. Nehmen wir den Fall des französischen Zementherstellers Lafarge, der einen besonders drastischen Zerfall seines Aktienkurs erleben musste: Lafarge hat in der Hochkonjunktur teuer für das übernommene ägyptische Unternehmen Orascom bezahlt und zur Finanzierung einen hohen Bankkredit aufgenommen. Nun dürfte die Firma ziemlich sicher gezwungen sein, ihre Dividende zu senken, um ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Lafarge generiert momentan keinen freien Cashflow und ist mit einem Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital von 95% hoch verschuldet. Die hohe Dividendenrendite von 10% ist deshalb das Resultat des massiven Kursabsturzes und zudem alles andere als gesichert.

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Liquidität als positives Zeichen

Die Cash-Generierung ist für die Messung der Performance weitaus bedeutender als eine Veränderung bei den Gewinnen. Um die Fähigkeiten eines Unternehmens zur Generierung von Liquidität zu beurteilen, analysieren wir seine Wettbewerbsvorteile, prüfen, ob es über ein dynamisches und unternehmerisch handelndes Management verfügt, ob es profitabel und dauerhaft wächst, ob der betreffende Markt zukunftsträchtig ist und schliesslich, wie die Titel bewertet werden.

Als Aktie mit stabiler Dividen- de schätzen wir British American Tobacco ein. Die Dividendenrendite von 4% ist zwar nicht die höchste, aber BAT erhöht ihre Dividende traditionell jedes Jahr um 10%. Das Unternehmen vereint ein organisches Wachstum mit einer Optimierung der Kosten, lässt die Aktionäre an den Erträgen partizipieren und ist darüber hinaus geografisch hervorragend diversifiziert.

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Der Dividendenertrag europäischer Aktien liegt heute bei nahezu fünf Prozent. Mit einer umsichtigen Titelauswahl können Anleger somit auch in einem ungünstigen makroökonomischen Umfeld eine äusserst lukrative Dividendenstrategie fahren.