Eindrücklich sind die Fotos aus den Anfangszeiten: Der Weg vom Büro des heutigen CEO Robert Baldinger zur haus- eigenen Drogerie, wo die Renner gezeigt werden, ist mit Aufnahmen des Pioniers gepflastert: Albert Vogel (1902-1996) mit Sioux-Häuptling Black Elk, mitten in Ruinen im Mittleren Osten, zwischen Kaktuspflanzen in Mexiko oder beim Anpflanzen des Roten Sonnenhutes (Echinacea purpurea).

Heute ist Echinaforce eines der Aushängeschilder des KMU - mit diesem Produkt wird etwa die Hälfte des Pharmaumsatzes gemacht, der 2008 um 11% zulegte. Zur Geschichte: Albert Vogel hatte Black Elk auf seinen ausgedehnten Reisen kennengelernt und die Echinacea, die bei den Sioux kultiviert wird, in die Schweiz gebracht.

Robert Baldinger führt auf den Balkon westlich des modernen Gebäudetrakts. Hier wachsen diese Pflanzen just vor der Haustüre. Sie werden unmittelbar nach der Ernte sofort zu Tinkturen oder Tabletten verarbeitet. Damit ist ein optimaler Wirkstoffgehalt garantiert.

Zu Echinaforce sagt Baldinger: «Dieses Resistenzprodukt schützt vor Erkältungen, begünstigt den Gesundungsprozess und unterstützt die Selbstheilungskräfte bei grippalen Infekten.» 2005 wiesen Forscher die klinische Wirkung dieses Arzneimittels nach.

Bioforce profitiert davon, dass immer mehr Menschen es satt haben, auf Chemie zu bauen, wenn es ihnen gesundheitlich schlecht geht. Nebenwirkungen haben zur Vorsicht gegenüber herkömmlichen Medikamenten geführt. Was in der Naturapotheke in Roggwil TG angeboten wird, reicht von Heuschnupfentabletten über Linoforce (Abführmittel) und Plantaforce (Suppenkonzentrat) bis hin zu Rheumatabletten oder Prostasan (Prostatamittel).

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Wachsen, ohne Erbe zu verraten

Praktisch alle Ingredienzen für des Repertoire stammen aus einem kontrolliert biologischen Anbau. «Rund einen Fünftel pflanzen wir selber, den Rest produzieren Bauern und Sammler, die geschult werden», erklärt Baldinger. Das ist, bei der Verpflichtung, die er und sein Team eingegangen sind, den Grundsätzen des Firmengründers treu zu bleiben, nicht erstaunlich.

Überraschend indes ist, dass Baldinger aus einer ganz anderen Ecke der Pharmabranche kommt und es völlig verquer findet, wenn man die herkömmliche gegen die alternative Medizin ausspielt. Der Absolvent des Lehrgangs für Chemiespezialisten an der Fachhochschule in Winterthur hat seine Sporen bei Sandoz, später Novartis und schliesslich bei Cintex abverdient. Aber der in einem KMU Aufgewachsene wollte nicht in einem Grossbetrieb unter ferner liefen arbeiten und schaute sich nach einer Firma um, bei der man noch Tuchfühlung mit den Mitarbeitenden hat. Robert Baldinger ergänzt: «Für mich sind unsere Produkte keine Gegensätze zu denen der Konzerne, in denen ich früher gearbeitet habe. Letztlich geht es doch immer wieder um die gleiche Frage: Was braucht ein Mensch, um gesund zu sein oder gar nicht erst krank zu werden? Das hat schon unseren Firmengründer umgetrieben.»

Nicht etwa, dass sich der Chef ins gemachte Bett legen konnte. Die Konkurrenz ist ihm auf den Fersen. Dazu gehören etwa Zeller oder Similisan. Aber er findet das gut. «Ich mag mein konkurrenzielles Umfeld, das spornt uns immer wieder an.» Klar, dass er nicht gerade ausplaudert, was die Spezialisten in den Forschungslabors austüfteln. Fest steht, dass die natürliche Heilkraft von Pflanzen noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Hinzu kommen Innovationen, die es erlauben, Wirkstoffe noch optimaler einzusetzen und noch präziser zu erforschen. Wachs-tumschancen sieht Baldinger auch in der Eroberung neuer Märkte oder im tieferen Eindringen in bereits vorhandene Kanäle. Heute ist die Firma in 20 Ländern vertreten.

Coop garantiert hohe Grundlast

Auffallend ist, dass Bioforce kaum am Fernsehen und nur selten in Inseraten wirbt. Auch hier gehen die Roggwiler einen anderen Weg. Sie setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Eingeladen wird zu Besuchen in den Produk-tionsstätten oder in den Kräutergarten nach Teufen AR, wo Albert Vogel den grössten Teil seines Lebens verbracht hat. Pro Jahr pilgern etwa 6000 Personen nach Teufen bzw. Roggwil. Und die Homepage verzeichnet pro Monat knapp 50 000 Besucher.

Auch die Zeitschrift «A. Vogel Gesundheits-Nachrichten» und die didaktisch gut aufbereiteten Bücher sowie die Broschüren, die in Drogerien, Apotheken oder Reformhäusern aufliegen, finden reissenden Absatz. Besonders freut Baldinger die Zusammenarbeit mit Coop, wo die Produkte einen prominenten Platz in den Regalen einnehmen. Coop ist mit seinen 1700 Verkaufsstellen ein Garant für eine hohe Grundlast.